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Inflation, Krieg, Klima: Immer mehr Krisen belasten die psychische Gesundheit Jugendlicher – Forscher sprechen von einem "Warnsignal"

Viele Jugendliche leiden unter psychischen Belastungen. - Copyright: Martin Novak via Getty Images
Viele Jugendliche leiden unter psychischen Belastungen. - Copyright: Martin Novak via Getty Images

Der Jugend gehört die Zukunft, heißt es immer wieder. Doch wie sieht diese Zukunft aus? Die Aussichten sind alles andere als rosig – zumindest aus Sicht junger Menschen. Die Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann sehen diese Angst und Verunsicherung auch in ihrer neuen Trendstudie "Jugend in Deutschland" – und sprechen von einem "Warnsignal".

Für die Studie wurden mehr als 1000 Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren befragt. Das Ergebnis: Auch wenn die Corona-Pandemie die Gesellschaft nicht mehr so im Griff hat wie noch im vergangenen Jahr, beherrschen die großen Krisen den Alltag und belasten die Jugendlichen. Ein Viertel der Befragten ist demnach unzufrieden mit der eigenen psychischen Gesundheit. Die größten Sorgen bereitet Befragten aktuell die anhaltende Inflation (71 Prozent). Dahinter folgen der Krieg in der Ukraine (64 Prozent) sowie die Angst vor der Klimakrise (55 Prozent).

Vor allem hohe Lebensmittel- und Energiepreise belasten der Studie zufolge die Jugendlichen wirtschaftlich. Jeder Fünfte der Teilnehmenden hat demnach sogar Schulden. "Hier hat sich ein massives Gefühl von Unsicherheit festgesetzt, das dazu führt, dass Jugendliche stärker im Jetzt leben, als für die Zukunft zu streben", sagt der Studienautor Schnetzer.

„Bei vielen jungen Menschen sind die psychischen Abwehrkräfte verbraucht“

41 Prozent der Befragten gaben an, dass sie unter Stress leiden, knapp ein Drittel verspüre Antriebslosigkeit und Erschöpfung. Erschreckend: Zehn Prozent der Studienteilnehmer zwischen 14 und 29 Jahren haben sogar Suizidgedanken. "Es ist nicht zu übersehen: Bei vielen jungen Menschen sind die psychischen Abwehrkräfte verbraucht und die Risikofaktoren mehren sich. Wir werten das als ein dringendes Warnsignal", resümieren die Jugendforscher Schnetzer und Hurrelmann.

Die Folgen: Der jugendliche Optimismus fehlt. Zwar werden die eigenen Chancen am Arbeitsmarkt weiterhin als gut eingeschätzt, doch die Wohlstandjahre sind nach Sicht der jungen Menschen vorbei. Geld sei aktuell die größte Leistungsmotivation, geben die Jugendlichen an. Jedoch nicht aus Materialismus, sondern Existenzialismus, wie die Forscher schreiben. „Junge Menschen sehen ihrer finanziellen Zukunft mit großer Sorge entgegen, und um sich für die Zukunft abzusichern, benötigen sie Geld.“

Ängste, Belastung, psychische Gesundheit – all diese Faktoren haben sich in der Studie bei den Jugendlichen in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert. Für die Autoren ist das eine "Zeitenwende". Laut Schnetzer ist es jetzt die Aufgabe der Gesellschaft, den Jugendlichen Zuversicht zu geben. Er setzt sich daher für eine stärkere und aktivere Beteiligung dieser an den Entscheidungsprozessen ein.

Bei Suizidgedanken solltet ihr euch an eine Person wenden, der ihr vertraut. Oft hilft ein Gespräch dabei, die Gedanken zumindest vorübergehend auszuräumen. Ihr könnt euch auch kostenlos und anonym die Telefonseelsorge anrufen unter der Nummer 0800/111 01 11. Wenn ihr für weitere Hilfsangebote offen seid oder ihr euch um jemanden sorgt, vermittelt die Seelsorge auch Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Hier könnt ihr nach Beratungsstellen in eurer Nähe suchen.

kh