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Investor und Multimillionär Hansi Hansmann: „Geld interessiert mich nicht”

Hansi Hansmann, die Nummer Eins der Business Angels in Österreich. Der 71-Jährige machte mit dem Verkauf einer Pharma-Firma Millionen und investiert seither in der Startup-Szene Europas.  - Copyright: Conny Kacy
Hansi Hansmann, die Nummer Eins der Business Angels in Österreich. Der 71-Jährige machte mit dem Verkauf einer Pharma-Firma Millionen und investiert seither in der Startup-Szene Europas. - Copyright: Conny Kacy

Johann „Hansi” Hansmann, Österreichs führender Business Angel, nimmt sich Zeit für persönliche Gespräche. Er hat eine No-Nonsense-Attitüde und verteilt gern kostenlose Ratschläge an Gründerinnen und Gründer.

Seine eigene Karriere startete in der Pharmaindustrie, wo er eine Führungsposition nach der anderen innehatte. Nach dem Management Buy-Out eines großen Pharmawerks in Spanien entschloss er sich, sein eigenes Ding zu machen. Der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer sei nicht leicht gewesen, sagt er heute. Geklappt hat's trotzdem: 2003 verkaufte seine eigene Firma für 50 Millionen Euro.

Viele hätten sich dann wahrscheinlich in den frühen Ruhestand verabschiedet. Nicht Hansmann: Er steckte sowohl sein Geld als auch seine Zeit in die Finanzierung und den Aufbau neuer Unternehmen. Dazu gehörten der Online-Flohmarkt Shpock, die Diabetes-Management-App Mysugr, Florian Gschwandtners Runtastic, das für 220 Millionen an Adidas ging, und die Sprachlern-App Busuu, die einen 385 Millionen Euro Exit feiern konnte. Mit seinen vielen Volltreffern verwandelte er Österreich zu einer wichtigen Destination auf der Startup-Weltkarte.

„Currently not investing” ist bei Hansmann nie ganz wahr

Seit Langem steht nun aber „Currently not investing” unter seinem LinkedIn-Profil. Dabei finanziert er „currently” weiterhin sehr wohl: Allein in diesem Jahr seien 14 neue Startups dazugekommen, wie er im Gespräch mit Gründerszene sagt. Sein Portfolio umfasse derzeit 40 aktive Investments, darunter Michael Hurnaus und Florian Gschwandtners Tractive (GPS-Tracker für Haustiere), das Selfstorage-Startup Storebox und die mobile Texterkennungssoftware Anyline.

Im Flashback-Interview verrät uns der 71-Jährige, warum er bei der Auswahl seiner Startups eigentlich überhaupt nicht auf Zahlen achtet und mit welchen Tricks sein Vater ihm ein Geschenk fürs Leben machte.

Hansi, erzähl mal: Wie war deine Kindheit?

Ich habe mich zu Hause sehr wohl und von meinen Eltern geliebt gefühlt. Als Nachkriegsgeneration haben sie sich viel aufbauen müssen und wir haben relativ lange in einer sehr kleinen Wohnung in Wien gelebt. Das war in den ersten Jahren meines Lebens eher sparsam, aber irgendwann ist mein Vater sehr erfolgreich geworden und international viel herumgekommen. Da gab es dann auch genügend Geld bei uns. Aber das war eigentlich erst als ich über 14 oder 16 Jahre alt war. Und meine Mutter führte ein kleines eigenes Strumpfgeschäft, wo ich nach der Schule den Tag verbrachte. Ich hatte dort ein eigenes Zimmer für mich. Das alles habe ich in extrem positiver Erinnerung.

Und wie warst du in deiner Schulzeit?

Ich bin ein Einzelkind und bin auch immer eher Einzelgänger gewesen. Ich habe aber nie ein Problem damit gehabt, mich in einer Gruppe einzuordnen. Ich war nicht Rudelführer, aber ich war immer Klassensprecher, sobald es solche Positionen gab. Später dann Gruppensprecher, von der Uni bis zum Militär. Ich habe immer versucht, ausgleichend zu wirken und das hab ich ganz gut geschafft. Wahrscheinlich bin ich schon ein bisschen diplomatisch auf die Welt gekommen.

Wie wird man diplomatisch, als Einzelkind?

Meine Mama sagt, dass es vom Sternzeichen kommt, weil ich Waage bin. (lacht)

Wer hatte den größten Einfluss auf dich?

