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Hochprofitable Aramco knausert bei Vergütung von Top-Management

Anders Melin
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Hochprofitable Aramco knausert bei Vergütung von Top-Management

(Bloomberg) -- Sie leiten eines der profitabelsten Unternehmen der Welt, sind zuständig für ein Zehntel der weltweiten Ölproduktion und ihre Entscheidungen haben Auswirkungen auf das Schicksal eines ganzen Landes. Dabei sind ihre Gehaltsschecks weit weniger grandios.

Der saudische Ölriese Aramco ist für das Königreich eine Cash Cow. Die Führungskräfte des Unternehmens hingegen führen ein relativ bescheidenes Leben im Vergleich zu einigen ihrer Kollegen anderswo.

Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder des Top-Managements und des Aufsichtsrates - insgesamt rund 17 Personen - Vergütungen und Zusatzleistungen im Wert von insgesamt rund 30 Millionen Dollar erhalten. Das war die Hälfte dessen, was die Konkurrenten Exxon Mobil Corp. und Chevron Corp. ihren Führungskräften und Aufsichtsratmitgliedern zahlten. Allerdings unterliegen letztere der Einkommenssteuer, während das für saudische Staatsangehörige nicht gilt.

Im Jahr 2016, als das Unternehmen mit der Vorbereitung seines langwierigen Börsengangs begann, erhielt der Chief Executive Officer Amin Nasser ein Gesamtpaket von nicht mehr als 5 Millionen Dollar, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Das war weniger als ein Fünftel dessen, was der damalige CEO von Exxon, Rex Tillerson, einstrich.

Selbst unter Berücksichtigung des Steuersystems und anderer Vergünstigungen wie diskret gelegener Residenzen mit privaten Pools erscheinen die Zahlen angesichts der großen Pläne des Unternehmens kaum als atemberaubend.

Saudi-Arabien gab am Sonntag grünes Licht für den Börsengang von Aramco. Das Land strebt für den weltgrößten Ölförderer informierten Kreisen zufolge eine Bewertung von 1,6-1,8 Billionen Dollar an, was unter dem vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman angepeilten Wert von 2 Billionen Dollar liegen würde.

“Es ist das Herzblut von Saudi-Arabien”, sagte Ellen Wald, die ihre eigene Energie- und Politikberatungsfirma leitet und Autorin des 2018 erschienen Buches “Saudi, Inc.: The Arabian Kingdom’s Pursuit of Profit and Power“ ist. Das Top-Management “sieht sich selbst als Verwalter dieser unglaublichen nationalen Ressource “, sagte sie.

Aramco hat keine Vergütungsdetails veröffentlicht, die über die in einem Anleiheprospekt vom April enthaltenen Zahlen hinausgehen. Ein Sprecher des in Dhahran ansässigen Unternehmens, das offiziell als Saudi Arabian Oil Co. bekannt ist, sagte, die Manager würden auf eine Weise entlohnt, die mit der Strategie und den Zielen von Aramco im Einklang stehe.

Es gab viele Gründe, über großzügige Vergütungspakete für Führungskräfte zu spekulieren. In Europa und den USA besteht in der Regel zumindest eine oberflächliche Beziehung zwischen der Größe und Rentabilität eines Unternehmens und dem, was es seinem Top-Management zahlt.

Aramco wies für das vergangene Jahr einen beachtlichen Gewinn von 111 Milliarden Dollar aus, mehr als die fünf größten Konkurrenten - Exxon, Chevron, Royal Dutch Shell Plc, BP Plc und Total SA - zusammen verdienten.

Das Aramco-Board hat sich jedoch gegen Vergütungspakete gestellt, die nach US-Standards bemessen sind, sagten die informierten Personen. Sie baten um Anonymität, da sie vertrauliche Informationen erörtern. Die Direktoren äußerten sich auch skeptisch gegenüber Anreizen, die die Mitarbeiter dazu verleiten könnten, die kurzfristigen Ergebnisse auf Kosten der langfristigen Performance des Unternehmens zu maximieren, hieß es weiter.

“Es gibt dieses Gefühl der Fairness innerhalb der Generationen bezüglich des Umgangs mit dem saudischen Öl, was ein sehr wichtiger Bestandteil von Aramcos Mission ist”, sagte Jim Krane, ein Energiespezialist am Baker Institute der Rice University. Es geht darum, „das Öl für zukünftige Generationen zu bewahren“.

Der Aufsichtsrat hat unterrichteten Kreisen zufolge nach Wegen gesucht, die Vergütung des Aramco-Managements an die US-amerikanischen und europäischen Standards anzugleichen, um für internationale Investoren attraktiver zu werden. Die Direktoren haben Aktienzuteilungen und langfristige Anreize in Betracht gezogen, die häufig einen Großteil der Vergütung von Führungskräften in westlichen Unternehmen ausmachen.

Es gibt auch große Vergütungsunterschiede zwischen Aramco und anderen großen staatlichen Ölunternehmen. Aus aufsichtsrechtlichen Meldungen geht hervor, dass die Vorstandsmitglieder der russischen Rosneft PJSC im Jahr 2018 insgesamt 63,9 Millionen Dollar erhielten, während ein Dutzend Direktoren und Führungskräfte von PetroChina Co. in dem Jahr insgesamt 1 Million Dollar verdienten. Die Regeln und Gepflogenheiten für die Offenlegung und Klassifizierung der Vergütung von Führungskräften variieren jedoch stark zwischen den einzelnen Jurisdiktionen, was den Vergleich derartiger Zahlen erschwert.

Ein Job bei Aramco bringt aber auch viele Vorteile mit sich, die über die Vergütung hinausgehen. Die Stellen sind bei den Saudis sehr begehrt. Spitzenkandidaten werden manchmal schon im Teenageralter angeworben. Ein Jobangebot kann ein Ticket für eine Universitätsausbildung in den USA, langfristige berufliche Sicherheit und ein immenses Ansehen in der Heimat bedeuten.

Noch besser sieht es für diejenigen aus, die es in die oberen Ränge schaffen. Gegenwärtige und ehemalige Führungskräfte und ihre Familien leben hauptsächlich in Ar-Rabiyah, einer Enklave im Norden von Dhahran mit prächtigen Villen mit Pools.

Sie profitieren von einer breiten Palette an Dienstleistungen und Vorteilen, die von Aramco bezahlt werden, wie Autos und Fahrer, Garten- und Hauspersonal, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Verträge für leitende Angestellte beinhalten auch eine Krankenversicherung für die Ehefrau oder die Ehefrauen der betreffenden Person, hieß es weiter.

“Sie sind praktisch ein Rockstar, wenn Sie für Aramco arbeiten”, sagte Krane.

--Mit Hilfe von Matthew Martin, Javier Blas, Sonali Basak, Peter Eichenbaum und Rita Hagedorn.

Kontakt Reporter: Anders Melin in New York amelin3@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Pierre Paulden ppaulden@bloomberg.net, Rodney Jefferson, Rainer Buergin

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