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Hohe Dunkelziffer bei Ethylenoxid in Lebensmitteln

·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Seit Monaten gibt es in Deutschland immer wieder Produktrückrufe für Lebensmittel, in denen Rückstände von Ethylenoxid gefunden wurden. Doch hierzulande wird nur unzureichend gewarnt, denn die Dunkelziffer der Lebensmittel, die den krebserregenden Stoff enthalten, ist hoch, wie Recherchen von foodwatch ergaben.

Die Dunkelziffer an mit Rückständen von Ethylenoxid belasteten Lebensmitteln ist laut foodwatch hoch. (Symbolbild: Getty Images)
Die Dunkelziffer an mit Rückständen von Ethylenoxid belasteten Lebensmitteln ist laut foodwatch hoch. (Symbolbild: Getty Images)

Speiseeis, Desserts, Kochzutaten, Salate, Müslis und vieles mehr wurde in den vergangenen Monaten in Deutschland zurückgerufen, weil die Produkte Rückstände des Pflanzenschutz- und Begasungsmittels Ethylenoxid enthielten.

In der Europäischen Union (EU) darf Ethylenoxid seit 1991 nicht mehr in Pflanzenschutzmitteln enthalten sein. In Deutschland ist es seit 1981 verboten. Grund: Ethylenoxid wird als erbgutverändernd und krebserregend eingestuft.

Außerhalb der EU wird das Mittel jedoch noch eingesetzt und gelangt über importierte Lebensmittelzutaten wie Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl und Sesam in Produkte, die hierzulande verkauft werden.

Derzeit mehrfach Rote Grütze betroffen

Aktuell wird etwa vor dem Verzehr verschiedener Sorten Roter Grütze gewarnt. Betroffen sind: GUT&GÜNSTIG Rote Grütze und GUT&GÜNSTIG Kirsch Grütze mit allen Mindesthaltbarkeitsdaten bis 26.11.2021 von Edeka.

Beste Ernte Rote Grütze mit allen Mindesthaltbarkeitsdaten bis 05.11.2021 und Beste Ernte Kirsch Grütze mit allen Mindesthaltbarkeitsdaten bis 19.11.2021 von Netto.

Kühne Rote Grütze 375 g Glas mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15.05.2022 und der Endcodierung ME26.

Verbraucher werden unzureichend gewarnt

Doch die Lebensmittelwarnungen in Deutschland sind unzureichend, kritisiert foodwatch. Recherchen der Verbraucherschützer ergaben, dass die Dunkelziffer an mit Ethylenoxid belasteten Lebensmitteln hierzulande sehr hoch ist. In Deutschland werde etwa nur selten vor Speiseeis gewarnt.

Obwohl europaweit insbesondere Eis-Produkte mit dem krebserregenden Stoff kontaminiert wurden, erfolgte in Deutschland nur in sechs Fällen ein öffentlicher Rückruf.

1000 Rückrufe für Speiseeis in Frankreich

Das sei deutlich weniger, als in anderen Ländern der EU. Zum Vergleich führt foodwatch Frankreich an, wo seit Anfang Juni fast 1000 Eisprodukte aus dem Handel genommen wurden, in Luxemburg mehr als 250, in Slowenien etwa 100. In Polen und Italien wurden immerhin 32 beziehungsweise 15 Eis-Produkte aus dem Regal geräumt.

"Ein krebserregender Stoff wie Ethylenoxid hat in unserem Essen nichts zu suchen. Während in Ländern wie Frankreich, Slowenien und Luxemburg hunderte Eis-Produkte wegen Ethylenoxid öffentlich zurückgerufen werden, tappen Verbraucher*innen in Deutschland weitgehend im Dunkeln – und das, obwohl sich die Bundesregierung gemeinsam mit den anderen EU-Ländern auf einen konsequenten Rückruf aller belasteten Produkte geeinigt hatte. Der Fall zeigt: Europäische Vorgaben zum Gesundheitsschutz werden in Deutschland nur unzureichend umgesetzt!", erklärte foodwatch-Kampagnendirektor Oliver Huizinga.

Kleinste Mengen können Gesundheitsrisiko darstellen

Bereits Anfang Juni wurde bekannt, dass nicht nur Sesam oft mit Rückständen von Ethylenoxid belastet ist, sondern auch Johannisbrotkernmehl (E 410) und Guarkernmehl (E 412). Beide werden in vielen Lebensmitteln als Verdickungsmittel oder Stabilisator eingesetzt.

"Gemäß der Einigung der EU-Mitgliedsstaaten vom Juli müssen alle Lebensmittel zurückgerufen werden, die kontaminiertes E410 enthalten – auch wenn im verarbeiteten Endprodukt die Nachweisgrenze nicht überschritten wird. Denn es könne 'keine sichere Aufnahmemenge' festgelegt werden. Auch kleinste Mengen des krebserregenden Stoffs könnten für Verbraucher*innen ein Gesundheitsrisiko darstellen", erklärte foodwatch.

foodwatch fordert konsequente Durchsetzung von Rückrufen

foodwatch setzt sich nun dafür ein, dass die europäischen Schutzvorschriften auch in Deutschland eingehalten werden. Die Verbraucherorganisation fordert von den Verbraucherministerien der Bundesländer konsequentes Handeln in Bezug auf mit Ethylenoxid belastete Lebensmittel.

Dafür hat foodwatch einen Protestaufruf gestartet, dem sich bereits mehr als 55.000 Verbraucher angeschlossen haben. Wer die Aktion Ethylenoxid: Raus aus den Regalen! ebenfalls unterstützen möchte, findet die Petition hier.

Im Video: Schon wieder! Beliebte Eiscremes mit Ethylenoxid belastet

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