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Wie ist der ideale Altersunterschied in einer Beziehung? Was eine Paartherapeutin dazu sagt – und welche Vorteile ungleich alte Partner haben

Symbolbild: Was ist der beste Altersunterschied in einer Beziehung? Wir haben mit einer Paartherapeutin gesprochen. - Copyright: Betsie Van der Meer/ Getty Images
Symbolbild: Was ist der beste Altersunterschied in einer Beziehung? Wir haben mit einer Paartherapeutin gesprochen. - Copyright: Betsie Van der Meer/ Getty Images

Das Alter ist nur eine Zahl – zumindest bis ein 49 Jahre altes Supermodel einen 16 Jahre jüngeren Gitarristen heiratet. Heidi Klum und Tom Kaulitz sorgten in der Vergangenheit aufgrund ihres großen Altersunterschiedes für Aufsehen. Als prominentes Beispiel zeigen sie stellvertretend, dass die Gesellschaft ungleichalten Partnern eher skeptisch gegenübersteht. Aber: Ist das nicht etwas überholt? Und gibt es überhaupt einen idealen Altersunterschied in Beziehungen? Um das zu beantworten, haben wir mit der Paartherapeutin Sharon Brehm gesprochen.

„Das halbe Alter plus sieben“: Was ist dran an der ominösen Regel?

Paare mit einem großen Altersunterschied sehen sich häufig Vorwürfen ausgesetzt. Begriffe wie Toyboy, Vaterkomplex, Midlifecrisis oder Sugardaddy fallen in diesem Kontext zum Beispiel. Doch welcher Altersunterschied ist eigentlich zu groß?

Vom legalen Rahmen abgesehen haben wir in den Gefilden des Internets die Regel „das halbe Alter plus sieben“ aufgeschnappt. Bei dieser Regel handelt es sich um keine wissenschaftliche Rechnung – nicht einmal die Quelle ist gesichert. Dennoch scheint sie auf den ersten Blick erstaunlich akkurat das abzubilden, was gesellschaftlich erwartet wird.

So könnte ein 22 Jahre alter Student eine 18-jährige Schülerin auf eine Cola einladen, eine 17-Jährige sollte er der ominösen Regel zufolge jedoch besser nicht daten. Und ein 66 Jahre alter Rentner könnte mit einer 40-Jährigen am Strand turteln. Die Ehe von Heidi und Tom wäre nach dieser Rechnung gerade so im Rahmen des Möglichen. Sie ist 49, er 32 Jahre alt.

Wir haben die Paartherapeutin Sharon Brehm gleich zu Beginn unseres Interviews gefragt, was sie von der „half their age plus seven-Regel“ hält und ihr damit ein Lachen entlockt. Sie berät Paare in ihrer Münchener Praxis und verhilft ihnen zu mehr emotionaler Verbindung und Intimität.

Die Beziehungsexpertin, die bereits ein Buch mit dem Titel „Smart Loving: Wie wir echte Liebe finden“ geschrieben hat und den Podcast „Hello Lovers“ hostet, empfindet die Rechnung als völlig überholt. Dabei betont sie, dass das Beispiel von Heidi und Tom zumindest progressiv ist. Sie kennt die Regel vor allem in der Hinsicht, dass sie Frauen vorschreibt, wie viel jünger sie in einer Beziehung sein dürfen.

Daher findet Brehm: „Mein Gefühl ist, dass diese Regel aus einem anderen Zeitgeist kommt. Einem, in dem die Frau dem Mann ganz klar untergeordnet war und klare patriarchale Strukturen herrschten.“

Das sind die Präferenzen von Frauen und Männern in Sachen Alter – einer Erhebung zufolge

Wie Menschen wirklich daten wollen, zeigt eine für Deutschland repräsentative Umfrage des Datingplattformanbieters Elitepartner aus dem Jahr 2020, welche unter anderem den Altersunterschied in Beziehungen thematisiert. Im Zuge dessen wurden 1251 Singles und 3840 Liierte nach ihrem tatsächlichen und ihrem gewünschten Altersunterschied in zukünftigen Beziehungen befragt.

Dabei zeigt sich in der Altersgruppe der 18 bis 35-Jährigen, dass liierte Männer im Schnitt ein halbes Jahr älter als ihre Partnerin sind. Liierte Frauen sind dagegen bis zu drei Jahre jünger als ihr Partner. Singlefrauen dieser Altersgruppe wünschen sich im Schnitt Männer, die maximal siebeneinhalb Jahre älter und nicht mehr als zwei Jahre jünger als sie selbst sind. Singlemänner wünschen sich dagegen, dass ihre zukünftige Partnerin maximal vier Jahre älter oder vier Jahre jünger ist.

In der Altersgruppe der 30 bis 39-Jährigen zeigen sich ähnliche Tendenzen. Vergebene Männer sind im Schnitt eineinhalb Jahre älter als ihre Partnerin. Vergebene Frauen sind auch hier im Schnitt zweieinhalb Jahre jünger. Singlefrauen dieser Altersgruppe wünschen sich, dass der Mann an ihrer Seite maximal acht Jahre älter oder fünf Jahre jünger ist. Singlemänner dieser Altersgruppe gaben an, dass ihre Partnerin keine fünf Jahre älter und keine acht Jahre jünger sein sollte. Interessanterweise zeigt sich mit steigendem Alter bei den Männern, dass ihr Interesse für jüngere Frauen steigt. Alle Ergebnisse der Erhebung findet ihr hier auf Seite sechs.

