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Insolvenz bei Aktien: Wann man lieber verkaufen sollte

Caio Reimertshofer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Crash: Blick in den Abgrund

Mit einer qualitativ hochwertigen Auswahl an Aktien verringert man die Wahrscheinlichkeit, von einer Insolvenz heimgesucht zu werden, bereits erheblich. Allerdings kann man niemals ausschließen, dass man von einer möglichen Aktieninsolvenz betroffen sein könnte. An der Börse lässt sich zwar wunderbar langfristig ein Vermögen aufbauen, aber das Risiko eines potenziellen Totalverlustes sollte man immer vor Augen haben. Je höher die Renditeaussichten scheinen, desto höher ist auch das Risiko. Diesen Leitsatz sollte man als Investor auf jeden Fall kennen.

Wenn man Aktien im Depot hat, die kurstechnisch den Bach runtergehen, da das Unternehmen Insolvenz angemeldet hat, sollte man wissen, wie man damit umgeht. Wichtig ist auch, zu verstehen, weshalb die Aktien erst mal gen null gehen. Aktien sind Unternehmensanteile. Wenn also das Unternehmen illiquide und die Fortführung der operativen Geschäfte nicht mehr möglich ist, sinkt der Wert als Unternehmen natürlich.

Durch das Insolvenzverfahren schützt man sich gegen die Forderungen der Gläubiger. Die meisten Unternehmen nehmen Schulden auf, um in ihr Geschäft zu investieren. Funktioniert das Geschäft nicht so wie angedacht, können die Kredite nicht bedient werden und man ist schnell in Zahlungsschwierigkeiten. Irgendwann muss die Unternehmensführung in so einer Situation die Reißleine ziehen.

Ein Insolvenzverfahren ist vor allem für Aktionäre ein Trauerspiel. Wieso das so ist und weshalb es besser sein könnte, seine Aktien bei einer Insolvenz zu verkaufen, sehen wir uns nun nachfolgend an.

Die Risiken einer Insolvenz

Bei einer Insolvenz – respektive einem Insolvenzantrag – ist der hauptsächliche Negativeffekt, dass die Aktien im Wert massiv fallen. Gerade als langfristig denkender und unternehmensorientierter Investor ist das doppelt schmerzhaft. Nicht nur aus dem finanziellen Aspekt heraus, sondern auch, weil man darüber enttäuscht ist, so falsch in dem Unternehmen gelegen zu haben. Zumindest empfinde ich persönlich das so.

Eine Insolvenz kann in verschiedenster Weise ausgetragen werden. Häufig handelt es sich dabei um sogenannte Liquidationen oder Insolvenzen in Eigenverwaltung. Bei einer Liquidation passiert grob gesagt nichts anderes, als dass alle Vermögenswerte, die in der Bilanz stehen (z. B. Fahrzeuge, Lagerbestände etc.) liquidiert werden. Mit den Erlösen daraus bedient man die Gläubiger, die auf ihren Schulden sitzen geblieben sind.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung versucht das Unternehmen, eine Sanierung durchzuführen, um anschließend wieder weiterzumachen. Hierbei werden oft neue Investoren gesucht oder theoretisch wäre auch denkbar, dass ein anderes Unternehmen das insolvente Unternehmen komplett übernimmt.

In beiden Fällen haben Aktionäre in den allermeisten Fällen das nachsehen. Sollte das Unternehmen nämlich liquidiert werden, kriegen die Aktionäre erst dann ein Stück vom Kuchen ab, wenn alle Gläubiger bedient worden sind und noch was übrig geblieben ist. Das ist eher selten der Fall, vor allem, wenn ein Unternehmen extrem hoch verschuldet ist.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung besteht zwar die Möglichkeit, dass das Unternehmen wieder operiert und die Aktien nach Überstehen der Insolvenz wieder steigen. Aber auch das ist alles andere als sicher und meistens erfolgt in einem solchen Fall eine massive Verwässerung der Aktien, zum Beispiel, wenn Gläubiger ihre Schulden in Unternehmensanteile umwandeln können.

Aktieninsolvenz: Wann Verkaufen eine gute Idee sein könnte

Wenn man in einem Unternehmen investiert ist, wenn es in die Insolvenz schlittert, ist das sehr bitter. Idealerweise erkennt man eine Weile vorher bereits, dass das Schiff untergeht, und rettet sein Kapital vor weiteren Verlusten. Doch manchmal sieht man Insolvenzen auch nicht kommen und wird kalt erwischt. So oder so sollte man, meiner Meinung nach, nicht den Fehler machen, in das fallende Messer zu greifen und weitere Anteile zu kaufen. Damit verbilligt man seinen Einstandswert vielleicht, was aber nichts nützt, wenn zum Schluss alles weg ist.

Wenn eine Insolvenz eintritt, dann läuft offenkundig bei dem Unternehmen irgendetwas falsch. Ob man daran weiterhin partizipieren möchte, ist eine Frage, die man als Fool zu verneinen vermag. Als langfristig orientierter Investor sollte man spätestens bei der Insolvenz die Reißleine ziehen und sein Kapital re-allokieren. Am besten bei einem Unternehmen, in das man Vertrauen hat und wovon man sich wirklich gute Renditen in der Zukunft verspricht. Und ein Trost bleibt beim Verkauf der Aktien mit Verlust: Bei nächsten Verkauf mit Gewinn besteht die Möglichkeit, ordentlich Steuern zu sparen.

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