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Infineon ist mehr wert als 1 Zwölftel von Nvidia

Halbleiter-Chip auf Leiterplatte
Halbleiter-Chip auf Leiterplatte

Infineon (WKN: 623100) und Nvidia (WKN: 918422) gehören beide zu den größten Halbleiterkonzernen der Welt. Aber spielen sie auch in der gleichen Liga? Die Marktkapitalisierung des Grafikchip-Giganten ist 12-mal höher als bei Infineon, dem Marktführer für Automobil-Chips. Lasst uns also herausfinden, ob es da mit rechten Dingen zugeht.

Die Halbleiterindustrie steht an einem Scheideweg

Nvidia hatte 2020 und 2021 eine fantastische Rally hingelegt. Und auch Infineon hatte sich seit dem Coronatief etwa vervierfacht. Zuerst gab es einen für viele überraschenden Nachfrage-Boom und dann sorgte die Chip-Knappheit für super Margen. Nvidia profitierte dabei nicht nur vom klassischen Kerngeschäft rund um Grafikkarten, sondern auch vom Cloudgeschäft und dem Krypto-Hype.

Seit dem Hoch vom November 2021 haben sich beide zwischenzeitlich etwa halbiert. Der gesamte Sektor leidet seit Monaten unter den unsicheren Aussichten. Würde die stürmische Nachfrage schon bald rezessionsbedingt einer Flaute weichen?

Einige Analysten denken, dass es so kommen wird. Die einst wilden Kursziele wurden drastisch eingedampft. Barclays-Analysten denken beispielsweise, dass die branchenweite kleine Juli-Rally kurzlebig sein wird. Die Unternehmen würden ihre Gewinnschätzungen bis Ende 2023 radikal zusammenstreichen. Bei der Deutschen Bank sieht man es ähnlich. Die Abwärtsrisiken überwiegen demzufolge.

Andererseits lässt sich beobachten, dass der weltgrößte Chiphersteller TSMC (WKN: 909800) noch immer solide Zahlen liefert. Das erste Halbjahr ist gut gelaufen. Während einige Absatzmärkte stagnieren, sind andere unterliegende Trends noch immer intakt.

Das Internet der Dinge treibt genauso das Geschäft wie die mit immer mehr Digitaltechnik ausgestatteten Autos oder der wachsende Bedarf an Rechenpower für Datenzentren und das Edge-Computing. TSMC sieht keinen Anlass, seinen positiven Ausblick zu senken. Ähnlich ist die Lage beim führenden Ausrüster ASML (WKN: A1J4U4). Er steht immer noch vor einem Berg an Aufträgen, die es abzuarbeiten gilt.

Offenbar sind viele Marktteilnehmer weiterhin optimistisch, was die Zukunftspotenziale angeht. Klar ist aber auch, dass diese Situation in Überkapazitäten münden könnte, wenn das expandierende Angebot auf stagnierende Nachfrage trifft.

Wer steht jetzt besser da – Nvidia oder Infineon?

Nvidia hat über die letzten Quartale sehr ordentliche Zahlen geliefert. Von einer Kontraktion, die man aus dem Kursverlauf heraus vermuten könnte, kann keine Rede sein. Analysten rechnen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Wachstum von 24 % auf über 33 Mrd. US-Dollar Umsatz, bei einem operativen Gewinn von rund 12 Mrd. US-Dollar.

Auch in den Folgejahren soll es mit Raten von 20 % und mehr weitergehen. Dabei dürften die zahlreichen Fahrzeugautonomie-Deals mit der deutschen Autoindustrie sowie die jüngste Partnerschaft mit Siemens (WKN: 723610) rund um das industrielle Metaverse ebenfalls eine Rolle spielen. Nvidia kann auf solchen sich schnell entwickelnden Anwendungsfeldern wie schon zuvor beim Krypto-Mining seine mächtige Marktposition voll ausspielen.

Infineon auf der anderen Seite zielt auf weniger hippe, aber ähnlich starke Trends ab. Über die zunehmende Elektrifizierung der Fahrzeuge erhöht sich der potenzielle Wertschöpfungsanteil kontinuierlich. Bei Leistungshalbleitern ist Infineon spitze. Und die besonderen Speicherbausteine, die über die Cypress-Akquisition unter das Konzerndach kamen, könnten noch ganz groß rauskommen.

Im jüngsten Quartalsbericht, den das Management am 3. August präsentierte, hob das Management vor allem die starke Nachfrage aus dem Automobilsektor hervor. Das laufende vierte Trimester des unterjährigen Geschäftsjahres ist offenbar auch schon gut angelaufen. Die Umsatzerwartung konnte somit sogar noch auf 14 Mrd. Euro angehoben werden, wobei auch der starke US-Dollar eine Rolle spielt.

Der Quartalsumsatz stieg im Vorjahresvergleich um 33 %, der Gewinn der operativen Segmente sogar um 70 % auf stolze 842 Mio. Euro. Bei Nvidia waren es im vergangenen Rekordquartal zwar etwa 3 Mrd. Euro. Aber das ist weniger als viermal so viel, weit entfernt vom Faktor 12, den die Aktienkurse vorgeben.

Mein Fazit: Anleger fahren besser mit Infineon

Nvidia hat einen großartigen Lauf. Und wenn die Wachstumsraten tatsächlich aufrechterhalten werden können, dann sinken auch die exorbitanten Bewertungskennzahlen irgendwann auf ein handliches Niveau. Aber die Risiken auf diesem Weg sind erheblich. Schon eine milde Rezession könnte dafür sorgen, dass die Margen sich wieder normalisieren.

Von daher frage ich mich, ob die Gewinne wirklich so dynamisch wie von vielen erwartet steigen werden. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis im Bereich von 15 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von über 20 droht signifikantes Rückschlagspotenzial.

Das sieht bei der 12-mal günstiger bewerteten Infineon schon deutlich freundlicher aus. Dabei können auch die Münchener auf gewaltige Wachstumschancen verweisen, ohne von zwielichtigen Kryptogeschäften abhängig zu sein.

Dass der starke Dollar derzeit Investitionen in US-Aktien noch verteuert, kommt noch hinzu. Von daher ist für mich die Sache klar: Nvidia ist keine 12 Infineons wert. Oder andersherum ausgedrückt: Infineon ist weit mehr als ein Zwölftel von Nvidia wert.

Der Artikel Infineon ist mehr wert als 1 Zwölftel von Nvidia ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von ASML Holding, Nvidia und Taiwan Semiconductor Manufacturing.

Motley Fool Deutschland 2022

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