Mein Vater. Als ich noch ganz klein war, noch vor der Vorschule, hat er mit mir sportliche und geistige Spiele gemacht. Und jedes Spiel war ein Wettkampf. Wir haben gewettet, wie viele Stockwerke das Hochhaus hinter uns hat, ohne uns noch einmal umzudrehen. Oder wie viele Meter Fußweg es noch bis zur Bushaltestelle sind. Wir haben es dann ungefähr ausgemessen und geschaut, wer näher lag. Mit der Zeit bekam ich dadurch ein unglaublich gutes Gefühl für Zahlen und lernte, Dinge schnell einzuschätzen.

Kein einfaches Spiel gegen einen Vater, der vor Gericht Patente verteidigte und nie eine Niederlage erfuhr.

Da habe ich natürlich in jungen Jahren gegen meinen Vater keine Chance gehabt, weil er sozusagen von Beruf her immer Recht haben musste. Als ich mich mit ungefähr 14 Jahren seinem Niveau etwas mehr annäherte, kam es schnell zu Streitgesprächen. Da hörte ich auf, mit ihm zu diskutieren. Und fing erst wieder an, als ich sicher gehen konnte, dass ich auch gute Argumente hatte. Daraus lernte ich: Dort, wo ich auf verlorenem Posten stehe, brauche ich nicht spielen. Ich steige erst in ein Spiel ein, wenn ich eine Chance habe.

War die Zeit mit deinem Vater eine prägende fürs Berufsleben?

Absolut. Irgendwann hatte ich ein sehr gutes Gefühl für Zahlen. Mir hat dadurch ein grober Blick auf Excel-Sheets von Mitarbeitern genügt, um zu wissen, ob die Zahlen darauf so stimmen können oder nicht. Ich mache automatisch im Kopf Gewinn- und Verlustrechnungen. Allerdings: Heute interessieren mich Zahlen bei der Auswahl meiner Startups relativ wenig. Jeder kann irgendwelche Variablen verändern und Hockey-Sticks malen, wo Umsatzzahlen in drei oder vier Jahren in irgendwelchen astronomischen Höhen sind. Im Zweifelsfall kann ich mir die selber noch viel schöner machen. Dafür muss ich nicht mit Startups reden. Aber: Zahlen auf Excel-Sheets verraten mir etwas anderes. Wenn die Gründerin oder der Gründer sie selbst erstellt haben, kann ich die Denkweise dieser Person nachvollziehen. Ob sie straight to the point oder ob sie sehr kompliziert ist.

Du setzt bei Startups also mehr auf Denkweisen der Gründer?

Ja, den Erfolg eines Startups in der frühen Phase macht meiner Meinung nach zu 90 Prozent die Gründerpersönlichkeit aus. Das und ob der Markt, in dem sie sich bewegt, groß genug ist. Alles weitere stellt sich erst heraus.

Du selbst warst Angestellter, hast dich zur Selbstständigkeit entschlossen und mit dem Verkauf deiner eigenen Firma Millionen gemacht. Hat dich das verändert?

Er hat millionenschwere Exits hinter sich und ist einer der wichtigsten Startup-Investoren Österreichs: Hansi Hansmann.
Er hat millionenschwere Exits hinter sich und ist einer der wichtigsten Startup-Investoren Österreichs: Hansi Hansmann.

Nein, überhaupt nicht. Man muss dazu sagen: Ich habe immer gut verdient. Schon von meinem ersten Job an habe ich ein Gehalt verhandelt, das sicher dreimal so hoch war, wie das übliche Einstiegsgehalt. Ich habe also nie Geldprobleme gehabt und früh gut gelebt. Ich habe mir zudem früh eine Reserve aufgebaut, damit ich nie in Firmen arbeiten muss, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln – das habe ich anfangs in meiner Karriere gesehen und mir seither geschworen, dass ich so etwas nie mitmachen würde.

Was bedeutet bei dir „gut gelebt?”

Dass ich mir nie überlegen musste, ob ich jetzt essen gehen kann oder nicht. Und auch wohnmäßig habe ich vernünftig gelebt, aber nicht im Luxus. Ganz genau so lebe ich jetzt auch noch. Also mein Lebensstil hat sich nicht geändert. Ich lebe natürlich gut und ich habe eine schöne, große Wohnung. Und ich gehe essen, wann ich essen will.

Wie reagieren andere auf deinen Umgang mit Geld?

Es gibt gar nicht so wenige Leute, die sind der Meinung, ich lebe nicht so wie es meinem Einkommen oder meinem Vermögen entsprechen würde. Aber ich habe dieses Gefühl nicht. Ich lebe genau so, wie ich leben möchte.

Woher kommt dein bodenständiges Verhalten?

Geld interessiert mich nicht wirklich. Geld ist für mich eher so wie Plastikjetons, mit denen man Spiele spielen kann. Und wenn ich mehr davon habe, dann kann ich größere Spiele spielen.