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Bei der Inflation Spitze, beim Wachstum weit hinten: Deutschland steht im Europa-Vergleich so schlecht da wie noch nie

Im Vergleich der EU-Länder liegt Deutschland bei der Inflation in der Spitze, aber beim Wirtschaftswachstum eher am Ende. - Copyright: Getty Images
Im Vergleich der EU-Länder liegt Deutschland bei der Inflation in der Spitze, aber beim Wirtschaftswachstum eher am Ende. - Copyright: Getty Images

Deutschland steckt in einer Doppelkrise. Die Wirtschaftsleistung tritt bestenfalls auf der Stelle und das bei stark steigenden Preisen. Eine solche Stagflation, die Mischung aus Stagnation und Inflation, ist bei Ökonomen gefürchtet. Denn sie ist oft schwerer zu überwinden als bloße Delle in der Konjunktur. Wie ausgeprägt sie in Deutschland ist, zeigt ein Vergleich mit den anderen Ländern Europas: Bei der Inflation liegt Deutschland mittlerweile in der Spitzengruppe der Euro-Zone. Beim Wachstum steckt Deutschland in Europa dagegen im Tabellenkeller fest. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen.

In der Spitze: Inflation in Europa im Vergleich

Viele Jahrzehnte war Deutschland in Europa und darüber hinaus der Musterschüler in Sachen Geldwertstabilität. Dafür stand die „harte D-Mark“. Der hohe Stellenwert einer stabilen Währung in Deutschland war sogar ein Grund, warum die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Gründung der Währungsunion ihren Sitz in Frankfurt bekam.

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Auch als der Energiepreisschock nach Russlands Überfall auf die Ukraine die Preise 2022 schnell in die Höhe trieb, lag die Inflationsrate in Deutschland meist nahe am Durchschnitt der Euro-Zone. Das hat sich verändert. Im August betrug die Inflationsrate in Deutschland in der europäischen Rechnung 6,4 Prozent. Höher war sie nur in der Slowakei, beim jüngsten Euro-Mitglied Kroatien und in Österreich.

In der Grafik könnt ihr neben den 20 Ländern der Euro-Zone auch den Vergleich aller EU-Länder anzeigen (einfach über den Button „EU“). Dabei wird deutlich, dass die Inflation in vielen osteuropäischen Ländern, die noch nicht zum Euro-Raum gehören, deutlich höher ist.

Für Deutschland ist dabei aber eine wichtige Besonderheit zu beachten. Die Inflationsrate ist derzeit durch einen statistischen Effekt überhöht. Vor genau einem Jahr hatte die Bundesregierung die Preise über den Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket gedrückt. Entsprechend fällt die Preissteigerung im Jahresvergleich jetzt höher aus. Die Inflationsrate dürfte ab September spürbar sinken. Wir kommen darauf gleich noch zurück.

Am Ende: Wachstum in Europa im Vergleich

Die gesamte Weltwirtschaft segelt derzeit in einer Flaute. In der Folge der Corona-Pandemie, von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine und den Problemen in China sind die Wachstumsraten fast überall deutlich gesunken. In Deutschland aber besonders stark. Die folgende Grafik zeigt die Prognose der EU-Kommission für das Wachstum in den EU-Ländern in diesem Jahr und im kommenden Jahr. Diese Prognose stammt aus dem Mai.

Über den Sommer haben sich die Prognosen gerade für die Wirtschaftsleistung in Deutschland noch einmal deutlich verschlechtert. Wichtige Institutionen wie die Bundesbank, Konjunkturforscher oder Banken haben ihre Prognose gesenkt. Die Deutsche Bank und das Institut der deutschen Wirtschaft gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in diesem Jahr um 0,5 Prozent schrumpft.


Ebenso bedenklich ist der Ausblick in das kommende Jahr. Ihr könnt ihn in der Grafik wieder über den Button mit der Jahreszahl 2024 anwählen. Deutschland wird es kaum zugetraut, sich aus dem Tabellenkeller zu lösen.

Das macht Hoffnung für die deutsche Wirtschaft

Doch ausgerechnet von den Preisen gibt es nun auch gute Nachrichten – durchaus auch für die gesamte Wirtschaft. Es ist nämlich ziemlich sicher, dass die Inflationsrate in Deutschland vom kommenden Monat an deutlich sinkt, die Preise also spürbar langsamer steigen. Das liegt zum einen an dem bereits beschrieben Basiseffekt in der Statistik. Doch auch darüber hinaus lässt der Druck auf die Preise spürbar nach. Auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen sinken die Preise sogar schon, zum Beispiel bei den Importen, bei den Herstellern, auch bei den Erzeugern von Lebensmitteln oder im Großhandel. Dies wird jetzt nach und nach auch bei den Verbraucherpreisen in den Läden ankommen.

Die Inflation dürften in den kommenden Wochen nachlassen, auch bei Nahrungsmitteln.
Die Inflation dürften in den kommenden Wochen nachlassen, auch bei Nahrungsmitteln.

Gleichzeitig steigen die Löhne und Gehälter seit einigen Monaten so kräftig wie selten zuvor. Die teil hohen Tarifabschlüsse kommen jetzt bei vielen Menschen an. Die starke Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes schlägt durch. Und durch den anhaltenden Fachkräftemangel können Arbeitnehmer insgesamt Lohnsteigerungen durchsetzen.

In der Folge steigen die Einkommen erstmals seit zwei Jahren wieder stärker als die Preise. Im Frühjahr war diese Trendwende bei den Reallöhnen noch klein, aber bereits messbar. Im Laufe des Jahres wird die Kaufkraft der Einkommen nun spürbar zunehmen. Ökonomen versprechen sich dadurch eine verbesserte Stimmung und steigende Ausgaben der Haushalte. Das könnte dann im Laufe des kommenden Jahres auch zu einer Trendwende beim Wirtschaftswachstum führen.

Das weltweit angesehene Wirtschaftsmagazin „The Economist“ sieht Deutschland wieder als „kranken Mann Europas".
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