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Industrie: Ohne Zubau von Gaskraftwerken kein früherer Kohleausstieg

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BERLIN (dpa-AFX) - Die deutsche Industrie hält einen früheren Kohleausstieg in Deutschland nur unter klaren Bedingungen für möglich. Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der gleichzeitige Ausstieg aus Kernkraft und Kohle funktioniert nur, wenn andere verlässliche Energiequellen zur Verfügung stehen. Wenn der schnelle Zubau von langfristig wasserstofffähigen Gaskraftwerken jetzt nicht sehr rasch passiert, dann kann es keinen früheren Kohleausstieg geben. Sonst setzen wir unsere Versorgungssicherheit aufs Spiel."

Bis Ende 2022 soll Deutschland endgültig aus der Atomkraft aussteigen. Der bisher spätestens bis 2038 geplante Kohleausstieg soll nach den Plänen der neuen Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP "idealerweise" auf 2030 vorgezogen werden. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: "Das verlangt den von uns angestrebten massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Errichtung moderner Gaskraftwerke, um den im Laufe der nächsten Jahre steigenden Strom- und Energiebedarf zu wettbewerbsfähigen Preisen zu decken."

Russwurm sagte: "Wenn Deutschland auch nur annäherungsweise seine Klimaziele für 2030 erreichen will, müssen Erneuerbare Energien deutlich ausgebaut werden, aber ebenso Gaskraftwerke als Brückentechnologie. Das gilt auch für den Ausbau und die Digitalisierung der Stromnetze, gerade auf Verteilnetzebene und für den notwendigen Zugang industrieller Verbraucher zu Wasserstoff in ganz Deutschland. Die Grundpfeiler dafür müssen nun eingerammt werden, und zwar politisch genauso wie technisch."

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie begrüßte, dass es wasserstofffähige Gaskraftwerke als Brückentechnologie in den Koalitionsvertrag geschafft haben. "Aber es dauert ein paar Jahre, um ein Kraftwerk zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Die Regierung muss bereits im kommenden Jahr im Rahmen eines neuen Marktdesigns entscheiden, wie solche Kraftwerke zum Geschäftsmodell werden, damit sie auch tatsächlich zeitgerecht entstehen können. Wie lohnt sich ein Kraftwerk, das vor allem dann läuft, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?"

Es sei die allererste politische Pflicht, diese Frage zu klären. "Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Es bleiben noch acht Jahre. Die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren halbieren zu wollen klingt ehrgeizig, reicht aber bei Weitem nicht aus. Wir müssen über Monate reden, nicht über Jahre." Sonst werde der Umbau zum klimaneutralen Industrieland nicht gelingen.

"Wir brauchen eine Netzinfrastruktur für Wasserstoff und dafür Pipelines", sagte Russwurm weiter. "Aber Deutschlands industrielle Zentren befinden sich nicht alle am selben Ort. Es gibt zum Beispiel ein Chemie-Dreieck an der östlichsten Spitze von Bayern, die Chemieindustrie dort ist global sehr erfolgreich. Da muss eine Wasserstoffpipeline hin." Ohne Wasserstoff könne dort nicht weitergearbeitet werden. "Es gibt eine Reihe von Pipelines, die sich schrittweise umwidmen lassen, aber wir brauchen auch neue. Wenn ich sehe, wie aufwendig und schwierig es ist, heute eine Stromleitung zu genehmigen, dann weiß ich, vor welcher Riesenaufgabe die Politik steht."

Zur "Achillesferse" für die Klimaschutzpläne der Bundesregierung drohe der rasante Anstieg der Stromnachfrage in Deutschland zu werden, sagte Russwurm. "Die Annahmen für den Stromverbrauch im Koalitionsvertrag reichen bei Weitem nicht aus - wenn man von einer hochgradigen Elektrifizierung im Individualverkehr, beim Wohnen und in den Industrieprozessen ausgeht." Der BDI rechne mit einem starken Zuwachs der Nettostromnachfrage. "Von zuletzt 507 Terawattstunden könnte sich die Nachfrage bis zur Klimaneutralität 2045 fast verdoppeln." Die Ampel geht laut Koalitionsvertrag von einem Strombedarf von 680 bis 750 Terawattstunden im Jahr 2030 aus. Davon sollen 80 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammen.

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