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Inside Tesla: Erfolgreiche Bewerber berichten vom Auswahlprozess, dem Gehalt und üppigen Aktienpaketen in Grünheide

·Lesedauer: 6 Min.
Blick auf das Straßenschild "Tesla Straße 1" vor der Baustelle der Tesla-Fabrik.
Blick auf das Straßenschild "Tesla Straße 1" vor der Baustelle der Tesla-Fabrik.

Randolf Schnittmann (Name geändert) lässt sich auf ein Experiment ein. Aus „Überzeugung“, wie er sagt, nicht wegen des Geldes. Der Ingenieur hat gute Jahre bei Daimler hinter sich. Schnittmann hatte sich bei den Stuttgartern auf eine gut dotierte Stelle mit knapp 100.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen hochgearbeitet – inklusive der vielen Extraleistungen, die Daimler für seine Mitarbeiter aufbringt.

Damit ist jetzt aber Schluss. Schnittmann hat den goldenen Handschlag von Daimler-Chef Ola Källenius angenommen. In seinem Alter, er befindet sich in seiner zweiten Lebenshälfte, bekommt er eine Abfindung von rund einer Viertelmillion Euro. Der „goldene Handschlag“ ist Teil eines großen Abfindungsprogramms bei Daimler – der Konzern wolle „den Wasserkopf an Ingenieuren“ verkleinern, der in Zukunft immer weniger gebraucht werde, sagt Schnittmann zu Business Insider.

Daimler spielt Tesla durch das Abfindungsprogramm dutzende Top-Ingenieure zu

Schnittmann hat sich im Sommer bei Tesla beworben – mit Erfolg. Zahlreiche Ex-Kollegen taten es ihm gleich. „Das Abfindungsprogramm bei Daimler ist ein Segen für Tesla. Die Amerikaner brauchen gute, erfahrene Ingenieure. Jetzt spielen die Stuttgarter ihrem US-Konkurrenten top-ausgebildetes Personal zu. Was die sich in der Zentrale dabei gedacht haben, ist mir ein Rätsel“, sagt der Ex-Daimler-Mitarbeiter.

Teslas-Mission, nachhaltige Autos zu bauen, sei der ausschlaggebende Grund für ihn gewesen, sich beim US-Autobauer zu bewerben, sagt Schnittmann. Es sei auch die Perspektive gewesen, einmal ein Team zu führen, in Leitungsverantwortung zu kommen. Nicht das Geld, auch nicht das Prestige waren ihm wichtig. Er selbst besitzt zwei E-Autos, hat Solaranlagen auf dem Dachs seines Hauses installiert, einen Wasserspeicher im Keller und trennt penibel seinen Müll.

Es ist gut, dass für den Ex-Daimler-Mann das Einkommen nicht an erster Stelle steht. Bei Tesla verdient er jetzt nämlich in gleicher Position fast ein Viertelgehalt weniger im Jahr. Er bekommt weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld – oder sonstige Einkommens-Zuschüsse von Tesla. „Das Bruttogehalt ist das Bruttogehalt“, sagt Schnittmann. Der US-Autobauer wartet aber trotzdem mit einem saftigen Bonbon für die neuen Mitarbeiter auf: ein Aktienpaket, über das die Mitarbeiter nach vier Jahren Unternehmenszugehörigkeit frei verfügen können, sagt Schnittmann. Sein Aktienpaket liegt in mittlerer fünfstelliger Höhe.

Bevor Schnittmann allerdings seinen Tesla-Vertrag unterzeichnen konnte, musste er einen ungewöhnlichen Bewerbungsprozess durchlaufen. Nach Verschicken seiner Unterlagen dauerte es wenige Wochen, bis der Ex-Daimler-Manager von Tesla grünes Licht für den Interviewprozess bekam. Wenige Tage nach der Tesla-Email klingelte bei Schnittmann das Telefon, es folgte das Erstgespräch mit einer Personalerin.

Etwas "sektenartige" Firmenkultur

„Die schauen in dem Gespräch, ob der Bewerber vom Mindset her zu Tesla passt. Die Dame hat mich weder nach akademischen Leistungen, noch Graden gefragt. Sie wollte wissen, warum ich eigentlich zu Tesla will. Denen ist die Identifikation mit der Marke und der Mission ungeheuer wichtig“, sagt Schnittmann. Diese Frage hat sich in den vier Interviews, die er bis zur Zusage geführt hat, immer wiederholt.

Die Identifikation mit der Marke, das merkt man auf Tesla-Events und gelegentlichen Rundgängen auf der Baustelle in Grünheide, ist nicht nur der Unternehmensspitze wichtig. Wenn die Mitarbeiter von ihrer Firma erzählen, dann lassen sie gerne einfließen, dass Tesla tatsächlich der Schlüssel sei, den Planeten nachhaltiger zu machen. Dem Unternehmen wird deswegen gelegentlich von Beobachtern und Mitbewerbern eine etwas „sektenartige“ Unternehmenskultur nachgesagt.

Interviews folgen immer gleichem Muster

Die Interviews, die Schnittmann führen musste, folgten stets dem gleichen Muster: 30 Minuten, immer nur ein Interviewer, je fünf Minuten für die Vorstellung, die restlichen zwanzig waren Fragerunden. Neben dem Identifikationsthema tauchte in allen Interviews stets eine zweite Frage auf: Auf welche berufliche Leistung oder Projekt Schnittmann besonders stolz sei – und weshalb.

