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Investieren wie Warren Buffett und Charlie Munger. So geht’s!

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Viele Anleger würden gern Renditen wie Warren Buffett erzielen. Aber wollen sie wirklich auch seine Aktien kaufen? Kraft Heinz (WKN: A14TU4), Wells Fargo (WKN: 857949) oder Coca Cola (WKN: 850663) gelten doch eher als langweilige Werte, und deshalb wird ihnen meist nicht viel zugetraut.

Daran ist wieder einmal erkennbar, wie Börse funktioniert. Während sich die Masse auf die spektakulären Aktien konzentriert und damit am Ende meist nicht viel gewinnt, verdienen einige wenige Investoren über langweilige Werte stetig zweistellige Renditen. Warum diese Werte aber nicht langweilig sein müssen und worauf Warren Buffett bei der Auswahl achtet, erfährst du hier.

1. Nachhaltiger Wettbewerbsvorteil

Warren Buffett hält nach Marktführern mit einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil wie beispielsweise Coca-Cola oder Moodys (WKN: 915246) Ausschau. Je länger ein Wettbewerbsvorteil bereits besteht, desto besser. Aber wie findet man diese Firmen?

Dazu muss man natürlich etwas von Rechnungslegung, Bilanzen und Geschäftsabschlüssen verstehen, und deren Analyse ist Arbeit, die Tage bis Wochen in Anspruch nimmt. Hier einige Hinweise.

2. Kontinuität steht an erster Stelle

Für Warren Buffett müssen Unternehmen eine lange Historie aufweisen, in der sie sich bereits bewiesen haben. Nur in diesen Fällen sind sie für ihn überhaupt analysierbar. Neuemissionen oder Unternehmen, die gerade einmal drei Jahre bestehen, sind für ihn daher eher eine Spekulation, kein Investment.

Wenn er nun die Geschäftsberichte liest, möchte er Unternehmen finden, die eine konstante Umsatz- und Gewinnentwicklung, eine konstant geringe Verschuldung und konstant niedrige Sachinvestitionen aufweisen. Zykliker wie Autofirmen fallen deshalb meist gleich durch den Filter.

3. Langer Anlagehorizont

Warren Buffett prägte einmal den Satz: „Es würde mich nicht stören, wenn die Börse morgen für zehn Jahre geschlossen bliebe.“ Wenn dich dieser Umstand beunruhigt, hältst du wahrscheinlich die falschen Unternehmen.

Aufgrund der langen Haltedauer spart sich Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) nicht nur hohe Transaktionsgebühren, sondern auch Steuerbelastungen. Warren Buffett sieht keinen Unterschied zwischen der Aktienanlage und einem Immobilien- oder Landkauf. Entscheidend sind die Erträge, die sie abwerfen, und eine lange Haltedauer.

Ist Buffett einmal günstig eingestiegen, verkauft er nur noch, wenn die Wettbewerbsvorteile scheinbar verschwinden. Er verkauft nicht einmal, wenn ein Wert scheinbar zu teuer geworden ist, wie Coca-Cola im Jahr 2000 beweist.

4. Worauf Buffett in der Gewinn- und Verlustrechnung achtet

Nehmen wir Coca-Cola als Beispiel. Zum Einstieg 1987 fielen die Wachstumsraten sicherlich noch höher aus, aber auch heute erzielt die Firma konstant hohe Gewinne. Die Dividende je Aktie ist auch seit 2009 jedes Jahr von damals 0,82 Cent auf heute 1,56 US-Dollar gestiegen.

Die Bruttomarge liegt stetig über 60 % und auch die Nettomarge fällt meist zweistellig aus. Diese hohen Zahlen weisen auf Wettbewerbsvorteile und Preissetzungsmacht hin. Die Kunden bleiben der Marke auch bei steigenden Preisen treu und dies führt zu hohen Erträgen. Man kann diese Zahlen auch gut mit der Konkurrenz vergleichen und so die besseren Firmen finden.

5. So sollte die Bilanz aussehen

Hier achtet Buffett auf die Gewinnrücklagen. Unternehmen, die stetig Gewinne erzielen, können diese über die Zeit häufig kontinuierlich und deutlich steigern. Ein Zeichen, dass es der Firma gut geht.

Zudem sollten die langfristigen Finanzverbindlichkeiten im Vergleich zu den kurzfristigen Vermögenswerten und Gewinnen nicht zu hoch und stetig ausfallen.

Die Renditen auf das eingesetzte Kapital sind ein weiterer Punkt. So mag Buffett Firmen mit hohen und stetigen Eigenkapital- und Gesamtrenditen. Bei Coca-Cola liegen sie noch heute im zweistelligen Bereich beziehungsweise durchschnittlich bei fast 10 %. Auch hier kann ein Vergleich mit der Konkurrenz gute Rückschlüsse liefern.

6. Darauf achtet Buffett in den Cashflow-Abschlüssen

Für viele Investoren ist der Cashflow nach Sachinvestitionen (der sogenannte freie Cashflow) die wichtigste Kenngröße überhaupt. Fällt dieser Wert hoch aus, benötigt ein Unternehmen kaum Kapital, um zu wachsen oder sein Geschäft aufrechtzuerhalten.

Die Sachinvestitionen sollten also im Vergleich zu den Gewinnen möglichst gering ausfallen und die Cashflowmarge (operativer Cashflow durch Umsatz) möglichst hoch. Bei Coca-Cola fällt dieser Test positiv aus.

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Christof Welzel besitzt Berkshire Hathaway-Aktien.

The Motley Fool hält Aktien von Moodys.

The Motley Fool empfiehl Berkshire Hathaway.

Motley Fool Deutschland 2019