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Geldanlagetipp: Keep it small and simple

Stefanie Kühn
Finanzexpertin Yahoo Finanzen
Schon zwei bis drei ETF reichen für eine Investition in mehr als 2.000 Unternehmen. (Getty Images)

Leitende Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank sind verpflichtet, ihre privaten Investments öffentlich zu machen. Der oberste deutsche Währungshüter Jens Weidmann legt nach Auskunft in zwei ETF (Indexfonds) an. Einen DAX-ETF und einen MSCI All Country World ETF. Und das war es, fragen Sie sich vielleicht? Ein Mann, der an der Quelle jeglicher volkswirtschaftlicher Informationen sitzt, über ein hervorragendes Netzwerk im In- und Ausland verfügt und über eine solch hohe fachliche Reputation verfügt? Nur zwei ETF?

Jens Weidmann (Bild: REUTERS/Hannibal Hanschke)

Ich finde, Herr Weidmann macht es richtig. Bei der Geldanlage kommt es nicht darauf an, möglichst viele kleinteilige Investments zusammen zu puzzlen. Mit zwei bis drei ETF kann man eine Streuung über mehr als 2.000 Unternehmen weltweit erreichen. Ich weiß nicht, wie Weidmann die ETF gewichtet hat, von einer zu großen Gewichtung des DAX-ETF rate ich ab. Als Beimischung zum weltweiten ETF ist ein DAX-ETF aber gut vertretbar. Ob man sich für einen MSCI All Country World oder einer Kombination aus MSCI World (nur Industriestaaten) und MSCI Emerging Markets (Schwellenländer) entscheidet, spielt keine große Rolle. Sie können bei der Kombination leichter reagieren, falls Sie doch einmal die Schwellenländer für einen bestimmten Zeitraum rauslassen möchten. Außerdem kann man die Quote zwischen Industrieländern und Schwellenländern individueller regeln.

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Wer Spaß an der Anlage in ETF hat, kann statt des MSCI All Country World auch Regionen-ETF auswählen und die Welt so selbst abbilden. Und natürlich mische auch ich gerne mal einen Branchen-ETF bei. Aber auch in diesen Fällen kommt man mit 5-7 ETF hin.

Letztlich kommt es für Sie vor allem darauf an, überhaupt und langfristig investiert zu sein. Wer 40 Jahre für seinen Ruhestand 300 Euro im Monat zurücklegt, verfügt bei einer mittleren unterstellten Rendite von 5% - die wir einem Aktieninvestment unterstellen dürfen – am Ende über ein Vermögen in Höhe von knapp 450.000 Euro. Eingezahlt haben Sie bis dahin 144.000 Euro. Wer 20 Jahre später mit dem Sparen beginnt (Einzahlungen 72.000 Euro), der hat nur rund 122.000 Euro. Oder er oder sie müsste rund 1.100 Euro für das gleiche Sparergebnis von 450.000 Euro pro Monat zur Seite legen.

Was können wir noch aus dem Investment von Herr Weidmann schließen? Wenn ETF so „systemgefährdend“ wären, wie oft behauptet – dann würde wohl gerade der oberste Währungsboss nicht ausgerechnet in diese Anlageklasse investieren.

Kurz zusammengefasst meine Philosophie: Small (kleine Sparsumme bei langer Laufzeit) und simple (2-3 ETF).

Ihre

Stefanie Kühn

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