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iPhone 11-Launch: Apple könnte Überraschungshit landen

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Jubelstimmung in New York bei iPhone 11-Launch (Foto: © Apple)


An der Börse geht es oft genug zu wie im Leben selbst: Alles ist eine Frage der Erwartung. Weil Anleger und Apple-Fans im Vorfeld des iPhone 11-Launchs mit nur marginalen Änderungen gerechnet hatten, könnten die neuen Smartphones aus Cupertino mit Profi-Kamerasystem und deutlich verbesserter Akkuleistung positiv überraschen.

An Superlativen wurde vor knapp zwei Wochen auf der Bühne des Steve Jobs Theaters auf dem Apple Campus wieder einmal nicht gespart. Fast routinemäßig priesen Marketingchef Phil Schiller und CEO Tim Cook die neue iPhone-Generation erneut als das beste Smartphone der Welt an.

"Mit der engen Verzahnung von Hardware, Software und Services bieten die Weiterentwicklungen des iPhone 11 noch mehr Kunden ein unvergleichliches Benutzererlebnis zu einem erschwinglichen Preis. Wir glauben, dass die Menschen es lieben werden", frohlockte Schiller am vorvergangenen Dienstag.

Apple feiert “die leistungsstärksten und fortschrittlichsten Smartphones, die es je gab”

Dabei hatte sich lediglich unter der Oberfläche etwas getan. Das iPhone 11, das dem iPhone XR nachfolgt und in Deutschland seit vergangenem Freitag ab 799 Euro erhältlich ist, wurde mit einem neuen Zwei-Kamera-System (Ultraweitwinkel- und Weitwinkelkamera) und vor allem einer besseren Batterieleistung ausgestattet.

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Die Highendmodelle iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max kommen sogar mit einem Drei-Kamera-System mit einem Ultraweitwinkel-Objektiv, einem Weitwinkelobjektiv und einem Teleobjektiv daher, die “ein professionelles Kameraerlebnis für signifikant bessere Fotos bei wenig Licht” bieten sollen – und eine um fünf Stunden längere Akkudauer. "Das iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max sind die leistungsstärksten und fortschrittlichsten Smartphones, die wir je entwickelt haben”, feierte Schiller die neuen Modelle ab.

iPhone-Verkäufe im Abwärtstrend

Allein: Sehen die Käufer das auch so? Seit dem iPhone X-Launch vor zwei Jahren hüllt sich der Kultkonzern aus Cupertino zu den Stückzahlenverkäufen bekanntlich in Schweigen, was an der Wall Street zunächst extrem kritisch beäugt wurde. Der Grundverdacht war schnell formuliert: Apple hat offenbar etwas zu verbergen.

Marktforscher haben in den vergangenen Quartalen anhand von Datenanalysen Näherungswerte indes selbst geliefert – mit für Apple hochgradig enttäuschenden Verkaufszahlen. Mit lediglich 35 Millionen abgesetzten iPhones (Erhebung: IHS Markit) fiel der nach Microsoft zweitwertvollste Konzern der Welt jüngst im zweiten Quartal erstmals seit 2010 wieder auf den vierten Platz des globalen Smartphone-Rankings zurück – hinter Samsung, Huawei und nun sogar Oppo.

Staranalyst Ming-Chi Kuo sieht höhere Nachfrage

Mit optisch praktisch identischen Modellen wie im Vorjahr nun für steigende Verkäufe zu sorgen, klingt nicht besonders erfolgversprechend, doch genau das könnte nun passieren, wenn man den ersten Indikationen trauen darf, die Analysten ausgemacht haben wollen.

Bereits nach dem Start der Vorbestellungsphase wies der notorisch gut informierte Tech-Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities auf eine stärkere Nachfrage als ursprünglich erwartet hin. In einer Research Note, die dem Blog AppleInsider vorliegt, stuft Kuo seine iPhone-Absatzschätzungen bis Ende des Jahres von 65 bis 70 Millionen auf nunmehr 70 bis 75 Millionen Einheiten hoch.

iPhone 11 in China gefragt, iPhone 11 Pro / Max in den USA stärker

Der Grund: Eine größere Nachfrage vor allem in China. So rechnet der Staranalyst damit, dass gerade das preisgünstigere iPhone 11 für viele Kunden, die noch ein iPhone 6 oder 7 verwenden würden, “eine exzellente Upgrade-Möglichkeit” biete.


Auf dem amerikanischen Heimatmarkt seien dagegen die Highendmodelle iPhone 11 Pro / Max, mit denen Apple höhere Margen einfahren dürfte, stärker nachgefragt. Im Rest der Welt deutete unterdessen am Erstverkaufstag am Freitag die charakteristische Schlangenbildung vor den Apple Stores, die zahlreich in den sozialen Medien dokumentiert wurde, auf eine robuste Nachfrage hin.

Analysten optimistisch – Aktie gibt trotzdem leicht an

Entsprechend fiel auch das Analysten-Echo unmittelbar nach dem Verkaufsstart am Freitag aus. “Die Nachfrage (in Apples New Yorker Flagship Store) war stark und lag etwa 70 Prozent über dem Vorjahr”, erklärte Wedbush-Analyst Daniel Ives in einer Kurzanalyse, die dem Blog Apple 3.0 vorliegt. Der langjährige Apple-Analyst Gene Munster, der inzwischen den Wagnisfinanzierer Loup Ventures betreibt, wollte am Freitag in der New Yorker Fifth Avenue sogar um 89 Prozent längere Schlangen als im Vorjahr ausgemacht haben.

Nach einem Jahr rückläufiger iPhone-Absätze hält Morgan Stanley-Analystin Katy Huberty mit dem iPhone 11-Launch dann auch die Talsohle für durchschritten.”Wir glauben, dass sich die Nachfragesituation im September-Quartal verbessert und sehen mehr Aufwärtspotenzial als Abwärtsrisiken”, schreibt Huberty in ihrer jüngsten Einschätzung und nennt für die Apple-Aktie ein Kursziel von 248 Dollar.

Nur die Wall Street erreichten die positiven Signale am Freitag nicht – neue Sorgen in der unendlichen Saga des Handelsstreits zwischen den USA und China überschatteten den Phone 11-Launch und zogen die Apple-Aktie im Handelsverlauf um zwei Prozent auf 217 Dollar in die Tiefe.