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Hoffen auf den Tesla-Coup: Indonesien treibt eigene Batterieproduktion voran

Peer, Mathias
·Lesedauer: 4 Min.

Als weltgrößter Nickellieferant ist Indonesien für Elektroautohersteller enorm wichtig. Nun setzt das Land auf eigene Batteriefabriken – und die Hilfe von Tesla.

Wenn es darum geht, Elon Musk als Investor zu gewinnen, greift Indonesiens Präsident Joko Widodo persönlich zum Hörer. In einem Telefongespräch mit dem US-Unternehmer vor wenigen Wochen bot der Regierungschef von Südostasiens größter Volkswirtschaft sein Land nicht nur als Startplatz für die SpaceX-Raketen des Milliardärs an. Widodo versuchte, den Tesla-Chef auch davon zu überzeugen, seine Elektroauto-Batterien künftig in dem Schwellenland mit 270 Millionen Einwohnern zu fertigen.

Das Standortmarketing von höchster Stelle scheint ein Zwischenziel erreicht zu haben: Nach Angaben der indonesischen Regierung hat Tesla nun offiziell seine Bereitschaft für einen Markteinstieg bekundet. Der weltgrößte Elektroautohersteller habe vergangenen Donnerstag einen Investitionsplan eingereicht, der in dieser Woche mit dem Unternehmen besprochen werden soll, teilte ein ranghoher Regierungsvertreter mit.

Die freundlichen Worte des Präsidenten sind für Teslas Interesse an dem Land aber wohl nur von nachrangiger Bedeutung. Primär geht es dem Konzern aus Kalifornien um einen Rohstoff, auf den das Unternehmen zunehmend angewiesen ist: Nickel.

Das Schwermetall ist schon jetzt ein wichtiger Bestandteil der Batterien von Elektroautos – und gewinnt weiter an Bedeutung: Unternehmen wie Tesla versprechen sich von Akkus mit erhöhtem Nickelanteil eine höhere Energiedichte und geringere Kosten.

Aus Sorge über Knappheiten rief Musk Bergbaukonzerne bereits vor einem halben Jahr dazu auf, mehr Nickel abzubauen. Der Weltmarktpreis für das Metall ist in einem Jahr um rund 40 Prozent gestiegen.

Indonesien wittert angesichts der steigenden Nachfrage eine Chance, seiner eigenen Industrie zum Durchbruch zu verhelfen. Das Land steht für rund ein Viertel der globalen Nickelreserven und ist mit einer Förderung von rund 800.000 Tonnen im Jahr klarer Weltmarktführer. Die Regierung des Landes will aber nicht mehr länger nur als Rohstofflieferant auftreten, sondern das gefragte Metall im eigenen Land verarbeiten. Widodos Regierung möchte Indonesien dabei als neues Zentrum für die Batterieproduktion etablieren.

LG und CATL bauen Werke auf

Um die Wertschöpfungskette ins Land zu ziehen, verhängte Indonesien bereits vor einem Jahr ein Exportverbot für Nickelerz. Der Rohstoff darf seitdem nur noch ausgeführt werden, nachdem er in inländischen Schmelzanlagen verarbeitet worden ist.

Das Werben um Batteriefabriken ist nun der nächste Schritt, der bereits erste Erfolge zeigt: Ende vergangenen Jahres kündigte die Regierung in Jakarta an, dass der chinesische Konzern CATL – der weltgrößte Hersteller von Elektroautobatterien – fünf Milliarden Dollar in eine Fabrik in Indonesien investieren wolle. Die ersten Lithium-Ionen-Batterien sollten dort 2024 hergestellt werden, hieß es.

CATL schloss demnach eine Vereinbarung mit dem indonesischen Bergbaukonzern Aneka Tambang. Diese sieht vor, dass das Unternehmen 60 Prozent der Nickellieferungen in dem Land bei der Batterieherstellung innerhalb Indonesiens verwenden muss. „Wir wollen auf keinen Fall, dass sie unser Nickel bekommen und es dann im Ausland verarbeiten“, sagte der stellvertretende Investitionsminister Septian Hario Seto.

Im Dezember unterzeichneten die indonesischen Behörden auch eine Absichtserklärung mit der südkoreanischen LG-Gruppe, die Investitionen in die Batterieproduktion mit einem Volumen von 9,8 Milliarden Dollar vorsehen. Auch diese Vereinbarungen enthalten Mindestvorgaben für die Weiterverarbeitung von Nickel innerhalb Indonesiens, um die örtliche Industrie zu stärken.

Entsprechende Bedingungen will Indonesien auch Tesla auferlegen: „Wenn Tesla nur das Rohmaterial haben möchte, dann sind wir nicht interessiert“, teilte Septian mit.

Tesla-Chef Musk hatte Nickellieferanten zuletzt einen „gigantischen Vertrag für eine sehr lange Zeit“ in Aussicht gestellt, sollten diese den Rohstoff „effizient und umweltfreundlich“ zur Verfügung stellen können. Zu den großen Nickelexporteuren gehören neben Indonesien auch die Philippinen und Russland sowie Kanada und Australien.

Indonesien hat aus Sicht von Beobachtern einen Standortvorteil, weil es neben Nickel auch über große Kobalt- und Manganvorkommen verfügt, die in den Elektroautobatterien ebenfalls benötigt werden.

Tesla stellt „gigantischen Vertrag“ in Aussicht

Die Rohstoffe allein dürften für Indonesien aber kaum ausreichen, um den Batteriemarkt aufzumischen – dieser wird aktuell vor allem von Herstellern aus China, Japan und Südkorea dominiert.

„Um seine Ambitionen mit Blick auf Elektroautoakkus zu erfüllen, ist Indonesien auf ausländische Investitionen angewiesen“, kommentiert Hendra Lie, der bei dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen PwC in Indonesien für die Automobilindustrie zuständig ist. „Dem Land fehlt es noch an der nötigen hochentwickelten Technologie.“ Indonesien müsse daher auf Wissenstransfer durch ausländische Partner setzen.

Um zum Batterieproduzenten von Weltrang aufzusteigen, bringt Indonesien aber auch seine heimische Industrie in Position: Vor wenigen Monaten gründete das Land die „Indonesia Battery Holding“ – eine Allianz von drei der größten Staatsunternehmen. Sie soll die Rohstoffgewinnung, Batteriezellenproduktion und den Aufbau einer Ladeinfrastruktur unter einem Dach bündeln.

Zwar dürften in Indonesien hergestellte Akkus vorerst vor allem für den Export bestimmt sein – denn Elektromobilität ist in dem Land noch ein Nischengeschäft. Doch Präsident Widodo glaubt, auch das ändern zu können: Er plant derzeit den Bau einer neuen Hauptstadt auf der Insel Borneo – in dieser, wünscht er sich, sollen künftig ausschließlich Elektroautos unterwegs sein.