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Ingenieure im Visier – Opel baut 2021 weitere Stellen ab

Hubik, Franz
·Lesedauer: 3 Min.

Nach Verwaltung und Fachbereichen streicht der Autobauer nun auch Jobs bei Ingenieuren. Im neuen Mutterkonzern Stellantis gibt es zu viele Entwickler.

Die Kosten bei Opel sollen 2021 deutlich sinken. Foto: dpa
Die Kosten bei Opel sollen 2021 deutlich sinken. Foto: dpa

Öffentlich mimt Opel-Chef Michael Lohscheller gerne den Optimisten. Die Marke mit dem Blitz habe sich zum „Effizienzweltmeister“ entwickelt und sei wetterfest aufgestellt, frohlockte er noch im Herbst. Die bevorstehende Fusion des französischen Mutterkonzerns Peugeot (PSA) mit Fiat Chrysler (FCA) im ersten Quartal 2021 zum viertgrößten Autohersteller der Welt biete folglich auch für die Rüsselsheimer enorme Chancen.

„Ein großer Konzern ist in einem so harten Wettbewerb wirtschaftlich stärker. Das wird auch Opel helfen“, betonte Lohscheller Mitte Oktober. Alle Befürchtungen, wonach seine Firma als kleinster Partner in dem 14-Marken umfassenden Koloss namens Stellantis zerrieben werden könnte, verwies der Manager ins Reich der Mythen. Intern schlug Lohscheller aber jüngst etwas andere Töne an.

Auf einer digitalen Betriebsversammlung am 9. Dezember betonte er, wie groß die Konkurrenz künftig innerhalb des Stellantis-Verbunds sei. Man müsse Opel als Marke daher „schützen“ und sicherstellen, dass genügend Investitionen nach Deutschland flössen, erklärte Lohscheller laut Teilnehmerangaben. Und den besten Markenschutz bieten offenbar geringere Kosten.

Jedenfalls erhöht Lohscheller beim Abbau von 2100 Stellen bis 2021 das Tempo und will noch vor dem Closing der Megafusion neue sogenannte „Fokusbereiche“ in Rüsselsheim definieren, heißt es in Konzernkreisen. Konkret will der Manager beispielsweise Dutzende Stellen im Process & Manufacturing Engineering (PME) kappen.

Opel erklärte dazu: „Es gibt derzeit Gespräche, die eine oder andere weitere Abteilung den Fokusbereichen zuzuordnen, um den dort tätigen Beschäftigten erweiterte Angebote im Rahmen der Freiwilligenprogramme machen zu können. Entscheidungen gibt es dazu aber nicht.“

Mehrere Abteilungen stehen auf der Abschussliste

Haben die personellen Einschnitte bisher vorwiegend Fachkräfte und Mitarbeiter in der Verwaltung getroffen, rücken nun die Ingenieure in den Fokus. Hintergrund sind die absehbaren Überkapazitäten in der Entwicklung bei Stellantis. Sowohl PSA als auch FCA bringen jeweils gut 18.000 Ingenieure in den Verbund ein. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR), hält „mindestens ein Drittel“ der 36.000 Stellen für obsolet.

Besonders das Opel-Entwicklungszentrum ITEZ in Rüsselsheim steht unter Druck. Einerseits aufgrund der vergleichsweise hohen Lohnkosten in Deutschland. Andererseits weil Fiat etwa bei leichten Nutzfahrzeugen über mehr Know-how verfügt und Opel hier die konzernweite Entwicklungskompetenz abnehmen könnte. Gleiches gilt für die Zertifizierung von Fahrzeugen für den US-Markt. „Da bleibt am Ende kaum mehr als eine Designabteilung übrig“, glaubt Dudenhöffer.

Klar ist: Auf die mehr als 4500 Beschäftigten im ITEZ kommen harte Zeiten zu. Schon jetzt wird breitflächig kurzgearbeitet. Dabei mangelt es eigentlich nicht an Projekten. „Die Leute sind völlig überlastet, quer durch alle Ebenen“, konstatiert eine Führungskraft. Die Stimmung sei schlecht. Verständnis für den fortschreitenden Personalabbau hat kaum jemand.

Dennoch will das Opel-Management neue Fokusbereiche ausrufen. Jeder, der in einer dieser Abteilungen arbeitet, weiß: Er steht auf der Abschussliste. So wurde in den vergangenen Monaten Hunderten Beschäftigten in Prototypbau, Teilelager, Werkzeugbau, Design und den Werkstätten des Engineerings nahegelegt, den Konzern schnellstmöglich über eine Abfindung, Altersteilzeit, Vorruhestand oder eine Transfergesellschaft zu verlassen.

Wer sich ziert, riskiert den Rauswurf. Prinzipiell sind die Beschäftigten von Opel in Deutschland zwar bis Mitte 2025 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt, aber die Einigung enthält eine Notfallklausel. Sofern der Absatz von Pkws und leichten Nutzfahrzeugen in Europa unter die Marke von 15 Millionen Einheiten rutscht, kann die Vereinbarung aufgekündigt werden.

Opel-Chef Lohscheller droht, genau davon Gebrauch zu machen. Die Bedingungen dafür sieht er als erfüllt an, der Absatz in der EU dürfte im Jahr 2020 weit unter 15 Millionen Fahrzeugen liegen. Noch hofft man in Rüsselsheim aber, die Personalzahl über freiwillige Abgänge merklich reduzieren zu können. Wichtig ist dem Management freilich, dass die Beschäftigten möglichst schnell einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Vor dem Merger zu Stellantis gilt es schließlich noch, flott die eigene Bilanz aufzupolieren.

Der Stellenabbau sorgt in Rüsselsheim für Proteste. Foto: dpa
Der Stellenabbau sorgt in Rüsselsheim für Proteste. Foto: dpa