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Immer mehr Airlines streichen ihre Flugpläne zusammen

Delta und American Airlines sagen zahlreiche internationale Flüge ab. Billigflieger Norwegian will Teile seiner Belegschaft vorübergehend entlassen.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus streichen die Airlines weltweit ihre Flugpläne weiter zusammen. Aufgrund der anhaltenden Situation um das neuartige Virus und der damit verbundenen gesunkenen Nachfrage will der norwegische Billigflieger Norwegian zwischen Mitte März und Mitte Juni schätzungsweise 3000 Flüge absagen, teilte die Airline am Dienstag mit. Das entspreche knapp 15 Prozent der Gesamtkapazität in der Zeit.

Zugleich kündigte Norwegian vorübergehende Entlassungen für größere Teile seiner Belegschaft an, darunter Besatzungsmitglieder und andere Angestellte. Darüber stehe man mit den Gewerkschaften im Gespräch. Zahlen dazu nannte das Unternehmen nicht.

„Das ist eine kritische Zeit für die Luftfahrtindustrie, einschließlich uns bei Norwegian“, sagte Unternehmenschef Jacob Schram. Die Behörden sollten unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die finanzielle Belastung für Fluggesellschaften zu verringern und somit unter anderem Arbeitsplätze zu schützen.

Für schwache Fluggesellschaften entwickelt sich der Markteinbruch zur existenziellen Gefahr. „Wenn die Situation länger andauert, könnten wir einen Punkt erreichen, an dem wir das Überleben des Unternehmens nicht garantieren können“, warnte der Präsident von Korean Air Lines, Woo Kee-hong, in einer Mitarbeiterinformation.

Die größte Airline Südkoreas hat mehr als 80 Prozent ihrer internationalen Kapazität gestrichen. Fast zwei Drittel der 145 Maschinen großen Flotte stehen am Boden.

Auch die großen US-Fluggesellschaften streichen ihre Flugpläne zusammen. American Airlines teilte am Dienstag mit, dass internationale Flüge im Sommer um 10 Prozent eingeschränkt werden sollen, auf Transpazifik-Routen sei sogar eine Reduzierung um 55 Prozent vorgesehen. Im US-Markt soll das Angebot im April wegen schwacher Nachfrage um 7,5 Prozent sinken.

Konkurrent Delta Air Lines gab bekannt, internationale Flüge um 20 bis 25 Prozent zu drosseln und US-Flüge um 10 bis 15 Prozent. Zudem strich das Unternehmen die Prognose für das erste Quartal und das Geschäftsjahr 2020. Das Virus belaste die Erlöse erheblich, das Buchungsvolumen sinke und die Ticketstornierungen legten zu, warnte die Fluggesellschaft Investoren bei einer Konferenz in New York.

Der Rivale United Airlines zog seine Geschäftsprognose ebenfalls aufgrund des Coronavirus zurück. Das Unternehmen hatte bereits in der Vorwoche angekündigt, zahlreiche Flüge zu streichen. United verhängte zudem einen teilweisen Einstellungsstopp, setzte Gehaltserhöhungen aus und legte US-Beschäftigten nahe, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Wegen der hohen Unsicherheit bei der Reiseplanung wollen die großen US-Fluglinien ihren Kunden vorübergehend Umbuchungsgebühren erlassen.

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS schlägt eine Reduzierung von Arbeitszeit und Gehältern um 20 Prozent für alle Beschäftigten vor, um die Folgen der Epidemie zu dämpfen. Entsprechende Gespräche sollen nun mit den Gewerkschaften geführt werden, wie das Management am Dienstag mitteilte.

Der Lufthansa-Konzern hatte bereits am Freitag angekündigt, wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs seinen Flugplan einzuschränken. In den nächsten Wochen solle die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Dabei wolle man die weitere Entwicklung der Nachfrage beobachten. Die Maßnahme diene dazu, die finanziellen Folgen des Nachfrageeinbruchs zu verringern.

