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DHB-Star Drux: So hart traf uns die Prokop-Trennung

Robin Wigger
·Lesedauer: 7 Min.

Paul Drux gehört seit Jahren zu den Leistungsträgern in der Handball-Nationalmannschaft. Auch bei den Füchsen Berlin wächst er immer mehr in eine Führungsrolle hinein.

Mit dem ambitionierten Hauptstadtklub ist der 25 Jahre alte Rückraumspieler mit Licht und Schatten in die Bundesliga-Saison gestartet.

Im SPORT1-Interview bewertet Drux die bisherigen Leistungen der Füchse und die Zusammenarbeit mit dem 26 Jahre alten Trainer Jaron Siewert, spricht über seine Rolle im Nationalteam unter dem neuen Bundestrainer Alfred Gislason und über die Kritik an der Handball-WM.

SPORT1: Wie beurteilen Sie Ihre bisherige Saison in der HBL? Wechselhaft?

Paul Drux: Das trifft es ganz gut. Aktuell haben wir ein ganz gutes Gefühl, da wir ein paar Spiele gewonnen und auch besser gespielt haben. Aber die ersten Wochen waren sehr wechselhaft. Einige Spiele waren echt gut, bei anderen Spielen waren wir enttäuscht über das Ergebnis und die Leistung. Da war bisher alles dabei. (Tabelle der Handball-Bundesliga)

Füchse nun mit Trainer-Youngster Siewert

SPORT1: Wie läuft es mit Jaron Siewert? War der Wechsel vom 64 Jahre alten Disziplinfanatiker Velimir Petkovic auf den 26 Jahre alten Neuling ein kleiner Kulturschock?

Drux: Es war sicherlich eine Umgewöhnung. Petkovic war über drei Jahre hier, Jaron hat einen ganz anderen Stil. Aber da haben wir uns als Mannschaft relativ schnell dran gewöhnt. Da wir diesmal auch eine relativ lange Vorbereitungsphase hatten, konnten wir da schon einiges machen.

SPORT1: Wie ist das Spielgefühl generell in der Corona-Zeit? Macht das Handballspielen genauso viel Spaß oder fängt besonders die Zuschauersituation an, deprimierend zu werden?

Drux: Es ist schwierig. Natürlich freuen wir uns alle, spielen zu können. Und im Spiel selbst kann man auch weitestgehend ausblenden, dass keine Zuschauer in der Halle zugelassen sind. Aber gerade vor dem Spiel – speziell beim Einlaufen – merkt man es schon extrem. Es ist eine ganz andere Stimmung. Es ist dann auch schwieriger, vor dem Spiel die nötige Anspannung zu finden.

Drux: "Eine ganz seltsame Situation"

SPORT1: Dazu kommen ja auch immer wieder Verschiebungen und Absagen. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-Bundesliga)

Drux: Mittlerweile hat man sich ein bisschen dran gewöhnt und ist nicht mehr komplett überrascht, wenn eine Corona-Meldung kommt oder man als Mannschaft betroffen ist. Aber es ist eine ganz seltsame Situation. Keiner weiß, wie lange das noch dauert oder wann man auf Besserung hoffen kann. Natürlich hoffen wir, dass es möglichst schnell geht. Denn aktuell ist der ganze Sport in Deutschland von außen nicht wirklich schön anzuschauen, weil die Interaktion mit den Zuschauern einfach fehlt. Das ist beim Branchenprimus Fußball so, aber auch beim Jugendsport und den kleinen Sportarten, die davon leben, dass Familie und Freunde vorbeikommen.

SPORT1: Wegen der Corona-Zahlen wird auch vermehrt darüber diskutiert, ob die WM in Ägypten im Januar stattfinden soll.

Drux: Das ist eine ganz schwierige Frage, über die ich schon viel nachgedacht und gesprochen habe. Ich glaube, dass das für alle Außenstehenden, die nicht in die Entscheidungsfindung involviert sind, sehr schwer zu beurteilen ist. Man hat einen schlechten Einblick darauf, was alles an so einem Turnier dranhängt und wie verzwickt das ist. Auch sportpolitisch ist so eine Entscheidung schwer zu treffen. Ich persönlich glaube schon, dass es möglich ist, eine Situation zu schaffen, in der die Spieler komplett in einer Blase leben. Andere Sportarten haben das vorgemacht, wie der Basketball in Deutschland oder Amerika. Es scheint also Konzepte zu geben, die umsetzbar sind. Aber es ist schon hochbrisant, weil es gerade in der Weihnachtszeit viele Menschen vermissen, Kontakte zu haben. Da wird dann so ein Großereignis eher kritisch gesehen. Das kann ich verstehen.

SPORT1: Zumal es Befürchtungen gibt, dass Infektionen nach dem Turnier in die Ligen getragen werden könnten, was wiederum Folgen für den Spielbetrieb hätte.

