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IOC leitet Untersuchung zum Fall der belarussischen Athletin Timanowskaja ein

·Lesedauer: 2 Min.
Timanowskaja droht nach eigenen Angaben Verfolgung in Belarus

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat eine Untersuchung zum Fall der belarussischen Athletin Kristina Timanowskaja eingeleitet, die derzeit Schutz vor den belarussischen Behörden in der polnischen Botschaft in Tokio sucht. IOC-Sprecher Mark Adams sagte am Dienstag, es sei eine formale Untersuchung eingeleitet worden. Im Laufe des Tages erwarte das Komitee zudem einen Bericht des belarussischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) zu den Vorwürfen der Sprinterin.

"Wir müssen die Fakten ermitteln", sagte Adams vor Journalisten in Tokio. Das IOC müsse in dem Fall "alle Beteiligten anhören".

Die Aktivistenorganisation Global Athlete hatte das IOC zuvor zum sofortigen Ausschluss des belarussischen NOK aufgefordert. Der mutmaßliche Versuch, Timanowskaja zu entführen, sei ein "weiteres Beispiel für den alarmierenden Missbrauch von Sportlern in Belarus".

Timanowskaja befindet sich seit Montagabend in der polnischen Botschaft in Japans Hauptstadt. Die Sprinterin sollte nach eigenen Angaben zur vorzeitigen Rückkehr nach Minsk gezwungen werden, nachdem sie sich kritisch über belarussische Sportfunktionäre geäußert hatte. Polen stellte der 24-Jährigen am Montag ein humanitäres Visum aus. Mit ihrer Ausreise nach Warschau wurde zeitnah gerechnet.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki schrieb auf Facebook, es sei sichergestellt, dass Timanowskaja "in der polnischen Botschaft in Tokio sicher" sei. "Wir werden ihr, falls nötig, die Möglichkeit anbieten, ihre Karriere fortzusetzen."

Timanowskaja war eine von mehr als 2000 belarussischen Sport-Größen, die in einem offenen Brief Neuwahlen in ihrem Heimatland und die Freilassung politischer Gefangener gefordert hatten. Der seit fast drei Jahrzehnten herrschende belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko war nach der von massiven Betrugsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl vor einem Jahr zum Sieger erklärt worden. Kritiker gehen davon aus, dass in Wirklichkeit seine Rivalin Swetlana Tichanowskaja die meisten Stimmen erhalten hatte.

Nach der Wahl hatte es in Belarus beispiellose Massenproteste gegeben, die von den Behörden brutal niedergeschlagen wurden. Die EU verhängte wegen des Vorgehens der Behörden und des mutmaßlichen Wahlbetrugs Sanktionen gegen die Führung in Minsk.

Mit Blick auf Timanowskajas Anschuldigungen warf US-Außenminister Antony Blinken Lukaschenko am Dienstag einen "Akt transnationaler Unterdrückung" vor. Das belarussische Vorgehen verstoße gegen "den olympischen Geist", twitterte er.

Lukaschenko und sein Sohn Viktor sind als Zuschauer von den olympischen Wettkämpfen ausgeschlossen. Vor Beginn der Spiele hatte der Machthaber eine Drohung an die Olympia-Teilnehmer seines Landes gerichtet und Erfolge angemahnt. "Wenn ihr ohne etwas zurückkommt, ist es besser für euch, wenn ihr gar nicht zurückkommt", sagte er.

isd/noe

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