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IPO/ROUNDUP/'HB': Volkswagen prüft Porsche-Börsengang - Aktien legen deutlich zu

·Lesedauer: 4 Min.

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Volkswagen <DE0007664039>-Konzern arbeitet laut einem Pressebericht weiter an einem möglichen Börsengang der Sportwagentochter Porsche AG. Europas größter Autobauer bereite unter dem Projektnamen "Phönix" ein Listing vor, um Kapital für den Konzernumbau hin zur Elektromobilität einzunehmen, berichtete das "Handelsblatt" ("HB") am Dienstag unter Berufung auf Unternehmenskreise und das Umfeld der Eigentümer. Die Familien Porsche und Piëch stünden als Käufer von Anteilen bereit, hieß es weiter. Die zuletzt unter Druck geratene Vorzugsaktie von VW und das Papier der Holding Porsche SE <DE000PAH0038> legten daraufhin deutlich zu.

Die Familien haben ihre Stimmrechtsmehrheit am VW <DE0007664039>-Konzern in der Dachholding Porsche Automobil Holding SE (PSE) <DE000PAH0038> gebündelt - nicht zu verwechseln mit dem Sportwagenbauer selbst. Für den Erwerb von Anteilen an dem Autobauer Porsche AG könnten sie laut "HB" einen Teil ihrer Anteile am Volkswagen-Konzern verkaufen. Die Porsche SE hält 53,3 Prozent der Stammaktien bei VW. Denkbar sei sogar, dass die Familien die Mehrheit an VW abgeben könnten, hieß es in der Zeitung - sie dürften in dem Fall aber vor dem Land Niedersachsen (20 Prozent) größter Aktionär bleiben. Ein Sprecher der Familien bezeichnete die Informationen als "reine Spekulation". Der VW-Konzern war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die in den vergangenen Wochen und Monaten schlecht gelaufene VW-Vorzugsaktie sprang nach der Nachricht in die Höhe und schloss mit 8,6 Prozent im Plus bei 185 Euro. Die ebenfalls im Dax <DE0008469008> notierten Vorzugsanteile der Porsche SE gewannen 8,5 Prozent auf 81,52 Euro. Beide Aktien liegen damit aber noch deutlich unter ihren Hochs in diesem Jahr.

Die schon lange schwelenden Spekulationen über einen Börsengang der Porsche AG haben sich in diesem Jahr wieder intensiviert. Dem Vernehmen nach wollen die Eigentümerfamilien wieder mehr Zugriff auf den Porsche-Autobauer erreichen - der im Zuge des Übernahmekampfs zwischen Porsche und Volkswagen zur Zeit der Finanzkrise 2008/2009 unter das Konzerndach von Volkswagen geraten war und damit seine Eigenständigkeit verlor. Im Gegenzug erhielten die Familien damals die Mehrheit am Wolfsburger Konzerngebilde.

Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, schrieb das "Handelsblatt". Es seien zwar schon mehrere Banken und Berater in der Sache aktiv, doch offizielle Mandate seien noch nicht erteilt. Vorerst gehe es um mögliche Strukturen eines Deals.

Analysten wie Daniel Schwarz von Stifel hatten ein Szenario wie im "HB" beschrieben schon vor längerer Zeit gedanklich durchgespielt. NordLB-Experte Frank Schwope ist aber skeptisch - bei Porsche handle es sich für die Familien zwar um ein emotionales Thema. Allerdings seien sich die Familien untereinander auch nicht immer einig gewesen. Für den VW-Konzern würde ein solches Geschäft mehr Unübersichtlichkeit bringen, nachdem bei der anderen Premiumtochter Audi zuletzt klare Verhältnisse geschaffen und die Minderheitsaktionäre per Squeeze-Out herausgedrängt wurden.

"Auch fragt man sich, ob die Familien Piëch und Porsche via Porsche SE lieber einen größeren Anteil an der Porsche AG und eine Minderheit an der Volkswagen AG halten wollen oder lieber wie bisher die Mehrheit am großen Ganzen!?", schrieb Schwope in einer Einschätzung. Operativ mache ein Herauslösen von Porsche aus dem Konzern eigentlich keinen Sinn, weil die einzelnen Konzernmarken in den vergangenen Jahren so eng miteinander verzahnt worden seien.

Für den Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer wären entsprechende Überlegungen der Familien hingegen "sehr gut nachvollziehbar". Ein Grund könne sein, dass die Familie die Unternehmensverfassung von VW im Spannungsfeld von Mitbestimmung und der Beteiligung des Landes Niedersachsen als permanentes Risiko betrachten könnte. Mit einer Alleinstellung von Porsche könnte man versuchen, einen Teil dieses Risikos aufzulösen, sagte er.

Der zuletzt wieder in der Kritik vor allem von Arbeitnehmerseite stehende VW-Chef Herbert Diess solle seinen Posten im Wolfsburger Konzern behalten, hieß es weiter. Er wird von den Eigentümern und am Kapitalmarkt für sein entschlossenes Umsteuern des Konzerns mit rund 675 000 Mitarbeitern geschätzt, gerät aber des Öfteren mit dem in Wolfsburg traditionell starken Betriebsrat aneinander. Diess will den Konzern auf mehr Effizienz trimmen, weil vor der sprichwörtlichen eigenen Haustür der US-Elektrorivale Tesla <US88160R1014> bei Berlin ein modernes neues Werk hochzieht, das Diess zufolge Standards bei der Produktivität setzt.

Auf einen möglichen Börsengang der Porsche AG angesprochen ließ das VW-Management in den vergangenen Monaten immer verlauten, das Geld aus dem operativen Geschäft von Porsche für die Pläne in Sachen Elektroantriebe und Vernetzung zu brauchen. Porsche ist die Renditeperle im Volkswagen-Konzernverbund. Unter Profi-Investoren weckt aber gerade das Begehrlichkeiten - denn aus ihrer Sicht kommt der Wert von Porsche unter der Konzernhaube nicht recht zur Geltung. In einer eigenständigeren Rolle sehen sie einen vergleichsweise einfachen Weg, den Wert der Unternehmen für die Aktionäre zu steigern.

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