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INDEX-MONITOR: Lufthansa weiter vom Abstieg in die zweite Börsenliga bedroht

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurseinbruch der Lufthansa-Aktie <DE0008232125> im Sog der Corona-Krise könnte nach wie vor das Ende der Fluggesellschaft im Dax <DE0008469008> bedeuten. Auf der aktuell veröffentlichten Rangliste der Deutschen Börse für den Monat April befinde sich das zu den Gründungsmitgliedern im deutschen Leitindex zählende Unternehmen auf einem "Fast-Exit"-Platz, wie es in einer Studie der Commerzbank vom Mittwoch heißt.

Das bedeutet im Fall der Lufthansa, dass ihr am Streubesitz orientierter Börsenwert von rund 3,5 Milliarden Euro nicht mehr die Verbleibe-Kriterien für eine Dax-Mitgliedschaft erfüllt. Nachrücken dürfte die Deutsche Wohnen, womit die Commerzbank-Studie auch in diesem Fall die Vermutung des Index-Experten Tobias Adler vom Bankhaus Oddo Seydler bestätigt, die dieser im April auf Anfrage äußerte.

Ob es jedoch wirklich dazu kommt, dass die Lufthansa nach fast 32 Jahren die erste Börsenliga verlassen muss, entscheidet erst die Mai-Rangliste. Die nächste außerordentliche Dax-Überprüfung findet am 4. Juni statt. Sollte es zu einem Austausch kommen, würde dieser zum 22. Juni stattfinden.

"Bis dahin kann sich aber noch einiges tun", sagte Index-Experte Uwe Streich von der LBBW, denn entscheidend seien die letzten 20 Handelstage im Mai. Womöglich könnten bis dahin etwaige Staatshilfen dem Kurs bereits wieder neue Kraft verliehen haben. Ein Problem aber bleibt laut den Commerzbank-Experten: Nicht nur der schwache Aktienkurs schlägt ins Kontor, sondern auch der gesunkene Streubesitz. Denn im März war Heinz Hermann Thiele über seine Investmentholding KB Holdings als Großaktionär bei der Airline eingestiegen. Sein Anteil beträgt inzwischen 10 Prozent.

Nach Berechnungen der Commerzbank müsste der Kurs der aktuell bei rund 8 Euro liegenden Lufthansa-Aktie um mehr als 15 Prozent steigen, damit ein Verbleib im Dax möglich ist.

So könnte sich womöglich bald das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen freuen. Den Daten der Deutschen Börse zufolge ist es der momentane Nachfolger. Schon seit geraumer Zeit hofft der Vonovia-Konkurrent auf eine Aufnahme in die erste deutsche Börsenliga, liegt die gewichtete Marktkapitalisierung doch bei mehr als 13 Milliarden Euro. Bisher sind diese Träume jedoch zum einen am unzureichenden Börsenumsatz des MDax-Konzerns gescheitert. Zudem gab es auch kein Dax-Mitglied, das die Verbleibe-Regeln nicht mehr erfüllte.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.