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Impfkampagne: Wie sich zögernde und skeptische Menschen doch noch zur Impfung motivieren lassen

·Lesedauer: 4 Min.

Die gute Nachricht ist: Bereits 77 von 100 Erwachsenen in Deutschland sind geimpft. "Allein vergangene Woche sind 85.000 Personen in Deutschland zur Impfung gegangen", berichtet die Psychologin und Verhaltensökonomin Katrin Schmelz von der Universität Konstanz und vom Thurgauer Wirtschaftsinstitut in der Schweiz. Das entspreche etwa der Einwohnerzahl von Konstanz. Wie sie bei einem Briefing des Science Media Center Deutschland sagt, hält sie die Betonung der positiven Nachrichten bei der Impfkommunikation für wesentlich – um diejenigen zu überzeugen, die noch ohne Vakzin sind. "Immer wieder zu sagen, die Impfkampagne ist ins Stocken geraten, erst 62 Prozent der Erwachsenen sind geimpft, ist kontraproduktiv", so die Expertin. „Dann denken die Zögerlichen, dass sie in guter Gesellschaft sind, wenn sie sich nicht impfen lassen.“

Cornelia Betsch ist Professorin für Gesundheitskommunikation von der Universität Erfurt und wissenschaftliche Leiterin des „COSMO – COVID-19 Snapshot Monitoring“. Auch sie ist beim Briefing dabei und erklärt: Die Gruppe der Ungeimpften sei heterogen und setze sich aus drei Gruppen zusammen. 20 Prozent von ihnen wollen sich durchaus impfen lassen, haben es nur noch nicht geschafft, dies umzusetzen. Diese könnten durch Aktionen wie die Impfwoche jetzt gut erreicht werden. 26 Prozent seien noch unsicher und zögerlich. Menschen in dieser Gruppe benötigen gezielte Informationen, die sie überzeugen. Und 56 Prozent seien Verweigerer, die die Impfung zurzeit ablehnen.

Interessant ist den Experten zufolge, dass wohl insgesamt die Zahl der Impfverweigerer nicht angestiegen ist. Nur fünf Prozent sind nach Aussage von Katrin Schmerz wirkliche Impfgegner – und diese Zahl ist über die Jahre konstant geblieben. Bei Covid-19 liege die Quote derzeit bei zehn Prozent, aber man könne einige noch durch überzeugende Argumente und Berichte über eine positive Impfbereitschaft der Bevölkerung erreichen. „Eine positive Impfbereitschaft ist ansteckend, aber eine negative Einstellung zur Impfung ist es auch. Daher ist entscheidend, wie wir über die Impfung sprechen.“

Besonders viele Impfzögerliche finden sich in folgenden Gruppen: junge Frauen, die einen Kinderwunsch haben, Migranten, Menschen mit geringer Bildung und Menschen aus Ostdeutschland. In den sozialen Medien ist gezielt gestreut worden, die Impfung mache unfruchtbar. Dies sei wissenschaftlich widerlegt, müsse aber zum Beispiel von Gynäkologinnen und Gynäkologen thematisiert werden, um junge Frauen die Furcht zu nehmen. Dass die Ständige Impfkommission (Stiko) nun die Impfung auch für Schwangere empfiehlt, sehen die Expertinnen und Experten als ein positives Signal für diese Gruppe.

Das Vertrauen in die Regierung spiegelt sich in der Impfquote wider

Die niedrigere Impfbereitschaft im Osten Deutschlands erklären die Fachleute dadurch, dass dort ein geringeres Vertrauen in die Politik herrsche. Dort, wo es großes Vertrauen in die Regierung gebe, etwa in Dänemark, sei die Impfquote besonders hoch. Dieser Zusammenhang sei auch wichtig bei der Diskussion über eine Impfpflicht, die Grünen-Chefin Annalena Baerbock beim Triell für bestimmte Berufsgruppen ins Spiel gebracht hat. Sie könne sich eine Impfpflicht für Angehörige der Gesundheitsberufe oder Erzieherinnen und Erzieher vorstellen, sagte Baerbock.

Katrin Schmelzer sieht dies skeptisch: „In Deutschland haben wir von Anfang an gesagt, dass es keine Impfpflicht gibt. Jetzt sollte man dieses Vertrauen nicht enttäuschen.“ Auch Felix Rebitschek, wissenschaftlicher Leiter am Harding Zentrum für Risikokompetenz von der Universität Potsdam und assoziierter Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin hält nichts vom Druck auf die Ungeimpften oder „Schubsen“ hin zum Impfen. Schließlich gehe es ja auch darum, in den nächsten Jahren Auffrischungsimpfungen durchzuführen. Da sei die Frage, wie man die Leute in Zukunft motivieren soll? „Zwinge ich jemanden, erlebt dieser Mensch nicht den Erfolg, dass es die individuelle Entscheidung war, sich impfen zu lassen", so Rebitschek. Wichtig sei es, im Hinterkopf zu behalten, dass Verbote und Zwang bei Gesundheitsfragen nicht den Erfolg bringen.

Für die Zielgruppe der jungen Frauen glaubt Cornelia Betsch daran, dass Grasroot-Initiativen etwa von Medizinstudentinnen und -Studenten wie „Impf Dich“ etwas bewirken könnten. Denn Überzeugung laufe nicht einzig über die mediale Kommunikation, sondern über Gespräche mit Gleichgesinnten. Auch Felix Rebitschek, sagt, dass der persönlich Austausch mit der Möglichkeit, Rückfragen zu stellen, die Entscheidung für eine Impfung positiv beeinflussen kann. Auszubildende könnten etwa durch die Berufsschulen angesprochen werden. Insgesamt setzt er darauf, über Betriebe, Vereine oder Gewerkschaften an die noch Unentschlossenen heranzutreten.

Ein wesentlicher Punkt ist ihm zufolge ebenfalls, wer über die Impfung informiert. Dies sollten aus seiner Sicht Ärztinnen und Ärzte sein – nicht Politiker. Denn Mediziner, so sagt er, genießen hohes Vertrauen beim Thema Gesundheitsinformation. Zwar würde der Berufsgruppe viel aufgebürdet zur Zeit. Tatsache aber sei, dass Ärzte einen großen Einfluss auf die Entscheidung der Menschen haben. Es gelte daher, das Thema Impfen von der Politik abzukoppeln – und es wieder zu einem Thema der individuellen Gesundheitsvorsoge zu machen.

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