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Historischer Zinsschritt: EZB treibt Leitzins trotz aller Konjunktursorgen in Rekordhöhe

Zinserhöhung: Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Präsidentin Christine Lagarde haben den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte angehoben.  - Copyright: Picture Alliance
Zinserhöhung: Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Präsidentin Christine Lagarde haben den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte angehoben. - Copyright: Picture Alliance

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Kampf gegen die Inflation erneut angehoben – trotz der wachsenden Sorgen um die Konjunktur. Die EZB erhöhte den Leitzins am Donnerstag um 0,25 Prozentpunkte. Es war der zehnte Zinsschritt in Folge. Seit dem Sommer 2022 hat die EZB die Leitzinsen damit um 4,5 Prozentpunkte nach oben geschraubt. Dies sind die aggressivsten Zinserhöhungen ihrer Geschichte. Die Entscheidung sei im EZB-Rat mit „solider Mehrheit“ gefallen, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde.

Der Refinanzierungszins, zu dem Banken Geld bei der EZB leihen können, steigt auf 4,5 Prozent. Der Einlagenzins, zu dem Banken Geld bei der EZB anlegen können, beträgt weiterhin 4,0 Prozent. Dieser Leitzins ist jetzt so hoch wie noch nie seit dem Start des Euro 1999.

„Die Inflation geht weiter zurück. Es wird jedoch nach wie vor erwartet, dass sie zu lange zu hoch bleiben wird“, schrieb die EZB zur Begründung ihrer Entscheidung. „Der EZB-Rat ist entschlossen, für eine zeitnahe Rückkehr der Inflation zum mittelfristigen Ziel von zwei Prozent zu sorgen.“ Sorge macht der EZB vor allem der jüngste Wiederanstieg der Energiepreise. Sie hob daher auch ihre Prognose für die Inflation auf durchschnittlich 5,6 Prozent in diesem Jahr und 3,2 Prozent im kommenden Jahr an. Erst 2025 sinke die Inflationsrate auf 2,1 Prozent.

Die US-Notenbank Fed mit ihrem Präsidenten Jerome Powell hat die Leitzinsen in den USA erneut um 0,25 Prozentpunkte erhöht.
Die US-Notenbank Fed mit ihrem Präsidenten Jerome Powell hat die Leitzinsen in den USA erneut um 0,25 Prozentpunkte erhöht.

EZB deutet Ende der Zinserhöhungen an

Nach ihrem zehnten Zinsschritt will die EZB zunächst abwarten, wie sich die Inflation in der Euro-Zone weiter entwickelt und wie stark die Zinserhöhungen die Konjunktur und die Preise bereits dämpfen. Die Notenbank deutete damit die Möglichkeit einer Zinspause im Herbst an, und ließ sogar die Möglichkeit eines Endes der Zinserhöhungen anklingen: Die EZB sei „der Auffassung, dass die EZB-Leitzinsen ein Niveau erreicht haben, das – wenn es lange genug aufrechterhalten wird – einen erheblichen Beitrag zu einer zeitnahen Rückkehr der Inflation auf den Zielwert leisten wird“. Der EZB-Rat werde dafür sorgen, „dass die EZB-Leitzinsen so lange wie erforderlich auf ein ausreichend restriktives Niveau festgelegt werden“.

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Analysten werteten dies einhellig als „Quasi-Ankündigung" eines Endes der Zinserhöhungen, so Jörg Angelé vom Vermögensverwalter Bantleon. „Da zu erwarten ist, dass die wirtschaftliche Entwicklung schwach bleibt und die Arbeitsmärkte auf die Zinssteigerungen mit geringerem Beschäftigungsaufbau reagieren, dürfte die zehnte auch die letzte Zinserhöhung in diesem Zyklus gewesen sein“, kommentierte auch Michael Heise, Chefvolkswirt des HQ Trust.

Die Inflationswelle infolge der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges hat ihren Höhepunkt zwar überschritten, die Teuerung geht aber nur langsam zurück. In der Euro-Zone betrug die Inflationsrate im August unverändert 5,3 Prozent. In Deutschland ist sie im August unwesentlich von 6,2 auf 6,1 Prozent zurückgegangen. Gerade in Deutschland dürfte sich die Inflation in den kommenden Wochen aber abkühlen. Dafür spricht, dass die Preise für Importe, bei den Herstellern und auch im Großhandel sogar bereits sinken. Als größter Volkswirtschaft in der Euro-Zone kommt Deutschland ein besonderes Gewicht zu.

Gegen eine sinkende Inflation spricht vor allem, dass Öl auf den Weltmärkten zuletzt wieder deutlich teurer geworden ist, weil Russland und Saudi-Arabien ihre Produktion gedrosselt haben. Zudem steigen die Löhne und Gehälter kräftig und erhöhen die Kosten der Unternehmen.

Die Entscheidung der EZB galt als offen. In den üblichen Umfragen vor der Ratssitzung der EZB rechneten jeweils etwa die Hälfte der Ökonomen und Analysten mit einer Zinspause oder einer Zinserhöhung. Vor allem aufgrund der schwächeren Konjunktur in Europa waren zuletzt Rufe nach einer Zinspause immer lauter geworden. Die EU-Kommission hatte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in der EU gerade erst von 1,1 auf 0,8 Prozent gesenkt. Für Deutschland geht die Kommission sogar von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent aus.

In Deutschland baut sich eine Insolvenzwelle auf – auch der Spielzeughersteller Haba kämpft ums Überleben.
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