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Honeypot-CEO will Mitgliedsbeiträge für Europas größte Tech-Jobplattform einführen

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Philipp Goos übernimmt die Leitung von Honeypot. Unter ihm forciert das Start-up eine neue Strategie – und will fortan auf Klasse statt Masse setzen.

Philipp Goos kennt sich damit aus, Start-ups zu übernehmen. Schon beim Arztbewertungsportal Jameda und der Hotelbewertungswebseite Zoover trat er in die Fußstapfen der Gründer. Nun steigt er bei Honeypot, Europas größter Jobplattform für Tech-Fachkräfte, zum CEO auf. Er beerbt Gründerin Emma Tracey, die das Start-up 2015 mitgegründet hat. Doch die Herausforderungen, die ihn in seiner neuen Position bei Honeypot erwarten, sind größer als bei seinen vergangenen Geschäftsübernahmen.

Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der Mutterkonzern New Work SE 30 Prozent der 100 Honeypot-Mitarbeiter entlassen will. Mittlerweile erhole sich die Auftragslage zwar. Doch die Schäden, die die Coronakrise zum Jahresbeginn anrichtete, waren gewaltig: Die Pandemie hemmte Neueinstellungen in Unternehmen und ließ die Umsätze bei der Jobplattform einbrechen.

Unter Goos‘ Führung forciert Honeypot nun eine neue Strategie, um das Geschäftsmodell krisenfest zu machen. Künftig sollen Unternehmen, die ihre Stellen über Honeypot besetzen, Mitgliedsbeiträge zwischen 18.000 und 30.000 Euro bezahlen – je nachdem, wie hoch ihr Einstellungsbedarf ist.

Bislang veranschlagte das Unternehmen eine Kommissionsgebühr von 15 Prozent je über Honeypot besetzter Stelle. Bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von Softwareentwicklern von etwa 60.000 Euro wären das rund 9000 Euro. Wie anfällig das bisherige Modell in Zeiten zaghafter Einstellungsprozesse ist, musste das Unternehmen im Frühjahr feststellen.

Mit dem Modell der Mitgliedsbeiträge kann sich Honeypot auf einen konstanten Mittelfluss verlassen. Für die Kunden bedeutet das laut Honeypot-CEO Goos vor allem besseren Service: „Wir wollen eine langfristige Beziehung mit den Unternehmen eingehen und ihnen helfen, ihr Tech-Recruiting aufzubauen.“ Gleichzeitig würde das Angebot von Honeypot für Unternehmen, die mehrere Stellen im Jahr über das Portal besetzen, günstiger werden.

„Klasse statt Masse“

Das neue System mit Mitgliedschaftsbeträgen wird aktuell mit 25 Unternehmen getestet, im kommenden Jahr soll es zum Standardmodell werden. Goos, der seit Juli als CRO den Vertrieb leitet, ist klar: Nicht alle der aktuell rund 2000 Kunden werden vom neuen Modell zu begeistern sein. Fürs kommende Jahr prognostiziert er einen Kundenstamm im dreistelligen Bereich. „Wir peilen nun einen „Klasse statt Masse“-Ansatz an und wollen mit weniger Kunden intensiver arbeiten“, begründet er. Dennoch bleibt er optimistisch, dass der durch Corona ausgelöste Digitalisierungsschub sein Geschäft langfristig ankurbele.

Honeypot war im Frühjahr 2019 vom Karrierenetzwerk Xing für 22 Millionen Euro aufgekauft worden. Für das Portal war das die bislang größte Akquisition.

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