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Was hilft gegen Gesichtsschmerzen bei Trigeminusneuralgie?

Unerträgliche Schmerzen in der Wange, ohne Vorwarnung und erkennbaren Grund: Eine Trigeminusneuralgie bedeutet für Betroffene großes Leid. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Trigeminusneuralgie.führt zu starken Schmerzen im Gesicht. (Bild: dpa)
Trigeminusneuralgie.führt zu starken Schmerzen im Gesicht. (Bild: dpa) (Christin Klose/dpa-tmn)

Darmstadt/Essen - «Auf der Schmerzskala von eins bis zehn - eine zwölf. Oder mehr.» So oder noch drastischer beschreiben Betroffene die Trigeminusneuralgie.

Neuralgie - das ist in der Medizin der Fachbegriff für Nervenschmerzen. Der Trigeminus ist ein Nerv, der Berührungs- und Schmerzreize im Bereich des Gesichts weiterleitet.

Hinter einer Trigeminusneuralgie stecken unglaubliche Schmerzen, die den Betroffenen meist ohne jede Vorwarnung quälen. Sie betreffen meist nur eine Seite des Gesichts, schießen mit der Wucht eines Stromschlags in die Wange. Meist treten sie nach dem 50. Lebensjahr auf, Frauen sind öfter betroffen als Männer. Statistisch betrachtet erkrankt eine von 10 000 Personen an einer Trigeminusneuralgie.

Es sind wohl Kurzschlüsse im Nerv

Doch was steckt dahinter? Die Ursache für diese Schmerzattacken sind oft unklar. Allerdings haben viele Patienten im Gehirn einen direkten Kontakt einer Arterie mit dem dort entspringenden Trigeminusnerv. «Dadurch werden wahrscheinlich Kurzschlüsse im Nerv verursacht, die zu sehr starken Schmerzen führen», sagt Karsten Geletneky, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Darmstadt.

Wattestäbchen: Darum gehören sie nicht ins Ohr

Interessanterweise muss dieser Kontakt aber nicht zwingend Schmerzen verursachen. «Rund ein Viertel aller Menschen haben diesen Kontakt. Aber nur bei einem kleinen Teil macht er sich als Trigeminusneuralgie bemerkbar», sagt Prof. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums und Oberärztin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.

Eindeutige Diagnose kann schwierig sein

Problematisch ist: Nicht immer wird die Trigeminusneuralgie erkannt. «Es gibt keine eindeutigen Hinweise, keinen Laborwert, der eine Trigeminusneuralgie sicher anzeigen kann. Man arbeitet also nicht selten nach dem Ausschlussverfahren», sagt Karsten Geletneky.

Der erste Gang führt die Patientinnen und Patienten daher häufig zum Zahnarzt, um Zahn- oder Kieferprobleme auszuschließen. Das geht nicht immer gut: «Ich hatte eine Patientin, der 22 Zähne gezogen wurden, bis man auf die Diagnose Trigeminusneuralgie kam», erzählt Dagny Holle-Lee.

Trigeminusneuralgie-Patienten führt der erste Weg oft zu einem Zahnarzt. (Bild: dpa)
Trigeminusneuralgie-Patienten führt der erste Weg oft zu einem Zahnarzt. (Bild: dpa) (Benjamin Nolte/dpa-tmn)

Die nächste Station ist dann der Neurologe oder die Neurologin. Mittels weiterführender Untersuchungen und Bildgebung wie MRT gilt es nun, eventuelle andere Ursachen wie einen Tumor oder Multiple Sklerose auszuschließen. «Nicht jeder Gesichtsschmerz ist eine Trigeminusneuralgie», stellt Dagny Holle-Lee klar.

Ein ziemlich sicheres Anzeichen dafür ist, wenn die Schmerzen von außen durch Berührung oder durch Essen oder Trinken entstehen. «Selbst einfache Aktivitäten des täglichen Lebens, wie das Waschen des Gesichts, Zähneputzen oder Sprechen können den Schmerzanfall auslösen.»

Medikament oft mit Nebenwirkungen

Die gute Nachricht: Manche Patienten haben Glück - die Schmerzen verschwinden einfach wieder. Bei wie vielen das zutrifft, ist schwer einzuschätzen. «Wir sehen natürlich nur die Patienten, bei denen der Schmerz immer wieder auftritt», sagt Holle-Lee.

Der Griff zum Schmerzmittel ist dann quasi unausweichlich. Zum Einsatz kommen Antiepileptika, also Medikamente gegen epileptische Anfälle. «Es gilt, eine Nervenfunktion mit Medikamenten so zu stabilisieren, dass die unerwünschten Impulse unterdrückt werden», erklärt Geletneky. Problematisch ist allerdings, dass die gängigen Mittel zwar durchaus wirken, aber recht starke Nebenwirkungen haben können. Schwindel zum Beispiel, worunter gerade ältere Patienten leiden.

Mit OP-Verfahren zur Schmerzfreiheit

Außerdem gibt es verschiedene Ansätze, dem Schmerz auf andere Weise Einhalt zu gebieten. Gibt es einen Kontakt zwischen Nerv und Ader, kann man beide mit kleinen Polstern trennen, so Karsten Geletneky. Dafür muss der Schädel hinter dem Ohr geöffnet werden.

Eine OP am Kopf - das klingt für viele erstmal einschüchternd. Geletneky rät aber dazu, diese Behandlung nicht gleich zu verteufeln. Denn sie führt «in den überwiegenden Fällen zu völliger Schmerzfreiheit und kann auch bei älteren Betroffenen gut durchgeführt werden». Ihm zufolge können die meisten Patienten das Krankenhaus vier Tage nach der OP wieder verlassen.

Nebenwirkungen vermeiden: Schmerzen ohne Medikamente lindern

Weitere physische Möglichkeiten sind die Thermokoagulation, bei der der die Schmerzfasern mit einer Sonde verödet werden. Und es gibt das sogenannte Gamma Knife bzw. Cyber Knife. Bei diesen Verfahren werden hochdosierte Röntgenstrahlen auf das Schmerzareal gerichtet. Die Ergebnisse sind durchaus positiv. Bei etlichen Patienten kehrt der Schmerz jedoch nach einiger Zeit zurück. Weiterer Nachteil: Diese Verfahren können nur sehr begrenzt wiederholt werden.

Auch Botox kann zum Einsatz kommen

Neben den genannten Verfahren gibt es aber auch neue Ansätze: Im Klinikum Darmstadt arbeitet man mit sogenannter «Neuromodulation», wobei Nerven mit Elektroden stimuliert werden. Die Elektroden sind mit einem Schmerzschrittmacher-Implantat verbunden und geben einen leichten Strom ab, der die Schmerzimpulse des Trigeminusnervs übertönt, so Karsten Geletneky.

Eine weitere, relativ neue Option sind laut Holle-Lee Botox-Spritzen, wie man sie aus der Schönheitsmedizin kennt. Sie legen den Nerv still, müssen aber regelmäßig wiederholt werden.

Die Hoffnung auf neue Medikamente dürfte dagegen nicht schnell erfüllt werden. Dagny Holle-Lee erklärt, warum: «Studien zu neuen Arzneimitteln erweisen sich oft als schwierig, denn zum einen müsste die bisherige Medikation eingestellt werden, um die Wirksamkeit neuer Mittel zu überprüfen. Zum anderen müsste es auch eine Placebogruppe geben. Beides ist Trigeminusneuralgie-Patienten kaum zuzumuten.»

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