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Honig-„Bandagen“ könnten nach einer Operation vor Infektionen schützen

Im Labor verhinderte Manuka-Honig bis zu drei Wochen lang bakterielle Infektionen. [Foto: Getty]

Honig-„Bandagen“ könnten laut neuer Forschungsergebnisse Infektionen nach einer Operation verhindern.

Die antibakteriellen Eigenschaften des natürlichen Süßstoffs sind seit Tausenden von Jahren bekannt.

Und da Antibiotika-Resistenzen weltweit auf dem Vormarsch sind, untersuchten Wissenschaftler von der Newcastle University, ob Honig die Ansiedlung von Bakterien stoppen kann.

Oft werden nach einer Operation chirurgische Netze in den Körper implantiert, um geschwächtes oder beschädigtes Gewebe zu unterstützen.

Diese sind zwar effektiv, erhöhen aber auch das Risiko für Infektionen. Das Problem: Bakterien bilden einen „Film“ auf der Oberfläche des Netzes.

„Wenn die Bakterien einen Biofilm auf der Oberfläche gebildet haben, ist es sehr schwer, die Infektion zu behandeln“, erklärte der Hauptautor der Studie, Dr. Piergiorgio Gentile.

Um dem entgegenzuwirken wechselten die Wissenschaftler acht „Nano-Schichten“ aus medizinischem Manuka-Honig und Polymeren ab.

Manuka-Honig hat eine negative Ladung, während die Polymere positiv sind. Durch die Kombination entstand eine „elektrostatische Nanobeschichtung“ auf dem Netz, die das Wachstum von Bakterien hemmte.

„Indem man den Honig in einer mehrschichtigen Beschichtung auf der Netzoberfläche einbettet und langsam freisetzt, kann man das Wachstum der Bakterien hemmen und die Infektion stoppen, bevor sie überhaupt ausbricht“, sagte Dr. Gentile.

Es war entscheidend, die richtigen Dimensionen für die Schichten zu finden. Letztendlich war jede lediglich 10 bis 20 Nanometer (zwischen 0.00001 und 0.00002mm) dick.

„Zu wenig Honig und es wäre nicht genug, um die Infektion abzuwehren, aber zu viel Honig kann die Zellen abtöten“, so Dr. Gentile.

Die Wissenschaftler testeten das Netz im Labor auf mehreren Proben mit weichem Gewebe, die typischen bakteriellen Infektionen wie MRSA und E.coli ausgesetzt wurden.

Weichgewebe-Infektionen sind weit verbreitet – wobei bakterielle Infektionen für etwa 10 % der Krankenhauseinweisungen verantwortlich sind.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Frontiers veröffentlicht und legen nahe, dass diese Art von Netz Krankheitserreger bis zu drei Wochen lang abwehren kann.

„Die Ergebnisse sind sehr erfreulich”, sagte Dr. Gentile. „Indem wir dieses ‚aufgeladene Sandwich‘ mit 16 Schichten entwickelten, waren wir in der Lage sicherzustellen, dass der Honig über zwei bis drei Wochen kontrolliert abgegeben wurde. Dies sollte der Wunde ausreichend Zeit geben, um ohne Infektion zu heilen.“

„Honig wird seit Tausenden von Jahren eingesetzt, um infizierte Wunden zu behandeln, aber es ist das erste Mal, dass er sich als wirksam bei der Bekämpfung von Infektionen von Zellen im Inneren des Körpers erweist.“

Bis zu einem gewissen Grad sind alle Honigsorten antibakteriell, da sie Stoffe enthalten, die Wasserstoffperoxid freisetzen. Dieses zerstört die Zellwände der Bakterien und wurde, wie Live Science berichtete, seit den 1920ern als Antiseptikum verwendet.

Eine Studie von 1991 entfernte das Wasserstoffperoxid aus unterschiedlichen Honigsorten und nur der Manuka-Honig tötete auch danach noch Bakterien ab. Dieser wird in Neuseeland aus dem Nektar von Bienen hergestellt, die auf wilden Manukabäumen nach Futter suchen.

Die „besonderen“ Eigenschaften des Manuka-Honigs wurden auf einen einzigartigen antibakteriellen Wirkstoff namens Methylglyoxal zurückgeführt.

Die Wissenschaftler in Newcastle hoffen, dass ihre Studie zur Entwicklung eines Netzes führt, das eines Tages Infektionen abwehren kann. Dies sollte angesichts der anhaltenden Gefahr einer Antibiotikaresistenz besonders zeitnah geschehen.

Dies geschieht, wenn Bakterien nicht mehr auf die einst lebensrettenden Medikamente reagieren.

Die Weltgesundheitsorganisation nennt sie “eine der größten Gefahren für die globale Gesundheit” und niemand ist immun gegen dagegen.

Die Ursache für die Gefahr ist der Missbrauch von Antibiotika. Ärzte haben sie beispielsweise lange viel zu häufig eingesetzt.

Anders als viele andere Medikamente werden Antibiotika weniger effektiv, je häufiger sie eingesetzt werden.

Bei Bakterien gibt es extrem schnell zufällige Mutationen. Wenn sie Antibiotika ausgesetzt sind, werden Mutationen „ausgewählt“, die den Erreger schützen, darunter auch die „Guten“ in unserem Darm, die vor der Zerstörung geschützt werden.

Bakterien können diesen genetischen Vorteil dann an die nächsten Generationen oder „horizontal“ an andere Erreger weitergeben. 

Alexandra Thompson