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Investmentbanker bringen Deutsche Bank voran

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Dank des boomenden Kapitalmarktgeschäfts übertreffen die Frankfurter im dritten Quartal die Erwartungen – und denken jetzt offenbar sogar wieder über Zukäufe nach.

Eigentlich müsste die Deutsche Bank fast ein bisschen dankbar für die Coronakrise sein. Die von der Pandemie ausgelösten Marktturbulenzen sorgen für eine Sonderkonjunktur im globalen Investmentbanking, von der die Frankfurter besonders profitieren.

Vor allem Dank der Investmentbanker verdiente das größte deutsche Geldhaus im dritten Quartal vor Steuern 482 Millionen Euro nach einem Verlust von 687 Millionen Euro im selben Zeitraum vor einem Jahr. Damit übertraf die Bank die Schätzungen der Analysten deutlich, die einen Vorsteuergewinn von 178 Millionen Euro erwartet hatten.

Auch unter dem Strich, nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen, stand im dritten Quartal ein Gewinn von 182 Millionen Euro. Bei den Erträgen schnitt die Bank mit einem Plus von 14 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro ebenfalls besser ab, als von den Experten vorausgesagt. Die harte Kernkapitalquote blieb zum Quartalsende mit 13,3 Prozent stabil. Bei den Investoren kam das Zwischenergebnis gut an, der Aktienkurs stieg im frühen Handel um rund zwei Prozent.

Dennoch boten die Quartalszahlen nicht nur gute Nachrichten: Während das Investmentbanking boomt, stagnierten andere Bereiche der Kernbank oder fuhren sogar einen Verlust ein. Nach einem Vorsteuergewinn von insgesamt 846 Millionen Euro in den ersten neuen Monaten ist Vorstandschef Christian Sewing aber zuversichtlich, dass er sein Versprechen erfüllen kann, im Gesamtjahr ein positives Vorsteuerergebnis zu erreichen.

Trotz der jüngsten Verschärfung der Coronakrise hält die Bank an ihrem Ausblick für 2020 fest. Die Eigenkapitalrendite werde durch den Aufwand für den Umbau der Bank sowie die Folgen der Pandemie zwar „negativ beeinflusst“. An den Renditezielen für das Jahr 2022 von acht Prozent auf das materielle Eigenkapital ändere sich aber nichts.

Für 2020 rechnet die Bank mit im Wesentlichen unveränderten Erträgen. Zwar geht das Institut auf Basis der Neun-Monats-Zahlen von einem „leicht höheren“ Ertragszuwachs in den Kerngeschäftsfeldern aus, der allerdings durch Belastungen aus der Abbaubank wieder nivelliert werden dürfte. Beim Sparen sieht sich Sewing auf Kurs: Das Kostenziel von 19,5 Milliarden Euro für 2020 sei ein Reichweite.

„Im fünften Quartal unserer Transformation haben wir neben unserer Kostendisziplin auch gezeigt, dass wir Marktanteile gewinnen können“, betonte Sewing. Der Vorstandschef hofft dass sich ein „erheblicher Teil der Ertragssteigerungen als nachhaltig erweisen wird“.

Neben dem aktuellen Quartalsergebnis warten die Investoren auf neue Erkenntnisse darüber, wie hart die Coronakrise die Deutsche Bank im Kreditgeschäft treffen wird. Bislang ist die befürchtete Pleitewelle ausgeblieben. Aber Experten fürchten, dass die Schäden auch wegen der sich zuspitzenden Ansteckungslage früher oder später auf die Banken durchschlagen werden.

Wie angekündigt fuhr die Deutsche Bank ihre Risikovorsorge im dritten Quartal herunter. Mit 273 Millionen Euro lag die Vorsorge zwar um 56 Prozent höher als vor einem Jahr. Im Vergleich zum zweiten Quartal, als die Bank 761 Millionen Euro für gefährdete Darlehen zurücklegte, fiel sie aber deutlich niedriger aus.

