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Immer mehr Impfungen versprochen – doch es fehlen die Dosen: Hat sich Spahn mit den geplanten Kinder-Impfungen in den Ferien übernommen?

·Lesedauer: 3 Min.

Am Donnerstag um 14 Uhr wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder wieder einmal zu einem gemeinsamen Corona-Gipfel zusammenkommen. Dort geht es nicht um neue Lockdown-Regeln, sondern ausschließlich um das Thema Impfen. Dabei läuft inzwischen vordergründig vieles positiv: Fast zwölf Millionen Menschen sind inzwischen voll geimpft – das ist jeder siebte Deutsche. Insgesamt haben sogar 33 Millionen Menschen mindestens eine erste Dosis erhalten.

Doch schaut man genauer bei dem Thema hin, wird hinter den Kulissen schwer um ein Thema gerungen: das Impfen von Kindern. Die Kultusminister der Länder üben seit Wochen Druck auf die Bundesregierung aus, Kindern schnellstmöglich wieder einen normalen Schulalltag zu ermöglichen. Dazu sollen jetzt auch Kinder geimpft werden, so der Plan. Über die Details wollen Bund und Länder auch am morgigen Donnerstag beraten.

Das Problem: Die Ständige Impfkommission ist skeptisch. Eine generelle Impfempfehlung werde es nicht geben, kündigte Stiko-Chef Thomas Mertens bereits an. Dazu sei die Studienlage nicht gut genug, man brauche mehr Zeit. Damit stehen jedoch die politisch Verantwortlichen vor einem Dilemma: Ohne eine Empfehlung der Stiko werden viele Ärzte Kinder nicht impfen. Der politisch getriebene Plan, bis Ende der Sommerferien alle Kinder mindestens eine Dosis verabreicht zu haben, dürfte so nicht zu realisieren sein.

Doch das ist nicht das einzige Problem. Hinter den Kulissen von Bund und Ländern fürchtet man kurz vor dem Impfgipfel, dass man sich ohnehin mit dem Impfen von Kindern übernommen hat. Denn: Es gibt offenbar gar nicht genug Impfstoff, um Kinder zu versorgen und die Impfkampagne in Impfzentren und Arztpraxen in der geplanten Geschwindigkeit fortzuführen. Am Mittwochabend räumte das Bundesgesundheitsministerium ein, dass ab kommendem Montag zwei Wochen lang nicht die erwarteten Mengen von Biontech kommen und die fehlenden Dosen erst Ende Juni geliefert werden. Wie es im Juli weitergeht? Unklar.

Gegenüber Verbänden und Ärzten soll die Fachabteilung des Bundesgesundheitsministeriums vorige Woche darum in einer vertraulichen Runde laut mehrerer Teilnehmer erklärt haben, dass das Impfstoff-Kontingent für die Kinder aus dem Topf der Arztpraxen genommen werden soll. Es geht um bis zu zehn Millionen Biontech-Dosen. Für die Praxen hieße das: Aus wöchentlich bis zu 3,7 Millionen Dosen im Juni sollen dem Vernehmen nach nur noch bis zu 2,3 Millionen werden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums war telefonisch dazu am Mittwoch nicht erreichbar.

Der Eindruck jetzt bei einigen Verantwortlichen in Bund und Ländern: Nach der doch frühzeitigen vollständigen Aufhebung der Impfpriorisierung zum 7. Juni hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun mit dem Plan, alle Kinder von 12 bis 16 Jahren bis Ende August impfen zu können, übernommen. Oder mit anderen Worten: Spahn hat dem politischen Druck seiner Bildungsminister zu früh nachgegeben.

Denn zwar soll Spahn am vorigen Freitag bei einer informellen Runde mit den Bundesländern, in denen die Sommerferien im Juni anfangen, laut Teilnehmern den Eindruck vermittelt haben, ihn interessiere die fehlende Stiko-Empfehlung für Kinder nicht so sehr. Vielmehr solle das Mittel grundsätzlich auch in Deutschland genutzt werden können, wenn die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) wie geplant Ende der Woche grünes Licht für eine Zulassung des Biontech-Impfstoff für 12 bis 15-Jährige gibt. Die Länder, die mit den Ferien beginnen, sollen 65 Prozent ihres Bedarfes bekommen, die anderen Länder ziehen dann nach.

https://twitter.com/Flying__Doc/status/1397164022286405637?s=08

Doch viele Ärzte – egal ob in der Praxis oder in Impfzentren – werden ohne ein entsprechendes klares Votum der Stiko keine Spritzen geben. Und: Sollte im Juli nicht mehr Impfstoff als erwartet kommen, um den Zusatz-Bedarf für die Kinder zu decken, sondern Impfstoff aus dem Topf der Arztpraxen genommen werden, dann führt das möglicherweise zum Aussteigen einiger Ärzte aus der Impfkampagne, heißt es aus den Ländern.

Schon jetzt klagen viele Mediziner, dass sie viel zu wenig Impfstoff haben, um überhaupt noch Erstimpfungen vorzunehmen. Dazu tauschen Praxen offenbar Impfstoff untereinander, um genügend Mittel für Zweitimpfungen zu haben. Dazu kommt die anhaltend hohe Nachfrage nach Impfterminen, die viele Praxen kaum noch richtig arbeiten lässt.

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