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Ifo-Beschäftigungsbarometer fällt auf tiefsten Stand seit Anfang 2010

Neben dem Münchner Indikator bricht auch das IAB-Barometer ein. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit wird sich trotz Kurzarbeit nicht verhindern lassen.

Die Arbeitsagenturen rechnen sowohl mit steigender Arbeitslosigkeit als auch mit sinkender Beschäftigungsdynamik. Foto: dpa


Die Corona-Pandemie schlägt voll auf den Arbeitsmarkt durch. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer ist im März deutlich gefallen auf 93,4 Punkte, von 98,0 Punkten im Februar. Das ist der größte Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002. Es ist zudem der niedrigste Wert seit Januar 2010.

Das Barometer, das die Münchner Konjunkturforscher monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnen, basiert auf den Beschäftigungsabsichten von rund 9.000 Firmen. „Die deutschen Unternehmen legen bei den Personalplanungen eine Vollbremsung hin“, kommentierte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe die Daten. Neueinstellungen würden gestoppt. „Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit wird trotz Kurzarbeit unvermeidlich sein“, sagte Wohlrabe.

Bei der Kurzarbeit berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA) bereits von einem Rekordansturm. Allein in der vergangenen Woche gingen knapp 77.000 Anträge bei den Arbeitsagenturen ein. Ende vergangenen Jahres – in einer konjunkturellen Schwächephase – gab es rund 1.000 Anzeigen pro Woche. Die Nürnberger Behörde geht davon aus, dass die Antragszahlen der Vorwoche in dieser Woche noch einmal übertroffen werden.

Der Arbeitsmarkt sei im Moment von zwei Seiten unter Druck, erklärt Ifo-Experte Wohlrabe. „Zum einen kommt es vermehrt zu Entlassungen, zum anderen gibt es im Moment de facto keine Einstellungen.“

Ifo hat die Unternehmen zwischen dem 2. und dem 24. März befragt, rund 90 Prozent der Antworten gingen bis zum 19. März ein – also noch bevor Bund und Länder sich auf Kontaktsperren geeinigt hatten, die auch die Wirtschaft hart treffen.

Der Handel, die Dienstleister und der Bau verzeichnen neue Rekorde beim Rückgang des Ifo-Barometers. Im Handel werde es verstärkt Entlassungen geben, bei den Dienstleistern sei diese Tendenz nur leicht vorhanden, erwartet Wohlrabe. Nur auf dem Bau, der weitgehend frei von Einschränkungen arbeiten kann, gebe es keine Änderungen beim Personal.

In der Industrie ist das Barometer nur wenig gefallen. Allerdings steckt das verarbeitende Gewerbe schon länger in der Rezession, was sich auch vor Corona schon in den Beschäftigungsabsichten gezeigt hatte. Bei Industrieunternehmen waren auch schon vor Ausbruch der Epidemie Entlassungen vorgesehen. Dieser Trend werde sich jetzt fortsetzen, erwartet Wohlrabe.

Arbeitsmarkt massiv unter Druck

Ein Rekordminus verzeichnet auch das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Der Indikator, der auf einer monatlichen Befragung aller Arbeitsagenturen beruht, ist im März um 1,5 Punkte auf 100,4 Zähler gefallen. Das ist der stärkste Rückgang in einem Monat seit Bestehen des Barometers.

Dabei habe auch hier die Befragung der Arbeitsagenturen noch überwiegend vor den einschneidenden Corona-Eindämmungsmaßnahmen stattgefunden, schreiben die Nürnberger Forscher.

Schon vor der Monatsmitte hätten die Arbeitsagenturen eine deutlich steigende Arbeitslosigkeit erwartet, kommentierte IAB-Experte Enzo Weber die Daten. „Innerhalb kürzester Zeit setzte die Coronakrise den starken Arbeitsmarkt in Deutschland massiv unter Druck.“

Die Arbeitsagenturen rechnen dabei sowohl mit steigender Arbeitslosigkeit als auch mit sinkender Beschäftigungsdynamik: „Wegen der Coronakrise muss der Arbeitsmarkt massiv gestützt werden“, betont Weber. Das bedeute, die Finanzierung der Betriebe zu sichern und Entlassungen zu vermeiden, aber auch Einstellungen zu unterstützen.