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Rückenwind für Sewing: Capital Group wird Großaktionär der Deutschen Bank

Die US-Fondsgesellschaft steigt mit drei Prozent bei der Bank ein. Bankchef Sewing und Finanzvorstand von Moltke können das auch als persönlichen Erfolg für sich verbuchen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank während der Hauptversammlung. Foto: dpa

Der Investorentag im Dezember hat sich für die Deutsche Bank gelohnt. Denn seit der Veranstaltung scheint das Vertrauen der Investoren in die neue Strategie von Vorstandschef Christian Sewing zu wachsen. Der Aktienkurs des Geldhauses ist seither um mehr als ein Drittel gestiegen, die Risikoprämien für Ausfallversicherungen sinken dagegen.

Ein besonders augenfälliges Beispiel für die neue Zuversicht lieferte am Donnerstag eine Stimmrechtsmitteilung, mit der die Deutsche Bank einen neuen Großaktionär bekanntgab. Die aus Kalifornien stammende US-Fondsgesellschaft Capital Group hat sich 64 Millionen Aktien oder 3,1 Prozent der Anteile an der Bank gesichert. Über welchen Zeitraum die langfristig orientierte Kapitalsammelstelle die Aktien gekauft hat, ist nicht bekannt. Das Paket dürfte insgesamt etwa eine halbe Milliarde Euro gekostet haben.

„Es ist schön zu sehen, dass es noch Optimismus gibt“, kommentierte der unabhängige Finanzanalyst Chris Whalen die Beteiligung. Anders als die meisten anderen Vermögensverwalter bietet die Capital Group keine börsennotierten Indexfonds, sogenannte ETFs, an, sondern fokussiert sich ganz auf aktiv gemanagte Aktien- und Anleihefonds.

Das Fondshaus kauft also keine Aktie, nur weil es das wegen des Indexgewichts dieses Papiers tun muss. Zudem verfügt es über gute Drähte nach Deutschland. John Emerson, der frühere US-Botschafter in Berlin, arbeitet für den Vermögensverwalter.

Der Einstieg der Capital Group, die ein Vermögen von knapp zwei Billionen US-Dollar verwaltet, gilt als gutes Vorzeichen unter anderen Finanzprofis: „Capital Group gilt als langfristiger Investor, der sich vor einem Einstieg auch die Fundamentaldaten genau ansieht und gerne einmal bei Aktien einsteigt, die Turnaround-Potenzial haben“, sagte ein großer institutioneller Investor der Bank dem Handelsblatt. „Es ist ein gutes Signal, wenn kein Hedgefonds, sondern so ein langfristig orientierter Investor einsteigt, der seine Hausaufgaben macht.“

So erklärt sich auch die Reaktion des Aktienkurses, der am Donnerstag um 12,9 Prozent hochschnellte. Damit war die Deutsche Bank der stärkste Wert im Leitindex Dax. Der massive Kursanstieg dürfte die Wetten einiger Hedgefonds unattraktiv gemacht haben, die auf fallende Kurse der Aktie gesetzt hatten. Steigt der Kurs kräftig, müssen diese Anleger Aktien der Bank kaufen, um ihre Wetten zu reduzieren. Damit treiben sie den Kurs weiter an.

Den prestigeträchtigen Einstieg des neuen Großaktionärs können Sewing und Finanzchef James von Moltke auch als persönlichen Erfolg für sich verbuchen. Denn Capital Group hatte sich während des „Investor Deep ‧Dive“ persönlich mit den Topmanagern getroffen und über eine mögliche Beteiligung gesprochen, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr. Die Deutsche Bank wollte das nicht kommentieren.

Das Gespräch scheint die Fondsgesellschaft überzeugt zu haben. Mit ihrer Investition steigt die Capital Group aus dem Stand zum vermutlich viertgrößten Investor der Deutschen Bank auf – nach den Scheichs aus Katar, die über zwei Fonds insgesamt mindestens 6,1 Prozent halten, dem Vermögensverwalter Blackrock und dem Finanzinvestor Hudson Executive Capital.

Die Deutsche Bank zeigte sich erfreut über den neuen Großinvestor: „Wir freuen uns über alle Aktionäre, besonders über solche, die eine Erfahrung und Glaubwürdigkeit wie Capital mitbringen“, sagte ein Sprecher.

Seit dem „Investor Deep Dive“ beginnt sich die Stimmung unter den Investoren zu drehen. Sewing habe beim Investorentag punkten können, sagte ein großer institutioneller Investor. „Er hat Hoffnungen geschürt, dass die Unternehmerbank und das Investmentbanking besser zusammenarbeiten und das ist mittlerweile auch durch die Jahreszahlen stärker belegt“, so der Investor.

Dass die Deutsche Bank von Investoren nicht mehr ganz so misstrauisch beäugt wird wie bisher, zeigt auch die Entwicklung der Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen. Diese Risikoprämien haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verringert. Damit wird es für die Bank nicht nur weniger teuer, sich Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Auch für ihr Kapitalmarktgeschäft ist das ein wichtiger Faktor.

Sind die Risikoprämien zu hoch, dürfen manche Kunden keine oder weniger Geschäfte mit einer Bank machen. Das bedeutet, dass das Institut mit den sinkenden Risikoaufschlägen für mehr Kunden interessant werden dürfte. Denn mittlerweile liegt diese Risikoprämie wieder auf ähnlicher Höhe wie die von Konkurrenten wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder Credit Suisse.

Die Capital Group wollte sich zu den Gründen ihres Einstiegs nicht äußern. Der Vermögensverwalter war Bloomberg-Daten zufolge in den Jahren 2011 und 2012 bereits bei der Deutschen Bank ein- und wieder ausgestiegen. Finanzkreisen zufolge soll das Fondshaus auch während der Amtszeit des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs John Cryan kurzzeitig engagiert gewesen sein. Dabei blieb der Investor aber immer unterhalb der Meldeschwellen. Auch die investierten Summen blieben Finanzkreisen zufolge stets unter dem Niveau der aktuellen Investition.

Auch bei der Commerzbank war die Capital Group zeitweise engagiert. Stimmrechtsmitteilungen zeigen, dass die Kalifornier von 2013 bis 2017 zwischen drei und fünf Prozent an der Commerzbank hielten. 2017 rutschte der Anteil unter die Schwelle von drei Prozent und ist seither nicht mehr meldepflichtig.

Mitarbeit: Ingo Narat
Mehr: Der Einstieg des US-Fonds Capital Group ist ein Grund zur Hoffnung, aber nicht zum Übermut, meint Handelsblatt-Redakteurin Yasmin Osman.