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Italien lernt aus langem Lockdown

·Lesedauer: 4 Min.

Noch ist die Zahl der Neuinfektionen niedriger als in den anderen EU-Staaten. Ein neuer Lockdown wird ausgeschlossen. Doch das Land bereitet sich vor.

Italien will einen zweiten Lockdown vermeiden. Foto: dpa
Italien will einen zweiten Lockdown vermeiden. Foto: dpa

Italien ist der Sonderfall in Europa. Das Land, das zu Beginn der Pandemie mit bisher mehr als 35.800 Corona-Toten am stärksten betroffen war, hat aus der harten Zeit des langen Lockdowns von März bis Mai gelernt. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn gibt es täglich deutlich weniger neue Fälle – 1.648 waren es am Dienstag, so der Zivilschutz – weniger als in Deutschland.

Die Italiener seien sehr diszipliniert gewesen, erklärt Ranieri Guerra, Direktor bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ein Mitglied des wissenschaftlichen und technischen Komitees, das in Rom die Regierung berät. Außerdem sei das System, das alle Kontakte nachverfolgt, mit Personal und Instrumenten verstärkt worden. „Wir sind das Land mit den meisten ausgeführten Tests“, so Guerra.

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Groß verbreitet und mit Genugtuung aufgenommen wurde in Italien das Lob der WHO für das Krisenmanagement. In einem Video heißt es: „Das erste westliche Land, das von der Pandemie mit Wucht getroffen wurde, ist ihr erfolgreich begegnet und kann ein Vorbild für ihre Bekämpfung werden – durch Engagement, Koordination und gute Kommunikation zwischen Regierung und Gesellschaft“.

Premier Giuseppe Conte, der seit Ende Januar mit Notstands-Befugnissen regiert, schließt einen neuen Lockdown in Italien kategorisch aus. „Das Land ist in einer anderen Situation als zu Beginn des Jahres“, sagte er. „Wenn sich Cluster entwickeln, können wir gezielt eingreifen, denn wir haben ein sehr ausgefeiltes System, um die Daten zu vergleichen.“

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Und dennoch, die Angst im Land steigt. Im Vergleich zu den aktuellen Zahlen gab es im August in Italien nur rund 300 neue Fälle pro Tag. Von einem „langsamen Anstieg positiv getesteter Personen“ spricht Experte Guerra. Im Moment würde der Anstieg nicht zu Engpässen in den Krankenhäusern führen.

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Doch das Gesundheitsministerium baut vor. Nach und nach werde die Kapazität von Betten in den Intensivstationen auf 11.000 Betten gesteigert, heißt es in einer Mitteilung. Das seien 115 Prozent mehr als vor der Pandemie. 30 Prozent der neuen Betten stünden bereits seit dem 1. September bereit.

Dazu haben einzelne Regionen eigene Schutz-Maßnahmen getroffen. Auf Sizilien gilt ab Mittwoch die Maskenpflicht auch im Freien, ebenso in Kampanien. „Wir kommen mit dem Beginn der Grippesaison in eine heikle Phase der Epidemie“, sagte der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci. Einreisende aus dem Ausland müssen sich auf einer Internetseite der Region oder beim Arzt anmelden. Bei der Ankunft soll man an Flughäfen und in Häfen Corona-Schnelltests machen. In ganz Italien gilt die Maskenpflicht in Geschäften, Zügen und anderen geschlossenen Räumen.

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Technisch mache das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Freien keinen Sinn, meint dazu Guerra, es sei denn, der Ort sei sehr voll. „Die Maske hat auch einen symbolischen Wert als Warnung.“ Weitaus wichtiger seien zu Beginn der Grippesaison schnelle Tests. Das gilt vor allem in den Schulen. Erst Mitte September hatte der Unterricht nach sechs Monaten wieder begonnen.

Ist die Pandemie so gut es geht im Moment unter Kontrolle, so kämpft Italien doch mit den ökonomischen Konsequenzen. 578.000 Arbeitsplätze seien in den ersten sechs Monaten des Jahres verloren gegangen, meldet das Statistikamt Istat. Die meisten, 273.000, seien im Gastgewerbe weggefallen. In den großen Städten ist die hohe Zahl der geschlossenen Restaurants nicht zu übersehen. Der Grund ist der weggebrochene Tourismus. Die Beschäftigtenquote ist auf 57,6 Prozent gesunken.

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Die Regierung arbeitet an Plänen, um Geld aus dem Wiederaufbauprogramm der EU zu beziehen – Italien soll mit 209 Milliarden Euro am meisten bekommen, 127 davon als Kredite und 81 als Zuschüsse, die das Land nicht zurückzahlen muss. Conte kündigte an, die Regierung plane, das Wachstum von den durchschnittlich 0,8 Prozent der letzten zehn Jahre auf Europaniveau zu verdoppeln, also auf 1,6 Prozent.

Kritisch sind die Unternehmer. „Obwohl es stimmt, dass keiner vorbereitet war, die Auswirkungen einer solchen Pandemie zu managen, so stimmt es auch, dass alle Maßnahmen, die in diesen Monaten getroffen wurden und die insgesamt rund 100 Milliarden Euro verschlungen haben, nicht dazu beigetragen haben, die Hindernisse zu beseitigen, die das Wachstum in unserem Land behindern“, kritisierte noch vor Kurzem Carlo Bonomi, der neue Präsident des Industrieverbands Confindustria. Bei der Versammlung des Verbands am Dienstag forderte er von der Regierung einen „schnellen und nachhaltigen“ Weg aus der Krise mit „wenigen und entschiedenen Prioritäten“.