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Die Inflation in Deutschland sinkt nur leicht

Im Dezember sind die Verbraucherpreise in Deutschland nur um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Trotz des gesunkenen Ölpreises waren Energiekosten der wesentliche Treiber.


Die Inflation in Deutschland bleibt trotz eines leichten Rückgangs auf hohem Niveau. Im Schnitt lagen die Verbraucherpreise im November um 2,3 Prozent höher als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im Oktober markierte die Teuerung mit 2,5 Prozent den höchsten Wert seit September 2008. Damit bewegt sich die Inflation aber weiter deutlich über der Rate von knapp zwei Prozent, die die Europäische Zentralbank (EZB) in den Euro-Staaten als ideal für die Konjunktur ansieht.

Trotz des starken Rückgangs des Ölpreis seit Ende September mussten Verbraucher vor allem für Energie tiefer in die Tasche greifen: Sie kostete 9,3 Prozent mehr als im November 2017 und erwies sich damit einmal mehr als Treiber der Inflation. Nahrungsmittel verteuerten sich um 1,4 Prozent und damit etwas weniger als zuletzt. Dienstleistungen kosteten 1,5 Prozent mehr.

Der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski, führt das vergleichsweise hohe Inflationsniveau jedoch vor allem auf Sondereffekte zurück und sieht keine Anzeichen für einen deutlich höheren Preisdruck. In manchen Bundesländern sei die so genannte Kerninflation, bei der Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert werden, sogar gefallen, schreibt er in einer aktuellen Analyse. Nach Berechnungen der Commerzbank fiel die Kerninflation im gesamten Bundesgebiet von 1,7 auf 1,5 Prozent.

Angesichts des Verfalls des Ölpreis in den vergangenen Wochen hätte die Inflation aus Sicht von Brzeski eigentlich deutlich stärker zurückgehen müssen. „Die Abweichung hängt mit dem trockenen Sommer und den geringen Wasserständen in vielen deutschen Flüssen zusammen, die zu logistischen Schwierigkeiten geführt hat,“ so Brzeski. Seit Sommer ist der Ölpreis in Euro berechnet um mehr als 20 Prozent gefallen. Dennoch stiegen die Benzinpreise in Deutschland um fünf Prozent. Brzeski geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland Anfang des kommenden Jahres wieder unter die Zwei-Prozent-Marke fällt.

Am 13. Dezember berät die EZB auf ihrer Ratssitzung über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Derzeit kauft die Notenbank für monatlich 15 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euro-Länder. Bislang geht die Notenbank davon aus, dass ihre Käufe ab Anfang 2019 beendet und dann nur noch auslaufende Anleihen aus ihrem Bestand ersetzt.

Im Interview mit dem Handelsblatt hat sich EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in der vergangenen Woche optimistisch gezeigt, dass der Preisauftrieb im Euroraum zunimmt und dabei auf steigende Löhne verwiesen. Im dritten Quartal sind beispielsweise die Verdienste der rund 17 Millionen Tarifbeschäftigten in Deutschland inklusive Sonderzahlungen um rund 3,7 Prozent zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Ökonomen gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft werde sich im kommenden Jahr fortsetzen, auch auch den Arbeitsmarkt beflügeln dürfte, schreibt Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Damit werde auch die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften steigen. Insofern rechne er auch für 2019 mit einem Anstieg der Tariflöhne um rund drei Prozent, den die Unternehmen zumindest teilweise an die Endverbraucher weitergeben würden. . EZB-Chefvolkswirt Praet erwartet, dass die Preisentwicklung in Deutschland in den kommenden Jahren im oberen Bereich der Euro-Zone liegen wird. Einen Anstieg auf deutlich über zwei Prozent erwartet er allerdings nicht.