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Die Investitionsbereitschaft der Bauern sinkt – Landwirte fordern stabile Rahmenbedingungen

Die Grüne Woche unterstreicht die fortwährende Unsicherheit in der Landwirtschaft. Die Angst der Branche hat Auswirkungen auf die Investitionsplanungen der Bauern.

Die Grüne Woche in Berlin wird gut besucht. Foto: dpa

Während die traditionsreiche und besucherstarke Grüne Woche auf Rekordkurs ist und mehr als 1800 Aussteller aus den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau aus 72 Ländern meldet, steckt die Landwirtschaft selbst in der Krise.

„Die wirtschaftliche Lage in der Landwirtschaft ist schwierig“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die in diesem Jahr bereits zum 85. Mal stattfindet. Die Zukunft der europäischen Agrarförderung und die Ausrichtung der Tierhaltung stimmt die Branche nachdenklich. „Diese Unsicherheiten, die verunsichern uns“, sagte Rukwied.

Diese Angst hat längst Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Landwirte. „Wir Bauern sind Unternehmer“, so Rukwied. „Jeder, der etwas unternehmen will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen, um Zukunftsinvestitionen tätigen zu können. Darauf muss die Politik ausgerichtet werden.“

Land zu bewirtschaften werde zunehmend schwieriger. „Geplante Verbote, Auflagen und politische Unsicherheiten hemmen dringend notwendige Investitionen – auch zum Schutz des Klimas“, kritisiert Rukwied. Eine der großen Herausforderungen für die kommenden Jahre sei es, den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Verlangen nach mehr Ökologie und Tierwohl einerseits und andererseits der fehlenden Bereitschaft, im Laden dafür mehr zu bezahlen, aufzulösen.

Nahrungsmittel bräuchten mehr Wertschätzung. „Wir stehen in einem harten, internationalen Wettbewerb. Gute Rahmenbedingungen sind nicht nur wichtig für den Erfolg der Landwirtschaft, sondern auch für ein vielfältiges Angebot aus heimischer Erzeugung unter hohen Standards“, so der Präsident des Bauernverbandes.

Investitionsplanungen unter Vorjahreswert

Doch die Investitionsplanungen der Landwirte für die kommenden sechs Monate liegen unter Vorjahreswert. Als Nachweis führt der Bauernverband die Ergebnisse des Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar für Dezember an. Dieses wird vierteljährlich im Auftrag des Bauernverbandes, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in einer repräsentativen Umfrage ermittelt.

Demzufolge wollen nur 33 Prozent der Landwirte in diesem Halbjahr überhaupt investieren. Das geplante Investitionsvolumen liegt mit 3,8 Milliarden Euro um 500 Millionen Euro unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Rückläufig sind vor allem Investitionen in neue Ställe.

Die geplanten Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Erneuerbare Energien liegen dagegen unverändert bei 1,7 Milliarden Euro. „Wenn nur noch jeder dritte Landwirt in die Zukunft investieren will, spiegelt das die äußerst schwierige wirtschaftliche Situation wider“, sagte Rukwied.

Anders als die Landwirte sind die Lebensmittelhersteller zufrieden. Für 2019 erwarten sie nach ersten Schätzungen ein leichtes Umsatzplus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 183,6 Milliarden Euro. Sowohl das Inlandsgeschäft (122,2 Milliarden Euro) als auch das Auslandsgeschäft (61,4 Milliarden Euro) konnten um 1,8 beziehungsweise 3,2 Prozent zulegen, berichtete Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).