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Mit dieser Investmentstrategie vermeidet man „Horrorszenarien“ an der Börse

·Lesedauer: 4 Min.
Christian von Bechtolsheim verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen
Christian von Bechtolsheim verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen

Durch die negative Entwicklung der Zinsen ist die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich hochaktuell. Gerade für Menschen mit geringen und auch mittleren Einkommen könnte es im Alter zu erheblichen Verwerfungen kommen. Bei denjenigen, die heute bereits Renten beziehen, sehe ich ohnehin über kurz oder lang schwer zu lösende Probleme.

Es muss gehandelt werden!

Was ist zu tun? Beim Blick auf die erheblich gestiegenen Vermögen der Wohlhabenden fällt eines auf: Der Reichtum hat – auch dank der niedrigen Zinsen – in einigen Vermögensarten besonders heftig zugelegt. Dies sind Immobilien, Unternehmensbeteiligungen wie auch Private Equity, Kunst etc. Heißt: Anlageformen, die dem Kleinsparer verschlossen sind oder von staatlicher Seit erschwert werden. Zum Beispiel sind bei Private Placements Mindestanlagen ab 200.000 Euro vorgegeben. Eine Privatplatzierung wird nicht über den öffentlichen Kapitalmarkt gehandelt. Hier wird nur eine geringe Anzahl an ausgewählten Anlegern beteiligt.

Eine Asset-Klasse wäre allerdings auch für die breite Bevölkerung leicht zugänglich, nämlich Aktien.

Aktien werden von vielen Menschen noch als was Schlechtes gesehen – das ist fatal

Nun haben Aktien in der öffentlichen Meinung keinen guten Ruf, vor allem bei „gebrannten Kindern“, die im sogenannten „Neuen Markt“ investiert waren oder bei der Einführung der Telekom-Aktie auf Manfred Krug vertrauten. Für die jüngere Generation: Krug war ein beliebter Schauspieler, der für dieses Wertpapier geworben hat, welches später Tausende Anleger um ihr Vermögen brachte.

Bei all der schlechten Erfahrung sollte man als Anleger allerdings ein Grundmuster ökonomischer Wahrheit nicht vergessen. Eigenkapital (hier Aktien) muss sich aufgrund der damit verbundenen Risikoprämie besser verzinsen als Fremdkapital (zum Beispiel Anleihen). Ohne diese Binsenweisheit würde das gesamte System nicht funktionieren.

Um in Aktien erfolgreich zu investieren, muss man Nerven haben und Krisen aushalten können

Allerdings gilt die Regel nicht für jede Eigenkapital-Beteiligung und auch nicht für jeden Zeitraum. Der historisch für Aktien und die ganze Wirtschaft schrecklichste Absturz erfolgte am 24. Oktober 1929 und zog sich bis in den Sommer 1932 hin. Der Kursverlust des Dow-Jones-Index und somit des weltweit größten Aktienmarktes betrug damals 90 Prozent. Wer kurz vor dem Absturz eingestiegen war, musste 25 Jahre warten, bis die Kurse wieder ihr Einstandsniveau erreicht hatten.

Ja, 25 Jahre sind eine lange Zeit. Man muss Nerven haben, aber wenn man überlegt, dass der Dax zum Beispiel zu Beginn des Jahres 1990 bei 1556 Punkten lag und nunmehr bei über 15400 Punkten, dann sollte das für sich sprechen – zumal seit 1990 mehrere starke Krisen zu bewältigen waren. Nicht berücksichtigt sind bei dieser Betrachtung allerdings die Dividendenrenditen, die durchschnittlich 4,4 Prozent betrugen. Die Erholung des Vermögens lief also deutlich schneller ab.

Der S&P 500 Index bildet die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen ab. Der Performance-Index wird im Gegensatz zum Kurs-Index um Dividenden bereinigt – hier sieht man, wie schnell sich die Wirtschaft erholt hat
Der S&P 500 Index bildet die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen ab. Der Performance-Index wird im Gegensatz zum Kurs-Index um Dividenden bereinigt – hier sieht man, wie schnell sich die Wirtschaft erholt hat

Es gebe Unternehmer, die erst starten, wenn alle Freunde auf Cocktailpartys mit ihren Anlageerfolgen prahlen

Menschen, die in Aktien nur was Schlechtes sehen und ihr Geld lieber auf dem Sparbuch lassen, denen sage ich: Die größte Vermögensvernichtung fand historisch in Deutschland im Bereich der festverzinslichen Anlagen stattfand. Staatsanleihen wurden sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Weltkrieg komplett wertlos. Sparbücher und Kontoeinlagen durch Inflation zerstört. Aktien sind zwar gefallen, aber haben sich immer wieder erholt.

Gleichwohl kommt es immer wieder zu drastischen Kursrückgängen, und die Volatilität der Märkte erfordert manchmal Nervenstärke. Es gibt in der Tat einige, aber sehr wenige Unternehmer aus meinem Kreis, die die heftigen Bewegungen an den Märkten nicht aushalten. Dieser Typ will immer dann in die Märkte, wenn sie sehr heiß gelaufen sind und alle Freunde auf Cocktailpartys mit ihren Anlageerfolgen prahlen. Unsere Aufgabe ist es dann zu bremsen und auch einen Ausstieg zu verhindern, falls die Märkte stark zurückgegangen sind.

Mit gleichbleibenden und regelmäßigen Investitionen vermeidet ihr „Horrorszenarien“

Mein Rat: Den Marktschwankungen entgeht man am besten, indem man den Cost Average-Ansatz nutzt, also über längere Zeiträume kontinuierlich gleichbleibende Beträge investiert. Im Augenblick würde ich dringend dazu raten, da niedrigere Kurse in den nächsten Monaten nicht unwahrscheinlich sind.

Diese Investmentstrategie hat den Vorteil, dass man in diesen Marktschwächephasen für denselben Betrag mehr Aktien erwirbt und damit langfristig attraktive Einstandskurse erzielt. Man vergibt sich damit zwar manche Chance, aber vermeidet auch Horrorszenarien. Mit diesem Ansatz lässt sich besonnen Vermögen aufbauen und gut schlafen. In diesem Sinne wünsche ich eine gute Nacht und eine gesegnete Weihnachtszeit mit einer großen Bescherung.

*Christian Freiherr von Bechtolsheim ist Gründungspartner der Focam AG. Er verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen. Zudem ist er Co-Autor des Buches „Vermögen bedeutet Verantwortung“. Für Business Insider schreibt von Bechtolsheim die Finanzkolumne „Geld & Werte“.

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