Drux: Natürlich gibt es das Risiko. Aber das hat man wahrscheinlich jeden Tag. Egal, ob man in der Bahn ist oder zufällig neben jemandem sitzt, der sich mit dem Virus infiziert hat. Wir haben dieses Risiko auch bei unseren europäischen Spielen, auch in den Ligapartien kann das passieren. Bei uns hat es zum Glück bisher sehr gut funktioniert. Aber wir hatten den Fall mit Leipzig, als die ganze Mannschaft zwei Wochen draußen war. Aber wenn man ein gutes Konzept hat, komplett in Isolation geht und sich abschirmt, ist es machbar.

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Pekeler, Palmarsson und Duvnjak gegen Handball-WM

SPORT1: Allerdings haben sich bereits einige prominente Namen wie Pekeler, Palmarsson oder Duvnjak kritisch über die WM geäußert. Henning Fritz sprach von einem klaren Zeichen. Was kann das auslösen?

Drux: Diese Stimmen finden natürlich sehr viel Gehör. Sollten die Topstars an der WM zweifeln, wird das einige zum Nachdenken bringen. Die Frage ist, ob sich der Weltverband davon abbringen lässt. Sie werden zeitnah eine Entscheidung treffen müssen, ob die WM stattfindet - und diese Entscheidung wird dann durchgezogen.

SPORT1: Wäre es aktuell auch ein passender Zeitpunkt, um über den Turnierrhythmus zu sprechen? Stichwort Belastung.

Drux: Die Diskussion wird eigentlich jeden Winter aufs Neue geführt, um dann im März etwas abzuebben und im Sommer wieder an Fahrt aufzunehmen. Es ist schwierig zu sagen und zu prognostizieren. Man muss generell definitiv darüber sprechen. Es gibt ein Problem und dieses muss gelöst werden. Sich aber einfach auf den Rhythmus der Fußballer einzulassen, wäre in meinen Augen zu einfach und zu schnell gegriffen. Es gibt zu viele Bausteine, die ineinander greifen. Daher müssen sich der Weltverband, der europäische Verband und die Ligen an einen Tisch setzen und eine Lösung finden. Schließlich hat jeder seine Interessen. Diese alle unter einen Hut zu bringen, ist sehr schwer, aber wenn man es nicht versucht, wird es auch nicht besser.

Drux über Arbeit von Gislason als Bundestrainer

SPORT1: Auch beim Nationalteam haben Sie einen Wechsel auf der Trainerbank erlebt. Unter Alfred Gislason wurden Sie zuletzt nur nachnominiert. Wie sieht der Austausch aus - auch in Richtung WM-Chancen?

Drux: Darüber muss der Trainer entscheiden. Ich habe in den beiden Spielen nicht gespielt, das wird seinen Grund gehabt haben, keine Frage. Aber bis zur WM ist noch Zeit und man muss schauen, was bis dahin passiert. Mit Alfred hatten wir direkt nach dem Lehrgang Kontakt. Das lag aber hauptsächlich daran, dass bei uns Spieler positiv getestet wurden. Daher hatten wir kontinuierlich virtuelle Teamsitzungen, in denen wir uns ausgetauscht haben. Über die WM wurde da allerdings nicht gesprochen.

SPORT1: Welche Veränderungen hat Gislason in die Mannschaft gebracht?

Drux: Man sieht direkt seine Handschrift. Da geht es um taktische Dinge, die wir übernommen haben. Auch das Training hat sich etwas geändert. Allerdings hatten wir nicht viel Zeit. Es ist auch für ihn ein schwieriger Zeitpunkt, diesen Posten zu übernehmen. Ob das Spiel gegen Bosnien stattfindet, war bis kurz vor der Partie nicht klar. Das ist nicht so einfach, daher konnten wir noch nicht so viel ändern. Da wird Alfred noch mehr vorhaben mit uns. Aber man schon gemerkt, dass er uns sehr viel analysiert hat – weniger die Gegner. Sein Fokus lag eher darauf, was wir in kurzer Zeit besser machen können und wo er mit seinem System hin will.

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Trennung von Prokop überraschend

SPORT1: Und wie beurteilen Sie die Entscheidung des Wechsels von Christian Prokop auf Gislason, die ja durchaus für Aufsehen gesorgt hat?

Drux: Es war für uns alle sehr überraschend, wie schnell das getroffen wurde. Es ist immer schwer. Ich hatte schon einige Trainerwechsel in meiner Karriere, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft. Es ist immer ein blödes Gefühl. Sicherlich ist es am schlimmsten für den Trainer, aber auch für uns Spieler ist es schwierig, denn sind wir als Team zusammen. Ich hatte danach auch noch immer wieder Kontakt mit Christian.

SPORT1: Zumal es kurz vor dem Tausch noch hieß, dass es mit Prokop weitergeht.

Drux: Das war sicherlich für die Medien das Interessanteste daran. Aber was da jetzt wirklich alles lief, da habe ich nichts mitzureden. Daher müssen das andere rechtfertigen oder sich dazu äußern. Persönlich finde ich das schade. Er ist ein sehr guter Trainer und sehr guter Mensch. Er wird seinen Weg auf jeden Fall weitergehen.