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Immobilienwirtschaft sieht keinen Grund für Hysterie

Berlin (dapd). Die deutschen Immobilienunternehmen freuen sich über die gute Konjunktur in ihrer Branche. Klagen über horrende Mietsteigerungen weisen sie zurück. Es gebe keinen Grund für Hysterie, zu beobachten sei lediglich ein schwacher Mietanstieg auf breiter Front, hieß es bei der Vorstellung des Frühjahrsgutachtens des Rates der Immobilienweisen am Dienstag in Berlin.

Laut Gutachten haben die Unsicherheit an den Finanzmärkten und die günstigen Zinskonditionen die Nachfrage nach Wohnimmobilien belebt. Davon habe auch der Wohnungsneubau profitiert, sagte der Präsident des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA), Andreas Mattner. Die Politik sei gut beraten, der Immobilienwirtschaft "hier keine Knüppel zwischen die Beine zu werfen". Wohnungsneubau sei "immer noch das beste Mittel gegen steigende Mieten".

Anstieg von drei Prozent erwartet

Nach einem Anstieg der Mieten von 2,4 Prozent im vergangenen Jahr prognostiziert das Gutachten für 2013 ein Plus von rund drei Prozent. Stärkere Anstiege seien allenfalls in ausgesuchten Lagen einiger Städte zu beobachten. Mit Blick auf die Inflation relativiere sich die Preisentwicklung, sagte Harald Simons, Vorstand beim Marktforschungsinstitut Empirica.

Die Immobilienbranche sieht sich als Gewinner der Krise im Euroraum. Da die deutsche Wirtschaft angesichts der Krise auf die Inlandsnachfrage setzen müsse, könnten insbesondere die Bauinvestitionen hier einen wesentlichen Beitrag leisten, sagte der Ökonom Lars Feld als Mitglied des Rates der Immobilienweisen.

Feld gab allerdings zu bedenken, dass sich die gegenwärtig diskutierten steuerpolitischen Vorhaben negativ auf die Immobilienwirtschaft auswirken könnten. Als Folge würde der Wohnungsbau zum Erliegen kommen, was wiederum steigende Mieten begünstige. Zur Debatte stehen beispielsweise die Einführung einer Vermögensteuer, Veränderungen bei der Grunderwerbsteuer oder eine Reform der Grundsteuer.

Mieterbund spricht von Verharmlosung

Der Deutsche Mieterbund (DMB) schloss sich der Forderung nach mehr Wohnungsneubau an. Nach Verbandsschätzungen fehlen in den Großstädten, Ballungsgebieten und Universitätsstädten rund 260.000 Mietwohnungen. Die Entwicklung der Mietpreise in diesen Gebieten sei allerdings besorgniserregend, sagte DMB-Sprecher Ulrich Ropertz der Nachrichtenagentur dapd. Der Anstieg betrage dort teilweise mehr als fünf Prozent.

Der ZIA verharmlose mit Durchschnittszahlen das Problem, sagte Ropertz. Im Bereich der Wiedervermietungsmieten lägen die Mieten 20 bis 30 Prozent und in der Spitze 44 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Der Mieterbund fordere daher eine Begrenzung der Wiedervermietungsmieten.

Stark steigende Mietpreise treffen inzwischen sogar Mieter von Sozialwohnungen. Wie das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" am Dienstag unter Berufung auf den DMB berichtete, gibt es in Hamburg, Freiburg und Berlin Mietsprünge von bis zu 100 Prozent. Tausende Sozialmieter in Deutschland seien von drastischen Mieterhöhungen betroffen, obwohl sie im geförderten sozialen Wohnraum eigentlich vor starken Preissprüngen geschützt sein sollten.

dapd

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