Was statistische Erhebungen zum Altersunterschied außer Acht lassen

Die Ergebnisse der Elitepartner-Umfrage untermauern den gesellschaftlich kritischen Blick auf Beziehungen mit zu großem Altersunterschied. In einer heterosexuellen Beziehung ist der Mann in der Regel etwas älter. Große Altersunterschiede von über zehn Jahren sind kein Common sense. Heißt das aber auch zwingend, dass ein geringer Altersunterschied glücklicher macht?

Letztlich ist die Frage nach dem perfekten Altersunterschied in Beziehungen keine, die einzig von statistischen Erhebungen abhängen sollte. Das sagt die Beziehungsexpertin Sharon Brehm. Sie erklärt: „Was ich an diesen Erhebungen schwierig finde, ist, dass wir Menschen nicht nur ein chronologisches Alter haben. Wir haben auch ein physisches Alter. Unser Körper fühlt sich vielleicht viel jünger oder älter an, als wir tatsächlich sind. Auch haben wir ein psychisches Alter, sind also vielleicht sehr jung geblieben und wollen das Leben einer 20-Jährigen führen, obwohl wir eigentlich 50 sind. Zuletzt haben wir auch ein sexuelles Alter. All diese verschiedenen Wahrnehmungen von Alter werden in diesen Statistiken nicht mitgenommen.“

Aus ihrer Praxis könne sie nicht bestätigen, dass Paare mit einem geringen Altersunterschied viel glücklicher seien als Paare mit einem besonders großen Altersunterschied. "Es gibt in diesen Beziehungen sehr wohl verschiedene Dynamiken. Es geht aber viel eher darum, wie man mit diesen Herausforderungen umgeht.“

Diese Vorteile haben Paare mit geringem Altersunterschied

Wenngleich Brehm Abstand davon nimmt, einen kleinen Altersunterschied als Glücksgaranten in der Beziehung zu bezeichnen, gesteht sie Beziehungen zwischen gleichaltrigen Partnern dennoch einige Vorteile zu. So bestätigt sie beispielsweise, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung bei einem geringen Altersunterschied durchaus freundlicher ist.

Außerdem profitieren gleichaltrige Partner, da sie oft in der gleichen Lebensphase sind. So studieren gleichaltrige Partner beispielsweise zur selben Zeit, während Paare mit einem großen Altersunterschied häufig den Spagat zwischen zwei Welten schaffen müssen.

Während einer viel reisen und frei sein möchte, möchte der andere vielleicht Karriere machen. Oder aber einer der beiden Partner befindet sich bereits im Ruhestand. Auch die Frage nach dem Kinderwunsch ist zwischen gleichaltrigen Partnern häufig einfacher zu klären.

Neben den Lebensumständen bringt Sharon Brehm auch einen ähnlichen Erfahrungs- und Wissensschatz sowie finanzielle Ressourcen als potenzielle Vorteile einer Beziehung an, in welcher Partner alterstechnisch nah beieinanderliegen. Paare, die eine große Altersdifferenz haben, müssen nach Ansicht der Therapeutin erst lernen, mit diesen Unterschieden umzugehen.

Beziehung mit großem Altersunterschied: häufig hohe Resilienz und Commitment

Tatsächlich stehen Beziehungen mit einem großen Altersunterschied also vor besonderen Herausforderungen. Allerdings haben sie Beziehungen zwischen Gleichaltrigen laut der Expertin auch etwas voraus. „Vor allem Paare, die schon länger zusammen sind und die einen großen Altersunterschied haben, haben oft eine hohe Beziehungsresilienz. Sie haben bereits viel Kritik oder blöde Kommentare von außen bekommen oder andere Herausforderungen meistern müssen, aber sie haben es gemeinsam geschafft“, sagt Brehm.

Der Begriff der Resilienz meint allgemein die Eigenschaft, Schlechtes wie Stress oder Schicksalsschläge von sich abprallen zu lassen beziehungsweise sich rasch davon zu erholen. In diesem Kontext kann Resilienz als Widerstandsfähigkeit einer Beziehung entgegen allen Widrigkeiten verstanden werden.

„Was ich außerdem oft sehe, ist ein besonders großes Commitment. Diese Beziehung ist eine bewusste Entscheidung und trotzt allen Herausforderungen. Das schweißt zusammen“, erklärt Brehm. Das und eine gesunde Streitkultur sind laut der Paartherapeutin die Schlüssel dafür, um Beziehungen mit großem Altersunterschied harmonisch zu gestalten.

Was ist nun der beste Altersunterschied in einer Beziehung?

Am Ende steht die Frage, ob es einen idealen Altersunterschied in Beziehungen überhaupt gibt und braucht. Neue Erhebungen zeigen, dass immer mehr Menschen das Alter beim Daten egaler wird. So hat unter anderem das Datingportal Okcupid in den vergangenen drei Jahren 6000 Menschen in Deutschland zu ihren Präferenzen in Sachen Alter befragt. Ganze 39 Prozent gaben hier an, dass ihnen das Alter egal ist. Dieser Trend hätte sich laut Michael Kaye, der die globale Kommunikation für den Datingportalanbieter übernimmt, während der Corona-Pandemie im Vergleich zu den Vorjahren sogar noch erhöht.

Die Paartherapeutin Sharon Brehm ist sich ohnehin sicher, dass der ideale Altersunterschied in Beziehungen keiner ist, der in Lebensjahren gemessen wird. Der beste Altersunterschied besteht ihr zufolge viel eher dann, „wenn man das Gefühl hat, sexuell, physisch und psychisch auf einer Wellenlänge zu sein.“ Die Regel „half their age plus seven“ können wir damit wohl endgültig ad acta legen.