Im ersten Interview spreche man mit einem Tesla-Mitarbeiter, der bereits in der Abteilung arbeitet, für die man sich bewirbt, sagt Schnittmann.

Im zweiten Gespräch sprach Schnittmann mit einem Manager, der ihm die üblichen zwei Fragen stellte und erstmals etwas in die Tiefe ging. Er wollte wissen, wie Schnittmann bestimmte technische Probleme am Fahrzeug lösen würde.

Im dritten Interview sprach Schnittmann mit einem seniorigen Tesla-Manager aus San Francisco. Der Manager schilderte im Gespräch fiktive Problemszenarios und fragte Ex-Daimler-Mann, wie er diese am effektivsten lösen würde. Das finale Gespräch führte Schnittmann schließlich mit einem „hiring-manager“ aus der Gigafactory in Grünheide. „Hier wusste ich, dass ich das Ding in der Tasche hatte, wenn ich mir keinen dicken Klopper erlaube“, sagt Schnittmann.

Nachdem er seine Zusage Ende des Jahres bekommen hat, kümmerte sich wieder die Personalerin, mit der er sein erstes Gespräch geführt hatte, um die Gehaltsverhandlungen. Schnittmann war etwas verwundert, dass in seinem Arbeitsvertrag steht, dass Überstunden entweder mit Freizeit oder Geld abgegolten werden. Tesla ist nämlich bekannt dafür, viele Überstunden ohne Ausgleich von den Mitarbeitern einzufordern.

Bei anderen Tesla-Kollegen von ihm ist Passus im Vertrag anders gehalten: „Überstunden sind mit dem bestehenden Gehalt abgegolten“. Das Gehalt der besagten Kollegen weicht unwesentlich von Schnittmanns Gehalt ab.

"Professionell und wahnsinnig schnell"

Robert König (Name geändert) hat so wie Schnittmann eine Zusage von Tesla bekommen. König kommt aus dem Anlagenbau und hat sich bei dem US-Autobauer auf eine Stelle als Führungskraft in der Montagetechnik beworben. Er musste genau die gleichen Interviewstufen absolvieren wie Schnittmann. Bei König kamen allerdings noch zwei weitere Interviews hinzu, in dem die Tesla-Manager seinen Führungsstil abgefragt und fiktive Personalprobleme skizziert und König aufgefordert haben, diese instinktiv zu lösen.

„Das war alles sehr professionell und wahnsinnig schnell. Vier Tage nach meiner Bewerbung lief das Vorgespräch mit der Personalerin. Dann ging es im drei bis vier Tagestakt weiter mit den Interviews. Mein Studienabschluss und die Noten haben die nicht ansatzweise interessiert. Was wichtig war: Motivation und der letzte Arbeitsplatz“, sagt König.

König will keine konkreten Zahlen nennen, nur Richtwerte. Ihm sei ein Jahresgehalt zwischen 100.000 und 120.000 Euro Brutto angeboten worden und ein Aktienpaket um 50.000 Euro. Dazu kämen gute Bruttozuschüsse für die Altersvorsorge und Zuschüsse für ein BVG-Ticket. Außerdem gäbe es ab den Teamleiter-Positionen leistungsabhängige Boni.

Eines haben die Verträge von König, Schnittmann und anderen Mitarbeitern, mit denen Business Insider gesprochen hat, gemein: Ihnen liegt ein separates „non-disclosure-agreement“ bei. Also ein Vertrag, in dem sie sich dazu verpflichten, nicht mit Dritten oder der Presse über das Unternehmen zu sprechen. In der deutschen Wirtschaft sind solche Verträge unüblich – und zeigen einmal mehr das angespannte Verhältnis des Unternehmens zur Presse und der Öffentlichkeit. Das ist auch der Grund, weshalb keiner der Protagonisten mit Klarnamen in dem Artikel erscheinen wollte – und König sicherheitshalber ungefähre Zahlen bezüglich seiner künftigen Einkünfte angegeben hat.

Dem Ex-Daimler-Mitarbeiter Schnittmann verdirbt all das aber nicht die Laune. Er freut sich auf 30 Urlaubstage, 40 Arbeitsstunden pro Woche und sein neues Leben in Berlin und dem führenden E-Autobauer. Er weiß, dass er mit über 40 auf seiner Position bei Daimler keine große Karriere mehr gemacht hätte. Tesla hat ihm hingegen schon in dem Interviewprozess zugesichert, dass er schnell in größere Personalverantwortung kommen soll. Diese Perspektive ist Schnittmann wichtig.

Eine Wohnung hat er mittlerweile gefunden in der Hauptstadt, Mitte des Monats will er sich erstmals die Baustelle in Grünheide ansehen. „Ich bin gespannt auf das, was mich da erwartet“.

Sie bewerben sich auch bei Tesla oder sind bereits angenommen worden? Oder haben das großzügige Abfindungsprogramm bei Daimler angenommen? Teilen Sie mir Ihre Erfahrungen mit: philip.kaleta@businessinsider.de

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