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Hohe Personalfluktuation bei N26: „Es ist ein Mysterium, dass es irgendwie läuft“

·Lesedauer: 4 Min.
Investoren stecken Hunderte Millionen Euro in die Smartphone-Bank, hinter den Kulissen soll es jedoch schroffer zugehen.
Investoren stecken Hunderte Millionen Euro in die Smartphone-Bank, hinter den Kulissen soll es jedoch schroffer zugehen.

Die Negativ-Schlagzeilen um die Direktbank N26 häufen sich. Erst eine Strafe in Millionenhöhe wegen mangelnder Geldwäscheprävention, dann der Brandbrief bayerischer Genossenschaftsbanken an die BaFin. Nun hagelt es weitere Kritik: Die Firmenkultur sei inakzeptabel. Es sei „ein Mysterium, dass es überhaupt irgendwie läuft“, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber dem IT-Portal Heise.

Die Arbeitsbedingungen bei der 2013 gegründeten Bank sind laut anonymen Ex-Angestellten untragbar gewesen. Lange Zeit soll die Onlinebank nur Kurzzeitverträge vergeben haben, um Angestellte schnell wieder entlassen zu können. Die Arbeitsbelastung soll enorm gewesen sein, Kranke, die zuhause blieben, würden unmittelbar entlassen werden und Aufstiegschancen habe es nur über persönliche Beziehungen zur Chef-Ebene gegeben.

Hohe Personalfluktuation, Vetternwirtschaft und Überlastung seien Alltag gewesen

Laut eines Ex-Mitarbeiters hat Vetternwirtschaft an der Tagesordnung gestanden. Selbst interne Bewerbungen auf höhere Stellen wurden selten an die bereits angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergeben. Stattdessen hätten die Teamleiter alles rund um sich mit eigenen Freundinnen und Freunden besetzt. Währenddessen wurden gerade im Bereich des Kundendienstes die Angestellten nur mit Kurzzeitverträgen gehalten. Nach spätestens zwei Befristungen, in der Regel nach zwei Jahren, wurden „immer wieder Hunderte Leute gefeuert“. Denn: Nach dieser Zeit ist es nicht mehr möglich, weitere Kurzzeitverträge anzubieten. Geändert habe sich das erst mit der Einsetzung eines Betriebsrats im Sommer 2020.

Während der Corona-Pandemie hätten Angestellte immer wieder über die Arbeitsbedingungen geklagt. Obwohl im Hotline-Service die Möglichkeit bestanden hätte, aus dem Homeoffice zu arbeiten, galt die Anweisung, weiterhin ins Büro zu kommen. Abstandsregeln wurden den ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zufolge nicht eingehalten, eine Maskenpflicht wurde erst nach Monaten eingeführt. Zu der Zeit sollen aufgrund eines Nutzungsrückgangs der App auch unzählige Angestellte entlassen worden sein. Einer der Ex-Mitarbeiter, der mit Heise sprach, erzählte, er habe allein 30 bis 40 Kundenbetreuerinnen und -betreuer gekannt, die gekündigt worden seien. „Dies führte dazu, dass das gesamte Team unterbesetzt, gestresster und demotivierter war.“

Die hohe Personalfluktuation zeigte sich jedoch nicht nur im Bereich des Kundenservice. Auch auf der Führungsebene war der Wechsel schnell und häufig. So verließ der von Google abgeworbene Chef Benedikt Dormann die Direktbank ähnlich schnell wie die zuvor von Adidas gekommene Personalchefin Diana Styles. Die Gründe für die hohe Personalfluktuation dafür sind nicht bekannt. Einer der ehemaligen Angestellten geht jedoch davon aus, dass die beiden Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal die Direktbank für den „Exit“ polieren wollten. Offenbar suchen sie nach einem Käufer wie Apple oder Google und das gelingt besser, wenn die Bank weniger Festangestellte hat.

Zur Fluktuation hinzu kam, dass die Arbeitsbelastung kaum haltbar gewesen sei. So seien Überstunden die Regel gewesen. Ob wochentags bis 23 Uhr gearbeitet wurde oder die Wochenenden durch: freie Tage seien ein reiner Glücksfall gewesen, erzählt einer der Mitarbeiter. Auch die Anforderungen während der Arbeitszeit seien enorm gewesen. So hätten parallele Beratungsgespräche mit mehreren Kundinnen und Kunden an der Tagesordnung gestanden. Da sei es auch wenig verwunderlich, wenn sich Fehler einschlichen, so einer der ehemaligen Angestellten.

Hoffnung auf Besserung durch den Betriebsrat

Aufgrund der steigenden Unzufriedenheit im Unternehmen schlossen sich die Angestellten für den Beginn einer Mitarbeitervertretung zusammen. Dies stieß in den Führungsreihen jedoch zunächst auf Widerstand. Stalf und Tayenthal sollen in den Tagen nach der Gründung sehr aufdringlich gewesen sein. Sie sollen versucht haben, die Angestellten davon zu überzeugen, stattdessen ein von den Arbeitnehmern „internes Organ“, das in der Grundidee einem Betriebsrat nahekommt, einzuführen. Die Konsequenz eines solchen Gremiums hätte jedoch zur Folge gehabt, dass die Angestellten „auf die rechtliche Befugnis, die ein echter Betriebsrat hat, verzichten.“

Die Mitarbeiterversammlung beschloss jedoch, den ursprünglichen Weg weiter zu gehen und einen Betriebsrat zu gründen — mit Erfolg. Unterredungen mit der Führungsebene hätten in den kommenden Monaten dazu geführt, dass die Verträge von Angestellten auch auf unteren Ebenen zunehmend verlängert beziehungsweise entfristet wurden. Ebenfalls soll eine angemessenerer Beförderungsprozess eingeführt worden sein, der die Beschwerden über Vetternwirtschaft verhallen ließ. Damit konnten sich in einigen Bereichen deutliche Verbesserungen bemerkbar machen, auch wenn die Zusammenarbeit zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Arbeitgeber teilweise „noch immer holperig“ ist.

„Eine positive Arbeitsatmosphäre“

Eine Sprecherin der Direktbank betonte derweilen gegenüber Heise: „Das Management-Team von N26 unterstützt die Mitarbeiterbeteiligung in allen Formen.“ Die Führungsebene sei sich ihrer großen Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewusst und konzentriere sich darauf, eine „positive Arbeitsatmosphäre“ zu schaffen, „die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert“, so die Sprecherin. Das schließe „selbstverständlich die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten mit ein“.

Zudem gestand die Sprecherin ein, dass sich das Unternehmen im Pandemie-Jahr 2020 zunehmend auf „flexible Beschäftigungsmodelle fokussiert habe“. Bis Ende 2021 werden sich die festen Angestelltenverhältnisse jedoch wieder deutlich erhöhen, „indem wir Zeitverträge in unbefristete Arbeitsverträge umwandeln“, prognostiziert die Sprecherin.

Trotz der immer wieder aufkommenden Negativ-Schlagzeilen konstatiert sich die Bank als eine „starke Arbeitgebermarke in der deutschen Tech- und Startup-Branche“. Die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Bewerberinnen und Bewerber liege dem Unternehmen sehr am Herzen. Das enorme Wachstum der ersten Jahre vor einigen Jahren hätte jedoch dazu geführt, „dass wir unsere hohen Standards in diesem Bereich möglicherweise nicht vollständig erfüllt haben“, räumt die Sprecherin ein.

jk

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