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"Impfstoff-Apartheid": Nach WHO-Kritik wollen die USA 13 Prozent ihrer Impfstoffvorräte ins Ausland schicken

·Lesedauer: 4 Min.
US-Präsident Joe Biden.
US-Präsident Joe Biden.

Bis Ende Juni werden die USA 80 Millionen Corona-Impfstoffdosen ins Ausland schicken. Wie Präsident Biden mitteilte, entspricht das 13 Prozent ihres Gesamtvorrats. Das sind fünfmal mehr Dosen als jedes andere Land bisher mit der Welt geteilt hat.

Diese Ankündigung erfolgte, kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die wohlhabenden Nationen für die Lagerung von Impfdosen kritisiert hatte. Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass die wohlhabenden Länder 83 Prozent des weltweiten Impfstoffvorrats erhalten haben. Und das, obwohl sie nur 53 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Bei einer Veranstaltung am Montag bezeichnete Tedros die Situation als "Impfstoff-Apartheid".

Auch Biden betonte die Notwendigkeit, mehr Impfstoffdosen mit der Welt zu teilen. "Wir wollen die Welt mit unseren Werten anführen und mit dieser Demonstration unserer Innovationskraft und unseres Erfindungsreichtums sowie des grundlegenden Anstands des amerikanischen Volkes", sagte der US-Präsident bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am Montag. "So wie Amerika im Zweiten Weltkrieg das Arsenal der Demokratie war, wird unsere Nation im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie das Arsenal der Impfstoffe für den Rest der Welt sein."

60 Prozent der amerikanischen Erwachsenen haben erste Impfung

Allerdings werden die USA keine Impfdosen abgeben, die normalerweise an impfberechtigte Amerikaner gegangen wären. Innerhalb der nächsten sechs Wochen erwarten die USA, dass sie genügend Impfdosen für alle Amerikaner im Alter von 12 Jahren und älter zur Verfügung stellen können. 60 Prozent der amerikanischen Erwachsenen haben bereits mindestens eine Impfung erhalten.

Der Plan der Biden-Regierung ist es, 20 Millionen übrig gebliebene Impfdosen von Pfizer, Johnson & Johnson und Moderna an andere Länder zu verteilen. Darüber hinaus werden die USA 60 Millionen AstraZeneca-Impfungen — alle AstraZeneca-Dosen, die das Land bis jetzt produziert hat — an andere Länder spenden. Noch hat die Biden-Regierung nicht gesagt, welche Länder die neuen Lieferungen erhalten werden. Jedoch wurden bereits 4 Millionen AstraZeneca-Dosen für Kanada und Mexiko zugesichert.

Der Impfstoff von AstraZeneca wird aktuell in 165 Ländern eingesetzt. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den Impfstoff jedoch noch nicht zugelassen, weil sie auf die Ergebnisse einer inländischen Studie wartet. Im Herbst wurde diese aufgrund einer unerwünschten Reaktion bei einem britischen Studienteilnehmer um fast sieben Wochen verzögert.

Bereits vor etwa einem Jahr kauften die USA rund 300 Millionen Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca. Das war Teil ihrer Strategie, mehrere Impfstoffkandidaten aufzukaufen, bevor bekannt war, welche davon tatsächlich wirksam sein würden. Indem sie viele verschiedene Impfstoffe im Voraus kauften, so die Logik, würden die USA sicherstellen, dass sie so früh wie möglich Dosen eines wirksamen Impfstoffs hätten.

Vor der Ankündigung am Montag hatte die Biden-Regierung bereits zugesagt, 60 Millionen Dosen von AstraZeneca zu spenden. Noch müssen die Impfstoffe aber eine Sicherheitsüberprüfung durch die FDA bestehen, bevor sie ausgeliefert werden.

Die Impfstoff-Kampagne der USA ist anderen Ländern weit voraus

Menschen warten auf die Impfung im HB Kanwatia Hospital in Jaipur in Indien.
Menschen warten auf die Impfung im HB Kanwatia Hospital in Jaipur in Indien.

Bidens Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Situation in den USA eine Wende zu nehmen scheint: Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Neuinfektionen in allen 50 Bundesstaaten rückläufig. Auch die Zahl der Todesfälle ist auf dem niedrigsten Stand seit April 2020, so Biden.

Dennoch warnen Gesundheitsexperten, dass die USA weiterhin anfällig für zukünftige Ausbrüche sein werden, wenn andere Länder ihre Bevölkerung nur auf niedrigem Niveau impfen. Indien und Russland beispielsweise haben gerade einmal zehn Prozent ihrer Bevölkerung geimpft, während in Japan weniger als vier Prozent geimpft sind. Solange sich das Coronavirus weiter ausbreitet, kann es auch mutieren — es können also weiterhin neue Varianten entstehen. Obwohl die aktuellen Impfstoffe gut gegen die bestehenden Varianten zu wirken scheinen, befürchten Gesundheitsexperten, dass eine zukünftige Variante weitaus resistenter gegen den Impfschutz sein könnte. "Wir wissen, dass Amerika niemals völlig sicher sein wird, bis die Pandemie, die weltweit wütet, unter Kontrolle ist", sagte Biden am Montag.

Einige Experten sind deshalb sogar der Meinung, dass die USA anderen Ländern helfen sollten, ihre Bevölkerung zu impfen, noch bevor man die eigenen Teenager impft. "Um wieder zur 'Normalität' zurückzukehren, müssen wir auch unsere Jugendlichen impfen", sagte Janet Englund. Sie ist Professorin für pädiatrische Infektionskrankheiten am Seattle Children's Hospital. Doch sie betonte auch: "Wenn wir uns nicht um den Rest der Welt kümmern, wird es nur eine vorübergehende Lösung sein."

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.