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Investor KKR engagiert Amorelie-Gründerin: "Mit Lea-Sophie Cramer holen wir uns das Silicon-Valley-Mindset nach Deutschland"

Lea-Sophie Cramer hat Amorelie gegründet, jetzt heuert sie bei dem Investor KKR an, wo Philipp Freise Partner ist. - Copyright: KKR
Lea-Sophie Cramer hat Amorelie gegründet, jetzt heuert sie bei dem Investor KKR an, wo Philipp Freise Partner ist. - Copyright: KKR

Das Investment-Unternehmen Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR, tritt kaum öffentlich auf. Dabei kaufen die New Yorker sich regelmäßig in Firmen auf der ganzen Welt ein – auch zahlreiche deutsche Unternehmen gehören zum Portfolio.

Mit Investitionen in GfK, dem Marktforscher aus Nürnberg, oder dem Verlag Axel Springer, zu dem auch Business Insider gehört, gilt KKR als einer der größten Private-Equity-Investoren der Welt. Ihr Geld legen sie in private Unternehmen an, die nicht öffentlich gelistet sind, und erhoffen sich eine Rendite, wenn sie ihre Anteile wieder abtreten.

Lange Zeit hatte diese Strategie den Private-Equity-Unternehmen einen schlechten Ruf eingebracht. Kritiker nannten und nennen sie teilweise noch immer "Heuschrecken". Der Vorwurf: Sie würden Profit aus den übernommenen Firmen schlagen und abspringen, sobald das Geld fließe.

An diesem Image will die Investment-Firma jetzt etwas ändern – und holt sich dafür prominente Unterstützung mit an Bord: Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer wird Industry Adviser bei KKR. "Im Private-Equity-Bereich haben wir realisiert, dass wir mehr über das sprechen müssen, was wir machen", sagt Philipp Freise im Gespräch mit Business Insider. Freise ist Partner bei KKR und Co-Chef für den europäischen Private-Equity-Bereich. Berater von KKR waren in der Vergangenheit kaum bekannt, wenn überhaupt nur bei Kennern der Branche. Cramer hingegen gilt als eine der bekanntesten Gründerinnen Deutschlands. Auf der Karriereplattform Linkedin allein folgen ihr mehr als 200.000 Menschen. Der mittlerweile gefeuerte Chef von Volkswagen, Herbert Diess, kommt auf 300.000 Linkedin-Anhänger.

Cramer gründete Erotikversand Amorelie

2013 hatte die heute 35-jährige Cramer den Erotikversand zusammen mit Sebastian Pollok gegründet. Ein Jahr später beteiligte sich das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 an dem Startup. Mit Werbung auf den eigenen Sendern verhalfen sie dem Sexspielzeug-Startup zum Erfolg. 2018 stockte der Sender seine Anteile an Amorelie auf 98 Prozent auf und bewertete das Startup mit fast 100 Millionen Euro. Cramer, die zuvor von der Übernahme profitierte, schied 2020 aus der Geschäftsführung aus und widmete sich deutlich kleineren Projekten. Heute hostet sie einen Podcast und gründete im April vergangenes Jahres die "10 More In GmbH", das Führungscoachings für Frauen anbietet.

Amorelie machte Cramer zu einer der bekanntesten Gründerinnen Deutschlands. - Copyright: picture alliance / dpa | Wolfgang Kumm
Amorelie machte Cramer zu einer der bekanntesten Gründerinnen Deutschlands. - Copyright: picture alliance / dpa | Wolfgang Kumm

Mit ihrem Einstieg bei KKR beginnt für Cramer ein neues Kapitel. Dort soll sie für den Konzern in den Verwaltungsrat des Kosmetikunternehmens Wella einziehen. 2020 hatte der Private-Equity-Investor die Mehrheit an dem angeschlagenen Hersteller von Haarprodukten übernommen. Bis 2003 war das Unternehmen im Besitz der Familie Ströher, dann wurde es von dem US-Konzern Procter & Gamble (P&G) übernommen, zu dem unter anderem die Duschmarke Head and Shoulders gehört. 2015 war aber schon wieder Schluss bei P&G und das Haarunternehmen wanderte in die Hände von Coty, einem Parfüm- und Kosmetikkonzern mit Sitz in New York. Während der Corona-Pandemie, als viele Friseure schließen mussten und auch das Wella-Geschäft litt, trat Coty das Unternehmen größtenteils ab – an KKR.

KKR will weiter investieren

"Über KKR kam ich in Kontakt mit Wella. Ich bin eine Konsumgüter-Liebhaberin", sagt Lea-Sophie Cramer im Gespräch mit Business Insider. In ihrer Funktion bei Wella soll Cramer ihre Expertise und Erfahrung als Unternehmerin einbringen.

"Wella ist für unsere Zusammenarbeit mit Lea nur der Anfang. In Zukunft wollen wir mit Leas Hilfe Unternehmen identifizieren, in die KKR investiert", sagt Philipp Freise im Gespräch mit Business Insider. "Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Investitionsmöglichkeiten. Das ist unser Job", fügt er hinzu.

Arbeitswelt im Wandel

Dass KKR jetzt aber ausgerechnet Cramer als Beraterin ins Haus holt, hängt auch mit einem viel größeren Phänomen zusammen: dem Wandel der Arbeitswelt. "Wie Lea jetzt ihre Karriere gestaltet, setzt ein Zeichen für die Zukunft der Arbeit", sagt Freise.

Auch Cramer sagt im Gespräch mit Business Insider, dass die Arbeitswelt sich wandle. Es gebe heute mehr Menschen, die sich vielseitig interessieren würden. "Die Arbeit beschränkt sich nicht mehr so stark auf eine Marke allein, sondern geht über verschiedene Firmen und Partnerschaften hinaus", sagt sie. Bei ihr sei es so, dass aus dem einen großen Projekt – damals Amorelie – jetzt viele verschiedene unternehmerische Projekte und Beteiligungen geworden seien.

"Mit Lea holen wir uns das Silicon-Valley-Mindset nach Deutschland", so Freise. Der moderne CEO müsse jemand sein, der Schwäche zeigen könne, der inhaltlich stark sei und darüber spreche und jemand, der ganzheitlich kommuniziere. Vermeintliche Schwäche zeigte Cramer vergangenes Jahr selbst, als sie sich an die Öffentlichkeit wandte und ihre Überforderung zugab. Während ihrer Amorelie-Zeit zeigten sich auch die Schattenseiten des Erfolgs. Ärztliche Diagnose: Erschöpfungsdepression. "Mentale Krankheiten dürfen nicht glorifiziert werden. Sie sind kein Prädikat. Ich bin nicht stolz darauf, dass ich mich so überarbeitet habe", sagte Cramer.

Der Wandel der Arbeit geht auch nicht an dem Private-Equity-Bereich vorbei. "Unsere Branche muss sich immer weiter öffnen, wir können nicht nur im Hintergrund bleiben", sagt Freise. Das Unternehmen trage eine große Verantwortung. Mit der Verpflichtung von Lea-Sophie Cramer rückt er KKR nun stärker ins Scheinwerferlicht.