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Verbraucherpreise in Deutschland fallen um 0,3 Prozent – Ökonomen sehen Tiefpunkt erreicht

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Die Preise in Deutschland sind im vierten Monat in Folge gesunken. Für das Jahr 2021 erwarten Ökonomen allerdings einen deutlichen Anstieg.

Gedämpft von der Mehrwertsteuersenkung und rückläufigen Energiepreisen verharrt die Inflation in Deutschland seit Monaten im Keller. Foto: dpa
Gedämpft von der Mehrwertsteuersenkung und rückläufigen Energiepreisen verharrt die Inflation in Deutschland seit Monaten im Keller. Foto: dpa

Die Inflation in Deutschland verharrt auf niedrigem Niveau. Die Teuerungsrate liegt auch im Dezember nach einer vorläufigen Schätzung bei minus 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das gab das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt.

Insbesondere stark gefallene Energiepreise und die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung dämpften die Entwicklung. Damit liegt die Inflation im vierten Monat in Folge im negativen Bereich. Im November gingen die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent zurück, im Oktober und September jeweils um 0,2 Prozent.

Auf Jahressicht beträgt die Inflationsrate plus 0,5 Prozent, was deutlich unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt. Sie strebt für den Euro-Raum einen Wert von knapp unter zwei Prozent an, den sie als optimal für die Wirtschaft ansieht.

Für das neue Jahr erwarten Ökonomen allerdings zumindest für Deutschland wieder eine deutlich höhere Inflationsrate. „Es wird einen größeren Sprung ab Januar 2021 geben, wenn die zeitweise Mehrwertsteuersenkung ausläuft und zusätzlich die im Herbst beschlossene CO2-Abgabe auf den Treibhausgas-Ausstoß von Brennstoffen fällig wird“, erwartet Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Er geht davon aus, dass die Inflation in Deutschland Anfang des neuen Jahres auf etwa 1,5 Prozent steigt. Im vergangenen Jahr war die Mehrwertsteuer vom 1. Juli an bis Jahresende temporär von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden.

Auch der Ökonom der niederländischen Großbank ING, Carsten Brzeski, erwartet, dass der Inflationswert für Dezember „das Ende der von der Regierung ausgelösten Deflationsperiode markiert“. Neben dem auslaufenden Sondereffekt bei der Mehrwertsteuer und der CO2-Abgabe verweist er außerdem auf den Basiseffekt beim Ölpreis. Da dieser zu Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 stark gefallen war, dürfte er im Vergleich zu den sehr niedrigen Vorjahreswerten bald wieder höher ausfallen.

Zudem könnte im Verlauf des Jahres auch die Aufhebung der Corona-Einschränkungen die Preisentwicklung beflügeln. Brzeski hält es für möglich, dass die Inflationsrate gegen Ende des Jahres sogar die Zwei-Prozent-Marke zeitweise erreichen könnte.

Allerdings sieht er vor allem statistische Effekte dahinter. Brzeski rechnet mit einer krisenbedingt höheren Arbeitslosigkeit und steigenden Firmeninsolvenzen, was die Inflation wiederum dämpfen würde. Zudem hat auch der Euro zuletzt stark aufgewertet. Dies drückt ebenfalls die Inflation, weil dadurch Importe aus dem Ausland hierzulande billiger werden. Am Donnerstag veröffentlicht das europäische Statistikamt Eurostat die Inflationszahlen für den gesamten Euro-Raum.