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Dieses Hotel will Großveranstaltungen – trotz Corona

·Lesedauer: 3 Min.

Das größte deutsche Kongresshotel Estrel in Berlin hat mit Millioneninvestitionen pandemiesichere Veranstaltungen möglich gemacht – und jetzt kommt keiner, weil die Politik die falschen Prioritäten setzt, so die Chefin.

WirtschaftsWoche: Frau Jacobs, Ihr Hotel und Kongresszentrum Estrel liegt mitten im Corona-Hotspot Neukölln, trotzdem wollen sie dort Tausende Menschen für Kongresse und Veranstaltungen versammeln. Klingt nach organisiertem Superspreading. Warum tun Sie das?
Ute Jacobs: Weil wir schon bewiesen haben, dass Präsenzveranstaltungen mit größtmöglicher Sicherheit problemlos durchführbar sind. Wir haben hier in den vergangenen Wochen diverse Veranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern organisiert, darunter den Bundesparteitag der FDP, eine Tagung von Immobilienverwaltern und die Formel E. Da haben wir eine Woche 1000 Teilnehmer im Haus gehabt – und das ganz ohne Corona-Ausbruch.

Ihr Haus liegt mitten in Neukölln, dem Berliner Bezirk mit den meisten Corona-Infizierten.
Aber das hat gar nichts zu bedeuten! Wir sind ein riesiges Haus, weit weg von der restlichen Bebauung, wir haben hier fast eine Bannmeile um uns herum. Und wer bei uns übernachtet oder an einer Veranstaltung teilnimmt, kommt ja von ganz woanders.

Verstehen Sie denn nicht, warum Ihr Ansinnen angesichts der aktuellen Infektionslage fahrlässig wirken könnte?
Das ist doch genau das Problem. Die Politik hat die Menschen in den vergangenen Tagen total verrückt gemacht mit ihren Warnungen, Einführungen und Abschaffungen von Regelungen. Mit der Folge, dass die Leute sich inzwischen irrationaler verhalten als am Anfang der Pandemie. Ob es 100 oder 1000 Gäste sind – die Teilnahme an einer Veranstaltung bei uns im Hause ist viel sicherer als die Teilnahme an einem privaten Treffen, selbst in kleinen Gruppen.

Aber die Zahl der Kontakte ist bei Ihnen doch viel höher.
Das stimmt nicht. Ja, Sie werden bei einer solchen Veranstaltung mehr Menschen zu Gesicht bekommen. Aber das heißt ja nicht, dass Sie sich bei denen dann auch anstecken können.

Wie wollen Sie das denn verhindern?
Bei unseren Veranstaltungen gibt es keine einzige Tür mehr, die von Hand geöffnet werden muss. Die Gangbreiten haben wir vergrößert, Einbahnsysteme für die Laufwege geschaffen, zwischen den Sitzplätzen sind riesige Abstände. Am Eingang müssen Sie an einer Schranke vorbei, die automatisch misst, ob Sie Fieber haben. Wenn ja, kommen Sie gar nicht erst rein. Die Teilnehmer statten wir zudem auf Wunsch mit Armbändern aus, die den Abstand zu den anderen Menschen erfassen, warnen und solche Annäherungen aufzeichnen. Und bald kommen auch noch massenhaft Schnelltests, die wir verfügbar machen können.

Trotzdem würde ich mich kaum trauen, irgendjemandem zu sagen, dass ich an einer Veranstaltung mit 1000 Menschen teilnehmen will.
Das geht derzeit leider den meisten Menschen so. Aber es ist doch verrückt: Seine Verwandten und Bekannten umarmt man, drängt sich mit ihnen stundenlang in kleine Wohnzimmer – und zu uns kommt keiner mehr. Mit einem vernünftigen Umgang mit der Pandemie hat das nichts zu tun.

Werden derzeit viele Veranstaltungen abgesagt?
Leider fast alle. In der kommenden Woche haben wir noch den Landesparteitag der SPD mit rund 600 Teilnehmern, für die Zeit danach ist inzwischen alles abgesagt, teilweise schon Veranstaltungen im kommenden Mai. Das ist so bitter! Alle Fakten sprechen dagegen, dass unser Geschäft irgendwie zur Verbreitung der Pandemie beiträgt. Trotzdem sind wir die Leidtragenden.

Wen machen Sie dafür verantwortlich?
Ganz klar, die Politik. Im Frühling hieß es, wir müssen einen Weg finden, mit der Pandemie zu leben, weil sie uns noch länger begleiten wird. Genau dafür haben wir, also nicht nur das Estrel, sondern die gesamte Veranstaltungsbranche, die Vorkehrungen getroffen. Wir haben es möglich gemacht. Und dann sagt die Bundeskanzlerin einfach: Bleiben Sie am besten zu Hause!

Haben Sie Existenzsorgen?
Natürlich. Wir sind hier 550 Mitarbeiter. Viele davon sind in Kurzarbeit, dabei wäre gerade eigentlich sogar mehr zu tun als früher. Unser größter Mitbewerber, die Messe Berlin, bekommt vom Land gewaltige Millionenbeträge, um die Krise zu überstehen. Und wir? Gar nichts. Jeden Monat steckt der Inhaber hier derzeit eine gute Million aus seinem Privatvermögen rein, um das Haus zu retten.

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