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IW: Drohende Wohlstandsverluste durch demografischen Wandel

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IW: Drohende Wohlstandsverluste in Milliardenhöhe durch demographischen Wandel (AFP/Lino Mirgeler)

Rund 3000 Euro pro Kopf - so viel höher könnte einer Studie zufolge das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland im Jahr 2035 ausfallen. Doch der demografische Wandel gefährdet den künftigen Wohlstand, warnte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Donnerstag. In 15 Jahren werden auf dem Arbeitsmarkt demnach mehr als fünf Millionen Erwerbstätige fehlen. Die IW-Forscher forderten die Politik zum Handeln auf.

"Die künftige Bundesregierung ist gefordert, auf die Schrumpfung der Bevölkerung zu reagieren, erst dann können auch die Unternehmen ihre Hausaufgaben erledigen", erklärte IW-Direktor Michael Hüther. "Ein Weiter-So kostet uns alle Wohlstand und kann nicht im Interesse der Politik sein."

In ihrer Studie entwickelten die IW-Forscher drei verschiedene Szenarien. Bei einer Fortsetzung der aktuellen Trends werde das Arbeitsvolumen und somit auch das Wirtschaftswachstum ab dem Jahr 2025 deutlich gebremst. Bis 2035 steige das durchschnittliche Einkommen unter diesen Bedingungen nur um durchschnittlich ein Prozent pro Jahr. Für das Jahr 2035 ergebe sich somit ein zusätzliches Pro-Kopf-Einkommen von gut 1600 Euro.

Gelingt es der Politik, den Mangel an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt zu bekämpfen, mehr Kapital zu mobilisieren und so einen stärkeren technischen Fortschritt umzusetzen, könne das reale Einkommen pro Kopf hingegen um bis zu 1,4 Prozent jährlich steigen. Im Jahr 2035 stünden den Menschen in Deutschland dann im Schnitt 3000 Euro mehr zur Verfügung.

Doch auch eine entgegengesetzte Entwicklung sei möglich: Ein schlechteres Investitionsklima und innovationsfeindliche Weichenstellungen könnten zu "spürbaren Wohlstandsverlusten" führen, warnte das IW. Im Vergleich zum Basisszenario könnte das pro Kopf Einkommen im Jahr 2035 dann um 4000 Euro niedriger liegen, errechneten die Forscher des arbeitgebernahen Instituts.

Um dem demografischen Wandel zu begegnen, forderte das IW einen Ausbau der Kinderbetreuung und Investitionen ins Bildungssystem. Auch ältere Beschäftigte sollten durch Weiterbildungsmaßnahmen länger im Arbeitsmarkt gehalten werden. Die Forscher forderten außerdem bessere Bedingungen für private Investitionen und Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

Von Fachkräftemangel berichteten in einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung Anfang Oktober auch 66 Prozent der Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Unternehmen. Die Personalknappheit fiel damit noch schlimmer aus als erwartet: Ende 2020 hatten lediglich 54 Prozent der Befragten mit einem Fachkräftemangel im Jahr 2021 gerechnet.

fho/jm

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