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Investoren von Bitcoin und Ethereum müssen der Realität ins Gesicht schauen

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Historisch gesehen gab es nur wenige Anlageformen, wenn es sie überhaupt gab, die den Aktienmarkt hinsichtlich der durchschnittlichen Gewinne übertroffen haben. Inklusive der Reinvestition von Dividenden hat der Aktienmarkt auf lange Sicht 7 % Gewinn verzeichnet. Damit würde man sein Vermögen in zehn Jahren verdoppeln. Aber 2017 haben die Kryptowährungen den Aktienmarkt vom Thron gestoßen.

Zwischen Jahresbeginn bis zum 16. Oktober hatte Bitcoin, welches die Kryptowährung mit der höchsten Bekanntheit und größten Marktkapitalisierung ist, fast 500 % zugelegt. Ethereum liegt bei der Marktkapitalisierung auf Platz zwei und steigerte im gleichen Zeitraum seinen Wert um atemberaubende 4.100 %. Die aggregierte Marktkapitalisierung von mehr als 1.100 handelbaren Kryptowährungen beträgt nun 172,2 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Zuwachs von 876 % seit Jahresbeginn. Der S&P 500 brauchte zwei Jahrzehnte, um die gleiche Steigerung einzufahren.

Den Fakten ins Gesicht blicken: Investoren überschätzen das Potenzial neuer Technologien, Produkte und Dienste

Obwohl die meisten Kryptowährungs-Investoren gerade beschäftigt sind, sich zu fragen, wie weit Bitcoin und Ethereum noch steigen, sollten sie auch der Realität ins Gesicht schauen. Leider ist diese nicht so rosig. Investoren haben historisch gesehen die Angewohnheit, das Potenzial neuer Technologien, Produkte oder Dienste zu überschätzen. Wir können zwei Jahre, zwei Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückschauen und Belege finden, wie Investoren zu viel für ein Anlagegut bezahlten, das bis dahin unbewiesen war.

Erst kürzlich konnten wir diesen Übereifer bei der 3D-Drucktechnik beobachten. Investoren erwarteten, dass Unternehmen wie 3D Systems (WKN:888346) die Prototypenerstellung und die Fertigung mit Maschinen revolutionieren, die die wildesten CAD/CAM-Träume wahr werden lassen. Man ging auch davon aus, dass Konsumenten immer mehr Interesse am 3D-Druck haben werden. 3D Systems entwickelte daraufhin den Cube 3D-Drucker für Endkunden. Leider konnten sich diese nicht so sehr für 3D-Druck begeistern. Der Markt wurde gesättigt, die Nachfrage fiel. Der Aktienkurs von 3D Systems stieg innerhalb weniger Jahre von 2 US-Dollar auf fast 100 US-Dollar. Aber im Januar 2016 war er wieder auf 8 US-Dollar gefallen.

Vor zwei Jahrzehnten war die Entschlüsselung des menschlichen Genoms ein Hypethema. Man stellte sich vor, welche erstaunlichen Entdeckungen Medikamentenhersteller machen würden, wenn personalisierte Medizin normal würde. Celera Corporation war ein großer Name bei der Genomentschlüsselung Ende der 1990er Jahre. Es betrat den Ring etwas später als seine Konkurrenten, konnte dafür aber auf bereits vorhandene Forschungsergebnisse zurückgreifen und somit einen Kostenvorteil nutzen. Zwischen dem Börsengang im Mai 1999 und Februar 2000 sprang sein Aktienpreis von 15,25 US-Dollar auf 321 US-Dollar. Am Ende wurde Celera für den gleichen Preis übernommen, zu dem es im Mai 1999 an die Börse gegangen war. Mit anderen Worten, der ganze schöne Gewinn war futsch.

Vor fast 400 Jahren waren Investoren verrückt nach Tulpen, die damals neu waren. Die Zwiebeln wurden schnell ein Luxusgut und der Preis stieg bis auf das zehnfache Jahreseinkommen eines erfahrenen Handwerkers im Jahre 1637. Und das für eine einzelne Zwiebel. Diese Entwicklung fand in nur sieben Monaten statt.

Diese Beispiele sind nur ein paar, die uns die Geschichte lehrt, wie Investoren das Potenzial einer neuen Technologie, eines Produktes oder einer Dienstleistung überschätzen. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass Bitcoin und Ethereum anders sind.

Schauen wir uns mal den Bitcoin Investment Trust an. Dieser ist ein börsengehandelter Indexfonds, der von Grayscale betrieben wird. Eigentlich tut er nichts weiter, als einen recht festen Betrag an Bitcoins zu halten und seinen Anteilseignern eine exorbitante Gebühr von 2 % pro Jahr als Management-Gebühr abzuknüpfen. Ende September hielt der Bitcoin Investment Trust 172.437 Bitcoins. Diese waren am 16. Oktober 986,5 Millionen US-Dollar wert. Der Trust hat jedoch Einlagen in Höhe von 1,12 Milliarden US-Dollar. Dieser Aufschlag lag vor ein paar Monaten übrigens noch bei über 100 % und zeigt, wie wenig die Investoren die Realität im Blick haben, wenn sie Kryptowährungen bewerten sollen.

Greifbare Sorgen bei Bitcoin und Ethereum

Die Wahrheit ist, dass es greifbare Gründe für Investoren gibt, die sie bei den Werten für Bitcoin und Ethereum vorsichtig werden lassen sollten.

Erstens konzentrieren sich Investoren zu sehr auf den Zahlmittelcharakter von Bitcoin und Ethereum, anstatt die darunter liegende Blockchain-Technologie zu sehen. Aber diese macht den eigentlichen Wert der Kryptowährungen aus. Ethereum wird von den meisten Einzelhändlern momentan gar nicht akzeptiert. Bei Bitcoin sind es ein paar bekannte Namen, seit 2014. Wenn du im Moment jedoch versuchst, deine gesamten Einkäufe mit Bitcoin zu bezahlen, hättest du Schwierigkeiten. Die hohe Volatilität von Bitcoin zusammen mit der langen Transaktionsdauer wirkt abschreckend auf neue Händler.

Zudem ist die Blockchain-Technologie noch neu. Die digitalen und dezentralisierten Transaktionsspeicher zeichnen Transaktionen auf, ohne einen Finanzintermediär zu benötigen. Sie werden als die Bezahlplattformen der Zukunft gesehen, wurden bisher aber nur in Pilotprojekten und Programmen kleiner Größe umgesetzt. Es gibt auch keine Garantie, dass Bitcoin oder Ethereum die Blockchaintechnologie sind, die die Geschäftswelt bevorzugt. Da die Eintrittsschwelle für die Entwicklung niedrig ist, können Unternehmen ihre finanziellen Ressourcen schnell nutzen, um eine eigene Version der Blockkette zu erzeugen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Regulierung. Obwohl eine Regulierung durch Regierungen zu einer Anerkennung von Bitcoin und/oder Ethereum führen würde, könnte es auch die Marktchancen schmälern. Die neusten Ankündigungen aus China und Südkorea, dass Initial Coin Offerings (ICO) verboten werden, ist nur ein Beispiel, wie sich Regulierungen gegen Kryptowährungen richten können.

Wenn sich die Geschichte wiederholt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kryptowährungsblase platzt und sich Investoren fragen, was passiert ist.

The Motley Fool empfiehlt 3D Systems.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 19.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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