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Hohe Dividende, AT&T? Die US-Aktie im Blick

Caio Reimertshofer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Unter Einkommensinvestoren und Dividendenliebhabern ist die Aktie von AT&T (WKN: A0HL9Z) sicherlich ein Begriff. Der US-Konzern ist einer der drei Riesen in der amerikanischen Telekommunikationsbranche. Jahr für Jahr bilanziert AT&T Umsätze und Cashflows in Milliardenhöhe. Diese enormen Geldflüsse sind bisher zumeist auch der Garant für eine attraktive Dividendenpolitik gewesen.

Seit der Corona-Baisse im März hat sich die Aktie von AT&T – bezogen auf die Entwicklung des Aktienkurses – als Rohrkrepierer entpuppt. In den meisten Analysen liest man davon, dass der Telekommunikationsgigant schlichtweg zu viele Schulden in der Bilanz stehen hat. In Kombination mit einem unsicheren Marktumfeld kann sich das durchaus problematisch auswirken.

Kürzlich hat AT&T seine jüngsten Quartalszahlen präsentiert. Als langfristig orientierte Anleger interessiert uns, ob der Konzern auf lange Sicht erfolgreich sein kann. Unter Umständen könnte der kurzfristige Einbruch der AT&T-Aktie im Zuge der Coronakrise möglicherweise sogar eine Kaufchance bieten. Lass uns daher nicht lange fackeln und einen Blick auf die News hinsichtlich AT&T riskieren.

AT&T-Aktie: Quartalszahlen im Überblick

Auf Konzernebene weist AT&T Umsätze in Höhe von etwa 42 Mrd. US-Dollar für das dritte Quartal 2020 aus. Der freie Cashflow ist mit 8,3 Mrd. US-Dollar deutlich positiv. Die Ausschüttungsquote der Dividende von AT&T (die übrigens trotz Krise weiterbezahlt wird; Stand: 26. Oktober) bezieht das Unternehmen auf den freien Cashflow. Laut Unternehmensangaben liegt die Gesamtausschüttungsquote auf das Geschäftsjahr gesehen bei 45 %. Das ist meines Erachtens ein vertretbarer Wert.

Der bereinigte Gewinn je Aktie beträgt für das dritte Quartal 0,76 US-Dollar und ist demnach geringer ausgefallen als im Vorjahr mit 0,94 US-Dollar je Anteil. Darin beinhaltet ist jedoch der Negativeffekt aus den Auswirkungen von COVID-19 in Höhe von 0,21 US-Dollar je Anteil. Generell sind die Umsätze und das operative Ergebnis von den Krisenumständen geplagt. Das sieht man vor allem, wenn man alle Kennzahlen mit den Vorjahreswerten vergleicht.

Um allerdings einen gesamtheitlicheren Überblick zu der AT&T-Aktie zu erhalten, sollte man als smarter Investor vor allem auch auf die Geschäftszweige blicken. Daran lässt sich ablesen, wie sich der Konzern verändert und ob die Anzeichen eher positiv oder negativ zu deuten sind.

Der Koloss bewegt sich (etwas)

Unter den Bereich Telekommunikation fallen die Geschäftsbereiche Mobilität und Unterhaltung. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Bereich Mobilität etwas zugelegt hat. AT&T kann mehr als 5 Mio. drahtlose Netzzugänge im Inland vorweisen, ebenso wie mehr als 1 Mio. Postpaid-Netto-Neuzugänge. Die Abwanderungsrate von Postpaid-Telefonen verringerte sich, wodurch sich insgesamt ein solides Bild zeichnet. Darüber hinaus rühmt man sich, das schnellste landesweite 5G-Netz zu haben, was für die Zukunft ein Vorteil sein dürfte.

Was den Unterhaltungsbereich angeht, so hat man im jüngsten Quartal rekordverdächtige 357.000 Nettozugänge bei AT&T Glasfaser. Darüber hinaus gibt es 158.000 neue Breitband-Nettozugänge zu verbuchen.

Als Drittes ist da noch der Fernseh- bzw. Streamingbereich von AT&T. Hier hat AT&T etwas mit einer Art Selbstkannibalisierung zu kämpfen, da man im Endeffekt mit sich selbst konkurriert. Möglicherweise auch ein Punkt, der den Investoren in der jüngeren Vergangenheit missfallen hat.

Wie dem auch sein, die Gesamtzahl der HBO- und HBO-Max-Abonnenten vergrößerte sich in den USA auf 38 Mio., womit AT&T über den zuvor prognostizierten 36 Mio. bis Jahresende liegt. Hier machen sich offenbar katalysierende Effekte bemerkbar, die auch andere Streaminganbieter in Zeiten von Corona genießen.

AT&T-Aktie: Hohe Dividende als Grund zum Kaufen?

Von einem so großen Konzern wie AT&T kann man keine großen Wachstumsschübe erwarten. Es ist zwar schade, dass der Kurs der AT&T-Aktie sich in letzter Zeit unerfreulich entwickelt hat. Das ist meines Erachtens aber eine logische Reaktion auf die Schulden in der Bilanz und die zurückgehenden Umsätze.

Die Dividende von AT&T lässt sich mit einer gegenwärtigen Rendite von über 7 % allerdings sehen und scheint bisher weiterhin bezahlt zu werden. Die kommenden Quartale werden zeigen, wie sich AT&T in seinen Kernbereichen und dem Streaming entwickeln wird.

Einen kleinen Lichtblick gibt es jedenfalls bereits: Laut Management soll der freie Cashflow bei 26 Mrd. US-Dollar oder mehr für das Gesamtjahr liegen, während man weiterhin am Abbau der Schulden arbeitet. Einkommensinvestoren mit erhöhter Risikoaffinität könnten daher durchaus einen Blick auf die AT&T-Aktie werfen.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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