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Hoffen auf den Herbst: Wie Freizeitparks mit der Coronakrise umgehen

Der wichtige Ostergeschäft fällt für die Freizeitparks weltweit aus. Die Betreiber können nun nur noch auf gutes Wetter im Herbst hoffen.

Ursprünglich sollten die Tore des Freizeitparks Ende März wieder öffnen. Daraus wird nun nichts. Foto: dpa

Im November erst hat Roland Mack „Rulantica“ eröffnet. Rund 200 Millionen Euro hat der Chef und Gesellschafter des Europaparks im badischen Rust in das Spaßbad mit angeschlossenem Luxushotel gesteckt. Seit Anfang der Woche steht die Wellenmaschine still und auch die Wasserrutschen bleiben trocken. Wegen des Corona-Virus ist „Rulantica“ bis mindestens Mitte April geschlossen.

Die Tore im benachbarten Europapark wird Mack gar nicht erst öffnen. Ursprünglich sollten die Achterbahnen in Deutschlands besucherstärkstem Freizeitpark von Ende März an wieder rollen. Doch daraus wird nun nichts. Die Epidemie bremst das Familienunternehmen aus.

So wie in Rust, so stehen derzeit die Attraktionen in fast allen großen Freizeitparks weltweit still. In einigen, normalerweise ganzjährig geöffneten Parks tut sich schon seit Wochen nichts mehr. So etwa im Disneyland in Hongkong, das wegen der Epidemie bereits Ende Januar schließen musste.

Der Park steht besonders unter Druck, weil auch in den Monaten zuvor wegen der Proteste in der Metropole kaum noch Touristen kamen. Die Einrichtung schreibt tief rote Zahlen. „Es ist eine ungewisse Zeit für alle“, sagte die Chefin des Resorts Stephanie Young, Anfang der Woche. Das werde Spuren in der Bilanz hinterlassen.

Der amerikanische Unterhaltungskonzern Disney hat seine Parks weltweit geschlossen, auch in Schanghai, Florida, in Kalifornien und Paris. Es ist erst das dritte Mal, dass Disneyland in der kalifornischen Heimat des Konzerns wegen außergewöhnlicher Ereignisse nicht öffnet. Seit dem Start vor 65 Jahren war das lediglich nach der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963 der Fall sowie nach den Terroranschlägen vom September 2001. Inzwischen sind alle großen Freizeitparks in Amerika dicht.

Branche stellt mehr als 50.000 Arbeitsplätze in Europa

Die Parks hierzulande müssen in jedem Fall auf die wichtigen Osterferien verzichten. Das ganz auf Kinder fokussierte Ravensburger Spieleland kündigte am Dienstag an, voraussichtlich sogar erst am 1. Mai zu öffnen. Damit wäre der gesamte April für die Tochter des Spieleverlags Ravensburger verloren.

Allerdings bleibe die Einrichtung dann ohne weitere Ruhetage bis Ende der Herbstferien am 4. November offen. Die große Hoffnung liegt also auf gutem Wetter im Herbst. „Manchmal steht man im Leben vor Situationen, die man sich definitiv anders gewünscht hätte“, sagte Geschäftsführerin Siglinde Nowack.

Die Managerin hatte freilich keine andere Wahl. Das öffentliche Leben in Deutschland steht so gut wie still, und in vielen anderen Ländern ist es genau gleich. Die Freizeitpark-Industrie ist indes nicht zu unterschätzen. Dem Branchenverband IAAPA zufolge verkaufen die Parkbetreiber in Europa jedes Jahr mehr als 150 Millionen Tickets. Die mehr als 300 Einrichtungen bieten über 50.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften rund fünf Milliarden Euro Umsatz.

Die größten Freizeitparks der Erde allerdings finden sich in Amerika und Asien. Branchenprimus ist seit Jahren das „Magic Kingdom“ von Disney in Florida mit jährlich mehr als 20 Millionen zahlenden Gästen. Zum Vergleich: Der deutsche Branchenführer Europapark kommt auf 5,7 Millionen Besucher und ist damit die Nummer 20 weltweit. Der besucherstärkste Park in Europa ist das Disneyland bei Paris.

Viele Alternativen, um sich draußen abzulenken, haben die Menschen in diesen Tagen nicht. Schließlich sind in vielen Staaten auch die Sportstätten geschlossen – und die Biergärten noch dazu.