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Investieren mit Faktor 1.000: Einige meiner besten Ideen

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Massive Volcano Eruption. A large volcano erupting hot lava and gases into the atmosphere. 3D Illustration.
Massive Volcano Eruption. A large volcano erupting hot lava and gases into the atmosphere. 3D Illustration.

Der beste Garant für hohe Gewinne beim Investieren ist Wachstum. Dieses kommt in zwei Formen vor. Manche Dinge entwickeln sich kontinuierlich über eine sehr lange Zeit hinweg, wie zum Beispiel Hautcreme und Milchpulver. Andere Dinge entwickeln sich explosiv und um diese soll es nachfolgend gehen.

Darum sind die Gewinnchancen bei explosivem Wachstum so groß

Kontinuierliche Wachstumspfade im einstelligen Prozentbereich lassen sich in vielen Fällen relativ gut abschätzen. Und alles, was gut abschätzbar ist, wird üblicherweise im Aktienkurs verarbeitet. Wer dort trotzdem stark überdurchschnittliche Renditen erzielen will, muss zudem noch Dinge wie Marktanteilsgewinne, Margenausweitung und die Expansion in weitere Anwendungsfelder besser als der Markt „voraussehen“.

Noch deutlich größer ist die Unsicherheit hingegen bei explosiv wachsenden Geschäftsfeldern. Denn wie soll man ein Unternehmen bewerten, das im letzten Jahr um 70 % gewachsen ist? Wenn es die nächsten zehn Jahre dieses Wachstumstempo beibehalten kann, dann wird es 2030 etwa 200-mal (!) so groß sein. Schwächt es sich hingegen auf die Hälfte, also 35 %, ab, dann wird es „lediglich“ 20-mal so groß sein.

Schon das macht also einen Unterschied von Faktor 10 aus. Hinzu kommen Annahmen über die Margen und die weiteren Aussichten in zehn Jahren. Würde die Nettomarge dank der Größenvorteile auf über 10 % wachsen oder sorgt ein sich intensivierender Wettbewerb dafür, dass nur 1 % unterm Strich übrig bleibt? Wird das Unternehmen auch nach 2030 so dynamisch sein, dass ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50 angenommen werden kann, oder wäre 20 realistischer?

Wachstum, Margen und langfristige Aussichten ergeben schon bei diesen beiden Szenarien eine Spannweite mit Faktor 500. Mit etwas Fantasie kommt man leicht auf 1.000 und mehr. Das ist der Grund, warum explosiv wachsende Unternehmen uns über einen längerfristigen Zeitraum so fantastische Gewinne bescheren können.

Beispiele für explosive Entwicklungen

Dass es rund um Cloud, E-Commerce und Medien-Streaming explosiv zugeht, haben wir über die letzten zehn Jahre gelernt. Es sind jedoch längst nicht die einzigen Beispiele. Hier sind einige weitere:

Solarfarmen

Noch 2005 feierte Deutschland die Fertigstellung des weltgrößten Solarparks bei Mühlhausen. Seine Kapazität lag bei 6,3 Megawatt. Fast 60.000 Module wurden über 26 Hektar ausgebreitet. Ein scheinbar gewaltiger Flächenverbrauch. Doch während es in Deutschland immer schwieriger wird, gute Standorte für erneuerbare Energien zu entwickeln, gibt es in Amerika, Afrika und Asien unfassbar große Freiflächen.

Heute streiten sich Indien und China darum, wer den Titel der weltgrößten Solaranlage verdient. Beide haben bereits Anlagen mit über 2.000 Megawatt am Start. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie Mühlhausen um den Faktor 1.000 übertreffen.

Elektrolyseure

Passend dazu werden Anlagen gebraucht, die bei praller Sonne den Stromstoß solcher Megafarmen aufnehmen können. Elektrolyse gilt dafür als der Goldstandard. Bisher waren diese teuer und wurden deshalb nur in Nischen eingesetzt. Schon bald werden sich jedoch profitable Geschäftsmodelle rund um die Wasserstoffwirtschaft entwickeln.

Während heute Systeme häufig im Megawattbereich ausgeliefert werden, läuft bereits das Rennen für die erste Gigawattanlage. Noch im laufenden Jahrzehnt soll dieses Niveau erreicht werden.

Quantencomputer

Die Halbleiterindustrie ist fast seit den Anfängen der Computerindustrie auf einem exponentiellen Pfad. Es gilt das Mooresche Gesetz, das besagt, dass die Komplexität sich alle ein bis zwei Jahre verdoppelt, egal ob es um Prozessoren oder Speicherchips geht. Während wir in den späten 80er-Jahren noch mit Kilobytes hantierten, ging es in den Folgejahren über Mega und Giga zu Tera. Wir sprechen hier also vom Faktor 1 Million über rund 40 Jahre.

Ob der Trend bei der klassischen Computertechnik anhält, ist umstritten. Ziemlich sicher ist jedoch, dass wir bei Quantencomputer Ähnliches sehen werden. Der Anfang 2019 vorgestellte Q System One von IBM (WKN: 851399) gilt als der erste kommerziell verfügbare schaltkreisbasierte Quantencomputer. Er ist mit 20 sogenannten Qubits ausgestattet, was noch ziemlich mager wirkt. Kürzlich legte Big Blue allerdings eine Roadmap vor, die Systeme mit über 1.000 Qubits bereits für 2023 vorsieht.

Bandbreite

Ähnlich sieht es bei den Datenautobahnen aus. Das um das Jahr 2000 als fortschrittlich geltende ISDN bot gähnend langsame 64 Kilobit pro Sekunde. Beim 2G-Mobilfunkstandard GPRS waren es sogar nur 54. Gerade einmal 20 Jahre später sprechen wir von Hunderten von Megabits oder gar Gigabits für diejenigen, die entsprechende Netzabdeckung genießen. Ein Video, das damals die ganze Nacht über heruntergeladen werden musste, lässt sich heute in höherer Qualität in Sekunden ziehen.

Voraussichtlich werden uns Glasfaser, 5G und weitere neue Technologien auch in Zukunft die Bandbreite exponentiell wachsen lassen und damit völlig neue Anwendungen und Geschäftsmodelle ermöglichen.

Vernetzte Dinge

Hochintegrierte Chipsätze, die schnell und stromsparend sind, schaffen in Verbindung mit mehr Bandbreite für die drahtlose Kommunikation die Basis für das Internet der Dinge. Vor 20 Jahren gab es lediglich ein paar Hundert Millionen vernetzte Dinge. Bis 2030 könnte ihre Anzahl auf mehrere Hundert Milliarden anwachsen, wenn man alles mitrechnet, einschließlich Fabrik-Sensoren, Smart-City-Anwendungen, Healthcare-Gadgets und vernetzte Haushaltstechnik.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020