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Wie IBM und die Telekom mit Innovationen zur Tech-Spitze aufschließen wollen

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 5 Min.
Telekom
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Es gab einmal eine Zeit, wo IBM (WKN: 851399) und die Deutsche Telekom (WKN: 555750) das IT-Geschehen in Deutschland dominierten. Sie waren es, die für die erste Digitalisierung von Banken und Industriekonzernen sorgten.

Heute spielen andere die erste Geige. Um den „Big Blue“ genannten Computerpionier ist es ziemlich still geworden und der Magenta-Konzern macht primär mit Mobilfunk Schlagzeilen. Allerdings könnte nun bei beiden ein Comeback anstehen, denn es gibt spannende Entwicklungen.

Wie IBM sich neu aufstellt

Ein Umbau, der es in sich hat

Fast alles, wofür IBM in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts berühmt war, wurde in den letzten 30 Jahren abgestoßen, von Druckern und Festplatten über die Computerchipfertigung bis hin zu PCs, Notebooks und Servern. Was blieb, war eine mächtige IT-Servicegesellschaft, ergänzt etwa um Rechenzentrumstechnologie und Analytiksoftware.

Das Ziel bestand bereits seit einigen Jahren darin, mit Themen wie Cloud-Computing, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz zu wachsen, was jedoch im Vergleich zur agileren Konkurrenz nur unzureichend funktionierte. Der Marktanteil beim Cloud-Computing liegt im niedrigen einstelligen Bereich in den USA.

Neuen Schwung versprach dann die transformative Übernahme von Red Hat im Jahr 2019. Das aufstrebende Linux-Unternehmen ließ sich IBM stolze 34 Mrd. US-Dollar kosten. Dank der üppigen Cashflows aus dem Brot-und-Butter-Geschäft kann Big Blue sich das jedoch gut leisten. Über die Integration von Red Hat übertrug sich dem Eindruck nach auch frisches Unternehmertum auf die etwas verstaubte IBM-Organisation.

Die Aufspaltung kommt

Diesem Prozess verleiht die Konzernführung nun Nachdruck, indem sie eine Aufspaltung vorantreibt. Die Cashcow „Managed Infrastructure Services“ wird komplett eigenständig sein, während das verbleibende Geschäft auf Wachstum getrimmt werden soll, mit „Laserfokus auf das 1.000 Mrd. US-Dollar große Cloudpotenzial“. Vor allem die auf Red-Hat-Technologie basierenden Hybrid-Cloud-Angebote in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz rund um IBM Watson sollen den Erfolg bringen.

Im Gegensatz zu den führenden Cloudgiganten kann IBM auf tiefes Branchen-Know-how und abgestimmte Hardware aus dem eigenen Haus bauen. Zusätzlich soll ein schlankeres Managementmodell für schnellere Entscheidungswege und mehr Innovation sorgen.

Ein weiterer Effekt der Aufspaltung wird sein, dass das nun mächtig aufkommende Thema Quantum-Computing mehr Sichtbarkeit bekommt. Im September veröffentlichte das Unternehmen eine Entwicklungs-Roadmap. Von den heute noch etwas unbeholfenen Systemen mit lediglich 65 Qubits (das sind die kleinstmöglichen Speichereinheiten, die ein Maß für die Quanteninformation definieren) will IBM bis 2023 auf über 1.000 Qubits kommen. Damit lässt sich schon etwas anfangen.

Ergänzend forscht IBM an Systemen, um Quantenchips zusammenzuschalten und effizient aus der Cloud heraus anbieten zu können. IBM spielt hier in einer exklusiven Spitzengruppe ganz vorne mit. In einigen Jahren könnte daraus ein Milliardengeschäft werden.

Wie die Telekom neue Potenziale schafft

Mehr als Mobilfunk

Die Anlegeraugen richten sich bei der Telekom vor allem darauf, wie erfolgreich sie das Thema 5G anpackt. Vor allem die Gewinnsträhne der kürzlich vergrößerten Tochter T-Mobile US (WKN: A1T7LU) beflügelt die Fantasie. Doch es gibt noch eine Reihe von weiteren Themen, die für positive Nachrichten sorgen könnten.

Die Großkundensparte T-Systems war lange Zeit ein Sorgenkind im Konzern. Das Leistungsportfolio steckte noch im 20. Jahrhundert fest und hinkte folglich dem wendigeren Wettbewerb hinterher. Eine radikale Neuausrichtung wurde dringend notwendig. Der frühere IBM-Manager Al-Saleh startete 2018 einen Prozess, der die Sparte schlanke aufstellte und auf Zukunftsthemen ausrichtete.

Zwar gibt es viele Systemhäuser und IT-Beratungen, die das ganze Spektrum aus Digitalisierung, Cloud, Cybersecurity und Internet der Dinge abdecken können. Als Wettbewerbsvorteil sehe ich jedoch, dass der Konzern dabei viel eigene oder gemeinsam mit Partnern entwickelte Technologie einbringen kann.

Mit IoT und Edge zu neuen Erfolgen

Sie hat eigene Cloud-Rechenzentren, die durch ein Netzwerk aus kleineren Edge-Rechenzentren ergänzt werden, die im Zusammenspiel mit 5G völlig neue Lösungen ermöglichen. Passend dazu baut sie 5G-Campusnetzwerke, die sich bei Industrieunternehmen großer Beliebtheit erfreuen. Für Industrie 4.0 bietet die Telekom einen Strauß aus smarten Systemen, der alle Aspekte von der Logistik über die Produktion bis zum Service abdeckt.

Die eigenständig aufgestellte Geschäftseinheit IoT Hub entwickelt in schneller Folge Anwendungsfälle, die die Projektumsetzung beschleunigen und weltweit verfügbar sind. Mit dem IoT Solution Builder stellt sie einen Baukasten bereit, der Kunden in die Lage versetzt, ihre Ideen zügig zu realisieren.

Aussichtsreich ist auch die von der Telekom angeführte Initiative nuSIM. Dabei handelt es sich um eine virtuelle SIM-Karte für mobile IoT-Lösungen, die direkt auf den Chipsatz übertragen wird. Viele wichtige Hardware-Partner sind mittlerweile Teil des Ökosystems. Gerade diese neu entstandene Fähigkeit, starke Ökosysteme und offene Plattformen zu organisieren, könnte in Zukunft das Wachstum treiben und die Telekom auf ein neues Niveau heben.

Es riecht nach Comeback bei IBM und Telekom

IBM und die Telekom pflegen seit Ewigkeiten eine sportliche Konkurrenz, sind jedoch über die Jahre etwas ins Hintertreffen geraten. Mit mutigen Restrukturierungsschritten könnten sie nun wieder in die Erfolgsspur kommen, was das Großkundengeschäft mit zukunftsorientierten Technologien angeht.

T-Systems hat SUSE Linux an seiner Seite und IBM baut auf Red Hat. Die Telekom hat in Bonn eine neu formierte IoT-Geschäftseinheit und IBM in München. Nun wollen sie mit Hybrid-Clouds und smarten Lösungen wachsen.

Trotz aller Parallelen ist jedoch klar, dass bei der Telekom weiterhin der Mobilfunk den Takt vorgibt, während die zukünftige IBM viel direkter von Erfolgen in diesen Bereichen profitieren wird.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Aktien von T-Mobile US.

Motley Fool Deutschland 2020