Deutsche Märkte geschlossen

Ifo-Institut: Stimmung deutscher Exporteure auf "neue Tiefstwerte" gesunken

Containerverladung in Dortmund

Die Stimmung im wichtigen deutschen Außenhandel ist wegen der Corona-Krise im freien Fall. In zahlreichen Branchen seien die Erwartungen der Exporteure auf neue Tiefstwerte gesunken, erklärte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Die Exporterwartungen der Industrie stürzten laut dem Münchner Forschungsinstitut im April von minus 19,01 auf minus 50,0 Punkte ab. Wissenschaftler warnten derweil vor bedeutenden Wohlstandsverlusten für die Deutschen wegen der Pandemie.

Ifo-Chef Clemens Fuest sprach angesichts der Zahlen am Montag von einem Rückgang "ohne Beispiel". Besonders betroffen sind den Angaben zufolge deutsche Schlüsselbranchen wie der Fahrzeugbau, Maschinenbau oder die Elektrotechnik. Auch die chemische Industrie rechne nach einem vergleichsweise moderaten Rückgang der Exporterwartungen im Vormonat nun mit deutlichen Umsatzrückgängen im Auslandsgeschäft. Einziger Lichtblick sind laut Ifo-Institut die Pharmaunternehmen, die ein weiter stabiles Exportgeschäft erwarten.

Befürchtungen anderer Wirtschaftsforscher zufolge wird sich der Konjunktureinbruch auch deutlich in den Geldbeuteln der Deutschen bemerkbar machen. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, erwartet deutliche Wohlstandsverluste der Deutschen. Durchschnittlich könne jeder Bürger bis zu 3500 Euro in der Krise verlieren, "wenn die Dinge schlecht laufen", sagte Felbermayr in der Internetsendung "Bild live".

Entgegen eines aktuell von der Regierung erwarteten Konjunkturrückgangs um 6,3 Prozent hält er demnach sogar einen Einbruch von über zehn Prozent für möglich, sollten neue Ansteckungszahlen wieder stärkere Einschränkungen erfordern. "Wir müssen die wirtschaftliche Dimension der Krise ernster nehmen", mahnte Felbermayr vor diesem Hintergrund.

Er kritisierte, der Gesundheitsschutz sei in den vergangenen Wochen womöglich "überpriorisiert" worden: "Mein Eindruck ist, dass die ökonomischen Schäden so groß werden, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob wir nicht ein Stück weit übersteuert haben in den letzten Wochen."

Vor diesem Hintergrund ging die Debatte um weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen für die Wirtschaft weiter. Gesundheitsschutz und Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivität müssten "immer im Miteinander" geplant werden, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der "Passauer Neuen Presse". Aus seiner Sicht "sollten wir auch über Öffnungen bei weiteren Verkaufsflächen, Restaurants und Cafés nachdenken, sofern die Abstands- und Hygieneregeln dort gewahrt werden können".

Kramer zeigte sich zuversichtlich, dass sich mit besserer Kontrolle der Pandemie "auch das Konsumklima und die Konjunktur normalisieren" und aus ihrer derzeitigen "Schockstarre" lösen können, wenngleich "irreparable" Schäden und Insolvenzen nicht auszuschließen seien.

Unterdessen will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) keine unfaire Verteilung der Corona-Belastungen zwischen Unternehmen und Steuerzahlern riskieren und staatliche Finanzhilfen für Konzerne an strengere Bedingungen knüpfen. Wer staatliche Unterstützung bekomme, müsse auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten, sagte Altmaier am Montag im Deutschlandfunk. Demnach soll auch das Management teilweise auf Boni verzichten - in welchem Umfang, müsse im Einzelfall geklärt werden.

Zwar untersagt die Bundesregierung nach "Handelsblatt"-Informationen von vergangener Woche zumindest denjenigen Unternehmen, die über die staatliche Förderbank KfW Geld bekommen wollen, vorübergehend die Gewinnausschüttung. Dass mehrere Unternehmen trotz Kurzarbeit an geplanten Dividenden festhielten, sorgte dennoch für eine Debatte über die generellen Regeln bei staatlichen Hilfsmaßnahmen.