Der Dax-Konzern berichtete von drastischen Buchungsrückgängen und zahlreichen Flugstornierungen. Betroffen seien alle Zielgebiete. Inzwischen wird geprüft, die gesamte Flotte des größten Einzelflugzeugs Airbus A380 mit 14 Jets vorübergehend außer Dienst zu stellen.

Italien wird vom Luftverkehr abgeschnitten

Nicht benötigte Flugzeuge würden in der Regel an ihren Stationierungsorten abgestellt, erläuterte eine Sprecherin. Das wären im Fall der Kernmarke Lufthansa die Flughäfen in Frankfurt und München. Eine genaue Zahl stillzulegender Jets wurde nicht veröffentlicht.

Wegen der massiven Ausfälle im Luftverkehr kündigte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Brüssel an, die Regeln zu Start- und Landerechten vorübergehend auszusetzen. Sie schreiben vor, dass Airlines ihre Slots dauerhaft zu 80 Prozent nutzen müssen, um sie nicht zu verlieren. Es gelte, die Fluggesellschaften zu erleichtern und klimaschädliche „Geisterflüge“ zu verhindern, die nur zum Sichern der Slots abheben würden, sagte von der Leyen.

Der Branchenverband IATA hatte am Donnerstag den möglichen Umsatzeinbruch im weltweiten Passagiergeschäft auf eine Spanne zwischen 63 Milliarden und 113 Milliarden Dollar (bis 101 Milliarden Euro) geschätzt, bis zu 19 Prozent des gesamten Volumens. Das sei in der Dimension mit der Finanzkrise 2008/2009 vergleichbar. Die Auswirkungen auf das Frachtgeschäft seien noch nicht abzuschätzen.

Besonders Italien wird mit den landesweiten Reisebeschränkungen immer stärker vom Luftverkehr abgeschnitten. Die Billigfluggesellschaften Norwegian und Wizz Air aus Ungarn teilten am Dienstag mit, alle Verbindungen nach Italien bis April einzustellen. Die britische Budget-Airline Easyjet stornierte den Großteil ihrer Flüge nach Mailand, Venedig und Verona. British Airways sagte für Dienstag alle Italien-Flüge ab.

Die Airline verwies auf die Empfehlung der britischen Regierung, wegen der sich ausbreitenden Infektion nur noch notwendige Reisen nach Italien zu unternehmen. Am Montag hatte auch die größte europäische Billigfluggesellschaft Ryanair Inlandsflüge in Italien abgesagt und den Flugplan nach Norditalien von außerhalb weiter ausgedünnt.

Von der Lufthansa-Gruppe setzte Austrian Airlines den Flugverkehr zwischen Wien und Norditalien bis zum 28. März aus. Das österreichische Gesundheitsministerium hatte ein Landeverbot für Flüge aus Italien erteilt. Damit entfallen bis zu drei Flüge täglich nach Venedig und Bologna sowie bis zu sechs Verbindungen von Wien nach Mailand. Flüge nach Rom und Mailand wurden aufrecht erhalten.

Die Hauptmarke Lufthansa und die Billigflugtochter Eurowings bieten noch einige Italien-Flüge an. „Wir beobachten die Lage sehr genau“, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Die Flugzeugbauer werden ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. So erklärte die australische Gesellschaft Quantas, sie werde die Bestellung von einem Dutzend neuer Airbus A350 verschieben. Sie fahre die Kapazität über die kommenden sechs Monate um fast ein Viertel zurück.

Eine erste Schätzung, wonach Corona das Unternehmen bis zu 150 Millionen Australische Dollar kosten könnte, warf Qantas über Bord und wagte keine Prognose mehr. Für den Rest des bis Ende Juni laufenden Geschäftsjahrs will Airline-Chef Alan Joyce auf sein Gehalt verzichten. Die Manager erhalten keine Boni, Beschäftigte sollen unbezahlten Urlaub nehmen.

„Das ist kein Wirtschaftsereignis“, sagte der Chef der US-Airline Delta, Ed Bastian auf einer Konferenz. Es sei ein „Angstereignis“ ähnlich wie die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA.