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Insolventer Autovermieter Hertz will neue Aktien in Milliardenhöhe ausgeben

Die Aktien des insolventen US-Autovermieters Hertz haben zu Beginn der Woche deutlich zugelegt. Davon will das Unternehmen jetzt profitieren.

Die aktuellen Börsenzeiten sind außergewöhnlich. Dies zeigt einmal mehr ein Beispiel aus den USA: Dort will der Autovermieter Hertz bislang nicht ausgegebene Aktien an den Markt bringen und bis zu eine Milliarde Dollar erlösen. Dabei hat der Konzern erst vor wenigen Wochen eine Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt („Chapter 11“).

Der US-Konzern hat einen Insolvenzrichter um die Genehmigung gebeten, mit Hilfe der US-Investmentbank Jefferies 246,8 Millionen neue Aktien auszugeben, wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg und das „Wall Street Journal“ berichten. Die zuständige Richterin Mary Walrath habe für diesen Freitag eine Anhörung anberaumt, um die Idee zu prüfen.

Die Unternehmensanwälte sagten gegenüber Bloomberg: „Die jüngsten Marktpreise und Handelsvolumina der Hertz-Stammaktien bieten dem Unternehmen möglicherweise eine einzigartige Gelegenheit, Kapital zu günstigeren Konditionen zu beschaffen als zu denen der Darlehen, die viele andere bankrotte Unternehmen erhalten.“

Durch die Einnahmen aus dem Aktienverkauf könne man neue Zinsen, Gebühren und Beschränkungen für die Finanzen von Hertz vermeiden. Zudem werde man potenzielle Käufer warnen, dass die „Aktien letztendlich wertlos sein könnten“.

Hintergrund des Hertz-Plans ist die zurückliegende Rally der Aktie: Der Kurs stieg von 55 Cent Ende Mai auf bis zu 5,53 Dollar in dieser Woche auf Schlusskursbasis. Würde das Unternehmen 246,8 Millionen Aktien zu diesem Kurs ausgeben, würde es mehr als 1,3 Milliarden Dollar erlösen.

Ungewöhnlicher Vorstoß

Der Kurssturz an den US-Börsen am Donnerstag erschwert allerdings das Vorhaben. Die Aktie fiel am Donnerstag um 18 Prozent und notierte nur noch bei knapp über zwei Dollar. Damit würde Hertz immerhin noch 500 Millionen Dollar erlösen. Die Anwälte argumentieren in ihrem Antrag laut Medienberichten, dass auch dieser Betrag zur Deckung der Schulden beitragen könnte.

Der Vorstoß von Hertz ist extrem ungewöhnlich. Normalerweise schrumpfen bei einer Insolvenz die Unternehmensanteile von Alt-Aktionären auf ein Minimum – sofern sie nicht ganz leer ausgehen. So will die New York Stock Exchange, wo die Hertz-Aktien gehandelt wird, das Unternehmen von der Börse nehmen.

Hertz hat allerdings Widerspruch gegen den Delisting-Bescheid eingelegt. Das Unternehmen argumentiert, dass die Aktie weiter aktiv gehandelt werde. Tatsächlich schwankte das tägliche Handelsvolumen vor der Insolvenz zwischen einer und zwei Millionen Aktien, an diesem Donnerstag wurden dagegen neun Millionen Aktien gehandelt.

Einmaliger Vorgang

Juraprofessor Jared Ellias von der University of California Hastings College of Law sagte dem „Wall Street Journal“, er habe Hunderte von Konkursen untersucht und noch nie erlebt, dass ein Unternehmen versucht habe, die Insolvenz in Eigenverantwortung mit einem Aktienangebot zu finanzieren. „Hertz guckt sich den Markt an und stellt fest, dass es eine Gruppe irrationaler Händler gibt, die die Aktien kaufen. Und die Antwort darauf ist zu versuchen, diesen Leuten Aktien zu verkaufen, in der Hoffnung, darüber einen Teil der Umstrukturierung zu finanzieren“, sagte Ellias.

Die Insolvenz des Autovermieters war in der Corona-Pandemie der bislang spektakulärste Pleitefall in den USA. Allerdings schrieb Hertz bereits vor der Coronakrise rote Zahlen und hatte hohe Schulden. 2019 verzeichnete das Unternehmen bereits das vierte Verlustjahr in Folge und einen Nettoverlust von 58 Millionen US-Dollar.

Allein im ersten Quartal 2020, das nur teilweise von der Coronakrise betroffen war, stieg der Verlust auf 356 Millionen Dollar. Der Einbruch des Reisegeschäfts im Zuge der Pandemie hat das Unternehmen schwer getroffen und zu einem „plötzlichen und dramatischen“ Einbruch bei Umsätzen geführt.

Mit Material von Bloomberg.