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Inflation in der Türkei auf 20-Jahres-Hoch

·Lesedauer: 2 Min.
Türkische Lira (AFP/Ozan KOSE)

Rund 18 Monate vor der Präsidentschaftswahl hat die Inflation in der Türkei ein 20-Jahres-Hoch erreicht: Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember sprunghaft um 36,08 Prozent im Vorjahresvergleich, wie das türkische Statistikamt am Montag mitteilte. Hauptgrund für die Teuerung ist vor allem der starke Verfall der Landeswährung Lira.

Die Inflationsrate ist die höchste seit Oktober 2002; damals lag sie bei 33,45 Prozent. Bereits im November 2021 hatte sie rund 21 Prozent erreicht.

Die Türkei ist stark abhängig von Importen, vor allem von Rohstoffen und von Energie; der Wert der einheimischen Währung ist binnen eines Jahres um 45 Prozent gesunken.

Als Folge sind viele Lebensmittel stark im Preis gestiegen. Laut den Zahlen des Statistikamtes wurden Nahrungsmittel im Dezember um knapp 44 Prozent teurer, obwohl die Regierung die großen Supermarktketten in den vergangenen Wochen wiederholt aufgefordert hatte, die Preise zu senken.

Mehl und Hühnerfleisch wurden binnen eines Jahres um 86 Prozent teurer, Sonnenblumenöl, Milch und Joghurt um rund 75 Prozent und Brot um 54 Prozent, wie das Statistikamt auflistete. In den von der Opposition regierten Großstädten Istanbul und Ankara bilden sich seit Wochen täglich lange Schlangen vor Ständen, wo subventioniertes Brot sehr viel billiger verkauft wird als in den Bäckereien.

Die Inflation ist mittlerweile eines der wichtigsten Themen der Politik geworden. Die Opposition und auch Teile der Bevölkerung werfen dem Statistikamt vor, die Zahlen zu schönen. Sie kritisieren Präsident Recep Tayyip Erdogan, der starr an seiner lange erfolgreichen Wirtschaftspolitik festhält. Er setzt auf - durch die niedrige Währung begünstigte - Exporte und auf ein hohes Wirtschaftswachstum. Mit niedrigen Zinsen will er die Kreditvergabe steigern und Investitionen ankurbeln.

Hohe Zinsen hält er für Gift. Am Montag sagte Erdogan, die "Eliten" profitierten von "unverdienten Zinseinnahmen". Auf seinen Druck hin senkte die türkische Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten schrittweise immer weiter ab; derzeit beträgt der Satz 14 Prozent.

Nach herrschender Ökonomenlehre sind die Leitzinsen ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die hohe Inflation: Zentralbanken erhöhen in diesem Fall in der Regel den Leitzins, um die Geldmenge im Umlauf zu senken.

Erdogan versucht mit anderen Mitteln gegenzusteuern: Zum 1. Januar stieg etwa der Mindestlohn um 50 Prozent auf umgerechnet 275 Euro im Monat. Der Chefvolkswirt des türkischen Unternehmerverbandes, Gizem Öztok Altinsac, kommentierte dies am Montag auf Twitter mit der Vorhersage, die Maßnahme werde binnen zwei Monaten verpuffen. Andere Ökonomen warnten, dies werde die Inflation zusätzlich treiben.

Mitte Dezember hatte der Präsident bereits den Schutz von Ersparnissen vor Wechselkursschwankungen verkündet sowie den Verkauf von Dollarreserven angeordnet. Der Kurs der Lira sank daraufhin leicht.

Am Montag waren für einen Dollar 13,66 Lira nötig - der Höchststand hatte im Dezember bei 18,4 Lira gelegen. Zu Beginn des Jahres 2021 lag das Verhältnis noch bei 7,4 Lira pro Dollar.

ilo/ck

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