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Die Illusion, rational zu handeln: Wie das Gehirn euch im Job Streiche spielt

·Lesedauer: 4 Min.

So schlau wie heute waren die Menschen noch nie. Das gilt zumindest im groben Durchschnitt. Auffassungsgabe, Rechenkünste, Geschwindigkeit: Menschen werden immer besser. Nur eines ändert sich nicht: Wir fallen auf die einfachsten Tricks herein. Der härteste Gegner ist dabei weiterhin das Gehirn selbst. Es nimmt gern Abkürzungen, nutzt die sogenannten Heuristiken: Es zieht die Informationen heran, die es schon hat, und füllt dann selbstständig die Lücken.

Im Berufsleben führt das oft zu einem interessanten, bei näherer Betrachtung allerdings auch tragischen Effekt: Menschen irren. Und sie merken es nicht einmal. Auch nicht rückwirkend. Was als rationales Denken angenommen wird, ist deshalb oft nur geraten und für wahr genommen – ohne Überprüfung. Menschen sind schlauer als je zu vor. Aber sie sind lange nicht so schlau, wie sie selbst denken.

Die bösen Kolleginnen und Kollegen

Menschen arbeiten mit Menschen, und das muss natürlich zu Problemen führen. Denn Menschen sind vielseitig. Sie sind handeln nett, mal freigiebig, mal gar nicht nett und vielleicht sehr egoistisch. So formt sich unter Kolleginnen und Kollegen bald ein festes Bild, gern aufgeteilt in gut und böse. Gehen wir von einer Person aus, die im Team eher als Gegenspieler gilt: Verhält sie sich nun gut, fürsorglich oder unterstützend, so wird dies als Ausnahme gewertet oder als egoistischer Akt umgedeutet. Verhält sie sich dagegen eigennützig, so bestätigt diese Beobachtung das Bild.

Durch Vorurteile wie diese schaffen sich Menschen Erleichterung. Sie befreien sich vom Zwang, andere immer wieder neu bewerten zu müssen, berichten Wissenschaftler der Universität Gent. Das Gehirn spart Energie. Doch die Zusammenarbeit muss so in einem frühen Eindruck verharren. Die eigene Meinung zu ändern, wird schwer. Es hilft, sehr bewusst darauf zu achten, wann die ungeliebte Person sich positiv verhält. Eine Lob-Orgie ist erst einmal gar nicht nötig. Es reicht, sich bewusst zu machen, dass beide Beteiligten Menschen sind. Mit Fehlern, oft aber auch mit gutem Willen.

Macht und Kontrolle

„Unsere Kontrollüberzeugung bestimmt unser Handeln und damit auch unsere Ergebnisse“, schreibt der Neurowissenschaftler Albert Moukheiber in seinem Buch „Fake Brain“. Grundsätzlich sei das erst einmal gut: Wer das Gefühl habe, die Dinge unter Kontrolle zu haben, der übernimmt Verantwortung. Wird das Gefühl jedoch zu stark, könne die Illusion einer Herrschaft entstehen – oder das Bedürfnis, alles und jeden im Alleingang zu retten.

Hier hilft nur gnadenlose Ehrlichkeit: Kann ich das beeinflussen? Ist es überhaupt sinnvoll, wenn ich hier jeden Handlungsfaden allein steuere? Wer kann stattdessen übernehmen?

Der Traum vom Wissen

Je weniger ein Mensch über ein Thema weiß, desto größer kann seine Illusion sein, Probleme in diesem Feld lösen zu wollen. Der Grund für dieses Problem ist simpel: Die Komplexität ist nicht bekannt, deshalb tauchen viele „Abers“ erst einmal gar nicht auf. Dieser Effekt heißt nach seinen Beobachtern „Dunning-Kruger-Effekt“: Wer wenig weiß, entwickelt zunächst ein großes Selbstbewusstsein.

Taucht er oder sie dann tiefer in das Thema ein, sinkt dieses Selbstbewusstsein rapide, weil die Wissenslücken offensichtlicher werden. Wer dann weiter arbeitet, kann tatsächlich Wissen gewinnen. „Wir überschätzen unsere Fähigkeit, die Welt zu verstehen,“ schreibt Mouhkeiber. „Es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, und nicht jedes Mal ein zu großes Selbstvertrauen an den Tag zu legen, wenn wir eine neue Disziplin entdecken, die uns mit neuen Ideen konfrontiert.“

Die Illusion, klüger zu sein

Gewissheit ist ein schwieriges Feld. Menschen haben gern recht – vor allem im Job-Kontext, wo sie fürs Rechthaben schließlich bezahlt werden. Nur begründen Beobachtung und fester Glauben allein noch keine Expertise. Bei Uneinigkeit über ein Projekt kann diese Illusion einen Streit zementieren. Spannend daran ist: Menschen halten Menschen für kompetent, die ihre eigene Position unterstützen. Umgekehrt gilt als inkompetent, wer das nicht tut. So können eingeschworene Gemeinschaften von Irrenden geschaffen werden – die Menschen mit anderen Perspektiven gnadenlos ausschließen.

Menschliche Gehirne machen es sich gern einfach. So sparen sie Energie und schützen das Selbst auch vor Zweifeln. Psychohygiene nennt man das auch: Gedanken und Wahrnehmungen, die querschießen, werden aussortiert. Und das nicht immer zum Wohl des Menschen, denn auch negative Grundstimmungen können zum entscheidenden Filter werden. Es hilft, sich immer wieder aktiv bewusst zu machen, dass die Welt, die Menschen darin und die meisten Ereignisse von Natur aus widersprüchlich sind. Und dass das gar nichts Schlechtes ist. Denn wo Ambivalenz herrscht, da ist auch Wahlfreiheit.

VIDEO: Hausarbeit hält das Gehirn auf Trab

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