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Die Immunreaktion ist bei Omikron stark reduziert, selbst mit Booster — zeigen erste Laborstudien

·Lesedauer: 6 Min.

Vorläufige Ergebnisse einer Studie des Africa Health Research Institutes lassen vermuten, dass die Omikron-Variante von Sars-CoV-2 möglicherweise die Immunabwehr des Biontech/Pfizer Impfstoffs zu großen Teilen umgeht. Dennoch sind die Forscherinnen und Forscher sich einig, dass die existierenden Corona-Impfstoffe, Biontech/Pfizer eingeschlossen, vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen schützen können.

Im Rahmen der Laborstudie, die unter der Leitung von Professor Willem Hanekom durchgeführt wurde, wurden Blut-Proben von zwölf Personen untersucht, die zuvor vollständig mit Biontech/Pfizer geimpft worden waren. Die Ergebnisse zeigten einen 41-fachen Rückgang an neutralisierenden Antikörpern gegen die Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante. Unabhängig davon stellten die Wissenschaftler fest, dass Untersuchte, die genesen waren, und sich dann mit Omikron infiziert hatten, im Vergleich deutlich höhere Antikörper aufwiesen.

"Die klinischen Auswirkungen dieser wichtigen Labordaten müssen noch ermittelt werden. Es ist wahrscheinlich, dass ein geringerer Impfstoff-induzierter Schutz vor Infektionen und Krankheiten die Folge wäre", so Hanekom. Diese Erkenntnis kommt ein paar Tage, nachdem aus Israel zunächst eine ganz andere, vielversprechende Vermutung auf Grundlage von Daten aus Südafrika gekommen war: Es gebe Anzeichen dafür, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer eine bis zu 90-prozentige Wirksamkeit gegen Omikron erreiche, hieß es. Weder diese noch die jetzt veröffentlichten Studien sind bisher aber von unabhängigen Experten begutachtet worden.

Auch Daten aus Deutschland zeigen stark reduzierte Antikörper-Antwort

Auch wenn diese vorläufigen Ergebnisse nahelegen, dass die durch den Impfstoff verursachte Immunabwehr weniger effektiv gegen Omikron sein könnte, haben Geimpfte trotzdem gute Chancen auf einen milderen Verlauf im Fall einer Infektion. "Wichtig ist", so Hanekom, "dass die meisten Impfstoffexperten darin übereinstimmen, dass die derzeitigen Impfstoffe bei einer Omikron-Infektion immer noch vor schweren Erkrankungen und Tod schützen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass alle Menschen geimpft werden."

Auch eine weitere Labor-Untersuchung zur Wirkung von Corona-Impfstoffen gegen Omikron deutet auf eine sehr schwache Abwehrreaktion gegen die neue Variante hin. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte am Mittwoch erste Ergebnisse auf Twitter, die 37-fach reduzierte Antikörper-Antwort verschiedener Impfstoffe auf die neue Variante zeigen. Ciesek zufolge liegt die Neutralisierung durch Antikörper gegen Omikron demnach nach einer zweifachen Impfung sogar bei null, nach einer Booster-Impfung mit dreimal Biontech nur bei 25 Prozent. Zum Vergleich: Bei der derzeitigen Delta-Variante liegt dieser Wert bei 95 Prozent.

"Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek zu den von ihr vorgestellten Ergebnissen auf Twitter. Sie wies aber auch daraufhin, dass die Daten keine Aussage darüber erlaubten, inwieweit Geimpfte bei Ansteckung mit der Omikron-Variante vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Denn die Immunantwort beruht nicht nur auf Antikörpern, sondern beispielsweise auch auf T-Zellen.

Völlig schutzlos seien Geimpfte aber nicht, betonte der Immunologe Carsten Watzl. "Die Ergebnisse zeigen ganz klar, dass auch die neutralisierenden Antikörper von Geimpften in der Lage sind, Omikron zu binden und zu neutralisieren. Die Impfungen sind also nicht nutzlos", kommentiert der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie die Ergebnisse. "Aber: Man braucht deutlich höhere Antikörperspiegel, um Omikron noch erfolgreich zu neutralisieren – ungefähr 40-fach mehr."

Labordaten von Biontech: Booster nötig für Schutz vor Omikron

Auch Biontech und Pfizer haben sich inzwischen zu eigenen Daten geäußert. Für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante sind demnach drei Dosen ihres Produktes nötig. Ersten Labordaten zufolge schützen zwei Dosen nicht ausreichend vor einer Infektion mit der kürzlich entdeckten Variante, teilten die Unternehmen am 8. Dezember mit. Sie gehen allerdings ebenfalls davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung weiterhin gegeben ist. Eine Booster-Dosis erhöht ihnen zufolge den Antikörper-Spiegel ausreichend, um auch die Omikron-Variante zu neutralisieren – was den Aussagen von Sandra Ciesek allerdings widerspricht.

Auch Biontech/Pfizer hatten in Laboruntersuchungen geprüft, wie gut die Blutseren geimpfter Personen mit den darin enthaltenen Antikörpern die Omikron-Variante neutralisieren können. Sie nutzten für ihre Untersuchung eine künstlich hergestellte Form des Virus. Aus den Ergebnissen lassen sich Erkenntnisse über die Schutzwirkung ableiten, auch wenn Laboruntersuchungen die realen Bedingungen nicht vollständig widerspiegeln.

Nach zwei Dosen des Impfstoffs war das Neutralisierungspotenzial demnach im Vergleich zum Wildtyp des Erregers um das 25-Fache reduziert. Die auf die Impfung hin gebildeten T-Zellen würden von den Mutationen der Variante allerdings nicht beeinträchtigt. Deshalb "gehen die Unternehmen davon aus, dass geimpfte Personen immer noch gegen schwere Formen der Krankheit geschützt sein könnten."

Die Booster-Dosis erhöhte den Antikörper-Spiegel den Angaben zufolge um das 25-Fache. Diese Antikörper-Spiegel würden mit einer hohen Wirksamkeit sowohl gegen das Wildtyp-Virus als auch gegen zuvor aufgetauchte Varianten in Verbindung gebracht. "Auch wenn zwei Dosen des Impfstoffs möglicherweise weiterhin Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten, zeigen diese ersten Daten sehr deutlich, dass der Schutz mit einer dritten Dosis unseres Impfstoffs verbessert wird", so Albert Bourla, Chef des Pharmakonzerns Pfizer.

Christian Drosten: "Es sieht nicht gut aus für zweifach Geimpfte. Dritte Dosis nötig"

Die Unternehmen haben bereits damit begonnen, ihren Impfstoff an die Omikron-Variante anzupassen. Diese Arbeiten würden fortgesetzt, erste Chargen könnten produziert und bei Genehmigung durch die Behörden innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Die erwarteten Produktionsmengen von vier Milliarden Dosen des Impfstoffs im Jahr 2022 würden sich auch bei einer nötigen Anpassung nicht ändern.

Charité-Virologe Christian Drosten wies darauf hin, dass die Ergebnisse bisher vorgestellter Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen kämen und kommt zu dem Schluss: "Es sieht nicht gut aus für zweifach Geimpfte. Dritte Dosis nötig", twitterte der Virologe von der Berliner Charité. Drosten geht davon aus, dass Omikron in Deutschland ab Januar Probleme verursachen werde. Wahrscheinlich werde die Variante die Anpassung der vorhandenen Impfstoffe nötig machen, sagte er am Dienstagabend im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info.

In Deutschland haben mittlerweile 15,6 Millionen Menschen eine zusätzliche Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Das entspricht 18,7 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie aus den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwoch hervorgeht. Demnach sind allein am Dienstag 833.000 Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus verabreicht worden. Insgesamt gab es am Dienstag 973.000 Impfungen gegen das Virus.

mw/fj/dpa

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