Dafür war die besser als erwartete gesamtwirtschaftliche Lage verantwortlich, die es der Bank erlaubte, einige Wertberichtigungen für Kredite aufzulösen, die die Kunden weiterhin bedienen. Die Bank bestätigt ihre Prognose einer Risikovorsorge für das gesamte Jahr von 35 bis 45 Basispunkten des Kreditvolumens.

Investmentbanking

Besonders gut lief im vergangenen Quartal wie bei der internationalen Konkurrenz das Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank. In der Investmentbank stiegen die Erträge um 43 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Dies war vor allem einem Anstieg um 47 Prozent in der Paradedisziplin der Frankfurter zu verdanken, dem Handel mit Anleihen und Devisen. Damit konnte die Deutsche Bank von der Corona-bedingten Sonderkonjunktur noch stärker profitieren als die US-Konkurrenz. Am Ende erreichte die Sparte einen Vorsteuergewinn von 957 Millionen Euro nach 64 Millionen im Vorjahr.

Unternehmerbank

Weniger gut lief es in der Unternehmerbank, dem Bereich, der den Kern der „neuen“ Deutschen Bank bilden soll. Hier gingen die Erträge im dritten Quartal um fünf Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück. Als Grund nennt die Bank die ultraniedrigen Zinsen und geringere Kundenaktivität. Dies führte zu einem Rückgang des Vorsteuergewinns um elf Prozent auf 189 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem etwas höheren Ergebnis gerechnet.

Privatkundenbank

Im Geschäft mit ihren Privatkunden rutschte die Deutsche Bank sogar in die roten Zahlen, nach einem Vorsteuergewinn von 121 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum fiel nun ein Verlust von vier Millionen Euro an. Die Erträge stagnierten bei 2,0 Milliarden Euro. Der für den Bereich verantwortliche stellvertretende Vorstandschef Karl von Rohr zeigte sich dennoch zufrieden: „Angesichts der Corona-Pandemie und der Negativzinsen haben wir ein gutes Ergebnis erzielt“, sagte von Rohr dem Handelsblatt.

Das zeige, dass sich der Umbau der Sparte auszahle. „Die Transformation in der Privatkundenbank schreitet nicht nur wie geplant voran, wir sind teilweise sogar schneller unterwegs als erwartet“, betont der Banker. Dazu zählt beispielsweise die geplante Schließung jeder fünften Filiale der Marke Deutsche Bank in Deutschland.

Vermögensverwaltung

In der Vermögensverwaltung konnte die Bank mit einer Steigerung der Erträge um 20 Prozent auf 563 Millionen Euro und einem um 56 Prozent höheren Vorsteuergewinn von 163 Millionen Euro die Erwartungen der Analysten übertreffen. Die Fondstochter DWS verzeichnete im dritten Quartal elf Milliarden Euro an Nettozuflüssen.

Nachdem die DWS ihre beim Börsengang ausgerufenen mittelfristigen Kosten- und Ertragsziele ein Jahr früher als geplant erreicht hat, sucht der Fondsanbieter nun eine neue Wachstumsstrategie. „Ab dem kommenden Jahr werden wir uns auf Wachstum und Transformation fokussieren, um auf die Megatrends zu reagieren, denen wir uns mit unseren Kunden gegenübersehen“, betonte DWS-Chef Asoka Wöhrmann. Dazu zählen nach Informationen aus Finanzkreisen auch Zukäufe.

Das von der Mutter vorgegebene Ziel, unter die Top Ten im globalen Asset Management vorzustoßen, lasse sich durch organisches Wachstum allein kaum erreichen, heißt es. Konkrete Übernahmekandidaten hat die DWS den Informationen zufolge aber noch nicht im Auge.

Bad Bank

In der so genannten Capital Release Unit, die Bilanzpositionen abbauen soll, die nicht mehr zu Kerngeschäft gehören, fiel im dritten Quartal ein Verlust von 427 Millionen Euro an, nach einer Milliarde im Vorjahr. Die Bank bestätigte ihr Ziel die Risikogewichteten Aktiva bis Jahresende auf 38 Milliarden Euro zurückzufahren. Aktuell liegen in der Bad Bank noch Aktiva von 39 Milliarden Euro nach 43 Milliarden im Vorjahr.